The Unity Archiv

Unity III - Besprechung
... - 12.9.2006 um 03:36

So, bevor ich anfange, mal das Werk von @Dian zu würdigen, will ich erstmal fragen, wer es denn bislang alles schon gelesen hat.
Und wer Lust hat, das mal genauer zu besprechen.
Wie, ist mir egal, ich gehe gerne in Kapitelform vor, aber man kann es auch anders machen.

Äußert Euch mal!


EDIT:
BITTE NICHT WEITERLESEN, WENN IHR DAS BUCH NOCH NICHT KENNT:
GANZ OHNE ANGABEN AUS DEM INHALT KANN MAN DAS WERK NICHT BESPRECHEN UND DAS BUCH IST EIGENTLICH ZU SCHÖN, ALS DASS MAN DA MIT VORWISSEN DES INHALTS RANGEHEN SOLLTE!


Ina - 12.9.2006 um 09:04

Kapitelform?? Auweh, und mir was von Dogmatismus hinknallen :D

Ich hab das Ding ja gelesen, aber ich bin nicht sonderlich brauchbar für Buchbesprechungen, weil ich irgendwie immer meine, sowas verzerrt bloß die Nuancen und ein Buch spricht doch für sich. (Eine Ausnahme liegt da höchstens vor, wenn der Autor irgendeinen blöden Gedanken intellektuell einwickelt und einwickelt bis jeder meint, dieser verkünstelte Kram kann nur hochgenial sein, da bin ich gleich bereit, was von Überschuss an formalem Kram und Mangel an Substanz und Echtheit zu meckern, aber das trifft hier sicher nicht zu.)

"Bücher über Bücher" - sowas ist nicht mein Fall.

Aber, @Arne, wenn du was schreibst, werde ich vermutlich schon meinen Senf dazugeben.


HëllRÆZØR - 12.9.2006 um 18:39

Lesen werde ich's auf jeden Fall, die Frage ist nur wann...


Seneca - 13.9.2006 um 00:56

Ich hab die anderen Bücher gelesen und werde auch Unity III lesen. Aber erst wenn ich wieder neuen Toner für den Drucker hab.


... - 13.9.2006 um 03:41

Wie, noch keiner außer @Maria und mir, die das ganz gelesen haben?

Schämt Euch! Allmählich verstehe ich den Frust von @Dian hier!
Gut, dass es mir meistens wurscht ist, ob man meine Ergüsse liest.

Naja, @Maria, ich finde das gesamte Werk etwas zu komplex, als das man es im Ganzen besprechen kann. Außerdem muss ich ja auch noch manchmal etwas arbeiten (morgen zwar erst um 16h, aber trotzdem wäre das ein zu endloser Text, wenn ich alles, was mir auffiel, versuchen würde, in einem runterzuschreiben.)

Und außerdem muss ich mir erstmal selber ein Bild darüber machen, was da eigentlich alles in dem Werk drin steht, um das alles zu verdauen.


Aber fangen wir ganz einfach mal mit der Form an:

Die Form unterscheidet sich meines Erachtens schon von den vorhergehenden Bücher von @Dian. @Dian hat hier jetzt eindeutig den reinen Filmstil seiner Erzählungen verlassen. Es ist zwar immer noch größtenteils Handlung, die auch als Film erzählbar wäre, aber die Handlungsstränge spielen in unterschiedlichen Zeiten.
Es scheint, als hätte @Dian mal Marcel Proust oder Thomas Mann gelesen, die auch die erzählte Zeit von der Erzählzeit trennten. Normalerweise mag ich das nicht immer. Bei Marcel Proust 13 Bände "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" fiel mir am Ende auch nur ein, dass man die verlorenen Zeit darin evtl. finden könnte, als man die 13 Bände las.
Das ist aber Gott sei Dank in dem Buch trotz seines Umfanges nicht der Fall. Es spielt von Zeiten vor der österreichischen Besatzung der spanischen Niederlande (leider fälschlicherweise dort Belgien schon im Buch genannt, so hieß das damals noch nicht) bis ins 22 . Jahrhundert.
Die Stränge der Geschichte, die in der Vergangenheit liegen, werden von den Protagonisten des Buches erzählt. Für die Zukunft gibt es einen kleinen Trick, der aber schon angedeutet wird direkt am Anfang des Buches, zumindest läßt der erste Prolog etwas erahnen.
@Dian schafft es auch da schon, dass man schlecht das Lesen unterbrechen kann, da die Spannungsbögen fast immer so gelegt sind, dass man am Ende eines Kapitel wissen will, wie es weitergeht. Da der Anfang gleich mit einem eher mystischen scheinenden Plot beginnt, ist man zumindest darauf erpicht, zu wissen, was da vorgeht.
Und eine ansatzweise Erklärung folgt auch gleich in Prolog zwei.


quaid - 13.9.2006 um 16:48

bin noch dabei :/


... - 14.9.2006 um 03:02

EDIT:
SO, AB HIER WIRKLICH NICHT MEHR WEITERLESEN, BEVOR DAS BUCH GELESEN WURDE!!!!


Ich würde eigentlich ganz gerne damit anfangen, zuerst mal die einzelnen Charaktere zu besprechen, die da auftauchen.
Denn diesmal hat @Dian nicht einen Erzähler, sondern eben mehrere Protagonisten.
Man kann sagen, es geht hauptsächlich
-um einen Jungen aus Ostdeutschland, Nikita.
-um einen oder zwei Jungen, die so ungefähr in der Zeit geboren wurden, in der auch die Hauptperson aus Unity II stammt, Markus und Benjamin.
-um Janosch (auch bekannt aus Unity II)
-um einen Jungen aus Vietnam, der wegen einer Kriegsverletzung in Deutschland ist.

Der interessanteste Charakter ist eigentlich Markus:
Markus ist mal ein Typ, der etwas anders drauf ist, als die Helden aus @Dians Bücher.
Der Typ gehört zwar auch zu den totalen Brutalos, die @Dian sonst auch gerne heroisiert hat, aber diesmal ist diese Brutalität eher eine Folge von einer Art Schizophrenie.
Ist zwar wissenschaftlich nicht ganz sauber, weil @Dian das so darstellt, als wäre diese Schizophrenie eine Folge von Kriegserlebnissen und Schizophrenie nunmal immer bis auf evtl. eine Pfropfschizophrenie (die aber mit Intelligenzdefekten einhergeht), eine endogene Ursache hat, also von außen nur wenig beeinflusst wird.
Aber gut, warum sollte jemand nicht auch Schizo werden unabhängig von seinen Kriegserlebnissen.

Klasse finde ich daran, dass es kaum Anzeichen während der Erzählung gibt bis zum Plot, dass Markus und der Nachkriegs - Janosch identisch sind. Ist zwar etwas aus Fight Club geklaut, aber dennoch genial..Das wäre natürlich in ´ner filmischen Umsetzung wunderbar krud gewesen, dass als zwei verschiedene Menschen darzustellen und die Übergänge so zu machen, dass noch mehr Hinweise kämen.

Insgesamt erscheint mir hier aber auch die Form der Schizophrenie nicht ganz angebracht, um das Problem darzustellen, was gezeigt wird.

Markus ist meines Erachtens eher so der Typ, der aus ganz normalen Verhältnissen kommt und erst durch den Tod seines besten Freundes Benjamin langsam in den Wahnsinn treibt.
So entstehen eben zwei Bilder, zum einen der Markus, der aus dem kleinbürgerlichen Elternhaus kommt und eigentlich nicht viel mit Widerstand gegen die Nazizeit am Hut hat und der Markus - Janosch, der einen unerbittlichen Hass auf die Menschheit mit sich trägt.

Aber da hat @Dian was ganz geniales gemacht:
Die Lösung, dass unterschiedliche Charaktere in ihm wohnen, wird dadurch aufgebrochen, dass er sich bei einem Besuch in seinem früheren Leben, bei den Eltern eben, an die Zeiten mit Benjamin zurückerinnert und dabei Markus auffällt, dass er wahrscheinlich viel mehr für seinen Freund empfand, als einfach nur Freundschaft. Dass da auch sexuelle Gründe eine Rolle spielen könnten. Erst nachdem ihm das klar geworden war, ist er in der Lage, seinen zweiten Charakter, der den gesamten Hass auf die Menschheit repräsentiert, aufzugeben.
Die Szene, wo er sich an diese Zuneigung für Benjamin erinnert, ist auch genial geschrieben.
Man könnte das also so interpretieren, dass da die Unterdrückung sexueller Gefühle, die nicht der Norm entsprachen, zu einem unglaublichen Hass führten.

Markus scheint auch bis zum Ende seines Lebens keine großartigen Kontakte zu Frauen zu unterhalten, wird sogar von der Gegenseite als perverser Pädo bezeichnet, allerdings wird auch das Verhältnis, was zwischen den dreien besteht, nie so ganz erläutert. Da bleibt dem Leser auch ´ne Menge Spielraum für die eigene Phantasie.

Ich weiss nicht, ob ich da mit der Sexualität das alles als zu hoch mal wieder bewerte, aber diese Interpretationsmöglichkeit erscheint mir am einleuchtendsten.

Oder hat wer andere Ideen?


Ina - 14.9.2006 um 09:54

Mann, Arne, verrat doch gleich alles, dann muss es gar niemand mehr lesen.
Tja, ich wäre für unkonkretes, strukturloses Rumschwallen gewesen - zumindest so lange, bis ne ordentliche Anzahl hier das Buch gelesen hat.
Aber das bringts ja auch nicht.

Bloß eins: Was mir am meisten an dem Buch aufgefallen ist, ist die im Vergleich zu Unity 1 und 2 arge Abkehr vom Idealismus, in diesen Büchern war alles klar (in U2 war es mir persönlich schon deutlich zu klar) aber hier ist gar nichts mehr klar. Eigentlich widerlegt sich da alles gegenseitig. Die Gegenwelt widerlegt die Welt, die Geschichte widerlegt die Gegenwelt und tieferlegende Strukturen widerlegen die Geschichte... Und trotzdem steckt da Kraft drin, sie liegt in der Sehnsucht und in der Intensität des Traumes und selbst die hoffnungslosesten Kreaturen da drin sind nicht irgendwie verzweifelt, sondern dämonische Zerstörer. Sie sind der folgerichtige Endpunkt und trotzdem sind sie die Stärksten von allen, und letztlich gibt es nur eins, das sie und die Welt und alles sonst ignoriert und das ist die Freundschaft. Doch selbst die bleibt nur in Gedanken ewig (und Gedanken können sich ändern).


... - 15.9.2006 um 03:17

Also, erstmal:
Hast insofern Recht, als ich jetzt gleich erstmal den ersten Beitrag editiere und dabei schreibe, dass die Leute erstmal das Buch lesen sollen und dann hier weiterlesen sollen.
Ich bin zwar so blöd, und würde sowieso nicht erst ´ne Rezension lesen, bevor ich das Buch nicht ausgelesen habe, aber evtl. kommen ja Gäste dadurch auf den Geschmack.

Zum zweiten fällt mir auf, dass hier wirklich der Begriff "Sehnsucht" grandios ist.
Genau das ist es vor allen Dingen, was aus dem Buch spricht.

Wenn wir erstmal noch ein paar Takte besser rumschwallen, bevor wir weiter in die Einzelheiten der Charaktere gehen, dann würde ich schon sagen, dass dieser Begriff das wirklich trifft.

Fragt sich aber natürlich: Sehnsucht wonach?
Meinst Du wirklich, es ist nur die Sehnsucht nach der unendlichen Freundschaft oder Liebe, die dahinter steckt?
Es ist zumindest das einzige, was @Dian nicht widerlegt in seinem Buch, das stimmt.
In einer der Dimensionen kommt er ja sogar genau darauf zurück (Epilog I).
Wobei Epilog II schon wieder das auch etwas wiederlegt, weil Yaominh ja faktisch in seiner Dimension alleine bleibt und trotzdem einen Weg findet, was zumindest angenommen werden kann am Ende.

Man könnte es, so gesehen, auch ein sehr nihilistisches Werk nennen, weil eigentlich alles schief geht, so gesehen.
Wie Du schon geschrieben hast, der schöne Traum der Gegenwelt geht in an den Realitäten einer grausamen Umwelt zugrunde. Der Wiederaufbau hält nur so lange an, wie faktisch eine Rache der normalen und der finsteren Welt droht für die Verfehlungen aus der Vergangenheit.
Wobei ich dennoch denke, dass das Ende des Epilogs I das schönste ist, was @Dian jemals geschrieben hat. Schön auch, dass trotz allem, der Leser nicht weiss, ob das jetzt die Realität ist, oder doch das, was vorher stattfand die Realität bleibt.
Aber ich hab´das ja selber gerade erst erlebt, wie angenehm das ist, wenn man auf einmal wieder in den Wurzeln seiner Vergangenheit was findet, wo man sagen kann, das ist es damals eigentlich gewesen und das wird es sein für jetzt und für alle Ewigkeit.

Dennoch oder auch gerade deshalb hätte ich zumindest Yaominh und Nikita ein Ende a la Philemon und Baukis gewünscht. Und auch Markus und Benjamin. Der Epilog fehlt mir, wie die sich wiedertreffen.
Am besten in ihrer Jugend, wo sie dann alles mal so machen, wie es ihnen später bewusst wird, was sie eigentlich alles miteinander unternehmen können anstatt die großen Widerstandskämpfer zu werden. (Obwohl, das wohl etwas zu politisch inkorrekt gewesen wäre!)


Ina - 17.9.2006 um 18:10

Zitat

Fragt sich aber natürlich: Sehnsucht wonach?
Meinst Du wirklich, es ist nur die Sehnsucht nach der unendlichen Freundschaft oder Liebe, die dahinter steckt?


Ach mei, was sind konkrete Sehnsüchte schon wert :D
Die Welt ist ein Geheimnis und was soll man suchen und wonach soll man sich sehnen wenn nicht nach dem unbekannten Gott - nach etwas, das in ihr liegt und das alles verspricht, ohne die Gewissheit oder selbst die Hoffnung, dass es sich jemals offenbart...
- na gut, in so einer "Interpretation" ist wahrscheinlich mehr von den eigenen Hirngespinsten drin als vom Text.

Konkret und halbwegs auf dem Boden der Tatsachen würde ich sagen, es ist nur die Sehnsucht nach einem richtigen, gelungenen, realen Leben. Die hatte doch jeder mal, aber die meisten geben sie auf, wenn sie in die Mühlen dieses Schwachsinns geraten, den wir zu unserem Alltag gemacht haben. Bizarrerweise sind die verdammt mächtig und irgendwann beschränken sich die meisten darauf, ihr Leben zu "managen" - unter Zeitdruck, mit Terminkalender, tollen Plänen und und ach so vielen ach so wichtigen Verpflichtungen. Ganz zu schweigen von dem ach so wichtigen Job, dem Gott schlechthin, wo man Denk- und Verhaltensregeln befolgt, gegen die der kumulierte Schwachsinn aus sämtlichen sog. Heiligen Büchern gar nix ist.
Wie gesagt, irgendwann führen sie ihr Leben und haben keins mehr - jedenfalls nichts Richtiges, Eigenes, nur noch ein bizarres Spiel mit bizarren Regeln, in dem sie (wohl zu ihrem Glück) zu tief drinstecken, um seinen Wahnsinn noch zu empfinden.

Die Sehnsucht nach etwas anderem - nach etwas Realerem - sollte eigentlich das Selbstverständlichste überhaupt sein, dass wir sie hier überhaupt feststellen müssen, ist schon eine weitere Seltsamkeit.


Zitat
Schön auch, dass trotz allem, der Leser nicht weiss, ob das jetzt die Realität ist, oder doch das, was vorher stattfand die Realität bleibt.


Das fand ich eigentlich ziemlich klar: "real" ist beides, aber wenn du mit "Realität" gerade diese Realität meinst, in der wir hier gerade drinstecken, so ist diese ganz offensichtlich nicht identisch mit der, in der der größte Teil der Geschichte spielt, weil "hier" im Herbst 93 nicht diese einschneidenden Ereignisse stattfanden.



Zitat
Der Epilog fehlt mir, wie die sich wiedertreffen.
Am besten in ihrer Jugend, wo sie dann alles mal so machen, wie es ihnen später bewusst wird, was sie eigentlich alles miteinander unternehmen können anstatt die großen Widerstandskämpfer zu werden. (Obwohl, das wohl etwas zu politisch inkorrekt gewesen wäre!)


Ich glaube nicht, dass das so geklappt hätte. Da war doch nichts politisch Motiviertes, die hatten ja nicht darauf hingearbeitet, die großen Widerstandskämpfer zu werden, sondern wurden schon durch ihr relativ wenig unangepasstes Verhalten da reingezogen. Benja insbesondere, der zu Hause nimmer bleiben konnte und Markus dann halt auch. Wenn die jetzt ihre anarchistischen und sonstigen Neigungen voll ausgelebt hätten, hätte die Katastrophe erst recht nicht ausbleiben können (wenn ich die Logik der Geschichte recht verstanden habe) die Konfrontation mit der Welt der anderen wäre erst recht unausweichlich geworden.


... - 18.9.2006 um 02:59

Also, beim letzteren weiss ich nicht so recht, @Maria.
Wenn die beiden jetzt einfach nur ein schwules Liebespärchen hatten werden wollen ohne politischen Anspruch, hätten die das doch auch hinbekommen. Letztendlich sagen doch die beiden Epiloge aus, dass es wichtigeres gibt als immer den politischen Anspruch zu besitzen, den ideologischen korrekten Weg zu gehen.
Man kann eben auch ohne Gegenwelt und ohne Gewalt etwas aus seinem Leben machen.

Insofern ist das mit den Sehnsüchten doch auch relativ offen gelassen. Jeder sucht zwar was (in Epilog II mit Yaominh besonders deutlich.), aber man findet auch was im Kleinen, wie Nikita und Yaominh (der echte?) im Epilog I.

Und wenn das alles nur ein Traum gewesen wäre, dann müsstest Du allerdings den Sinn von Epilog II mal erklären, @Maria! Das passt dann nämlich überhaupt nicht.


Ina - 18.9.2006 um 09:21

Fröhliches, freies, anarchistisches Schwulenpärchen 1943 bei der HJ - naja.

Zitat
Letztendlich sagen doch die beiden Epiloge aus, dass es wichtigeres gibt als immer den politischen Anspruch zu besitzen, den ideologischen korrekten Weg zu gehen.


Interpretierst du das echt so, dass die aus dem Grund zur Gegenwelt gehen wollten, weil sie die politischen Argumente und die Ideologie so überzeugt haben? Also ich hab das so verstanden, dass die einfach nur so leben wollten, wie es ihnen gefällt und dass sich immer mehr herauskritallisiert hat, wie schwierig das in der normalen Welt wird. Da wären sie vielleicht sogar noch an der Front gelandet, zumindest hätten sie einen großen Teil ihrer Freiheit aufgeben und sich einfügen müssen, früher oder später, "just a question of time".
Um das abzulehnen, braucht man doch kein ideologisches Konstrukt, keine politischen Argumente. Eigentlich wollten sie doch bloß Spaß haben. Und wenn sie in diesem letzten Sommer noch die letzten Konventionen überwunden und fröhlich miteinander rumgefickt hätten, hätte das am Lauf der Geschichte doch auch nix mehr geändert.
Hätten sie nach der Zerschlagung der Gegenwelt da im Wald bleiben, ein paar Hüttchen wieder aufbauen und da zu zweit leben sollen? Oder einfach wieder heimgehen? Vielleicht wäre das vernünftiger gewesen, aber die impulsive Reaktion war eben, sinnlos einfach irgendetwas tun zu wollen - und dann steckten sie drin.


Zitat
Und wenn das alles nur ein Traum gewesen wäre, dann müsstest Du allerdings den Sinn von Epilog II mal erklären, @Maria! Das passt dann nämlich überhaupt nicht.


Doch, sicher. Das ist ja eben kein Traum gewesen. Die Geschichte geht davon aus, dass es parallele Realitäten gibt und zwar nicht metaphorisch, sondern ganz konkret. Und in diesen ungeheuer vielen Welten gibt es auch uns ungeheuer oft - ob das nun Seelenwanderung oder einfach Zufall ist, der alles in beliebigen Variationen hervorbringt, wenn er nur genug Zeit und Platz dazu hat, ist ja erstmal egal.
Wir stecken hier in einer bestimmten Realität fest und die anderen sind unerreichbar. Doch in der Realität, in der die Geschichte spielt (und die mit unserer bis 93 fast identisch ist), hat eben jemand einen Weg gefunden, das zu ändern. Yaominh ist in dieser Zukunftswelt gelandet und Nikita in unserer - oder eben einer, die unserer sehr ähnlich sieht. Klar fragt er sich, ob nicht alles nur ein Traum war - er hat ja nicht die Informationen, die wir mit Epilog 2 haben, der eben zeigt, dass es nicht so ist.


... - 19.9.2006 um 02:45

Naja, ich interpretiere das mal eher so, dass eben auch der Epilog I aussagt, dass man alles zu seiner Zeit machen sollte.
Widerstand dann, wenn er sinnvoll ist. Und Leben dann, wenn es sinnvoll ist.
Wobei Du jetzt natürlich sofort gegen das Wort "sinnvoll" wettern wirst, @Maria, weil das ja nun so gar nicht in Dein Weltbild passt. Stimmt´s?:D
Ob es nun wirklich eine Aussage ist, dass man eher zufällig in ein aufregendes Leben reinrutscht (oder anders ausgedrückt in ein erfülltes, denn das meine ich hier mit "sinnvoll"!), weiss ich nicht, aber das ist eben an diesem Roman mal das Schöne, dass @Dian das auch selber offen lässt.

Letztendlich ist der Leser am Ende nicht klüger als @Dian selbst, habe ich den Eindruck, und jeder muss sich selbst auf die Suche nach seiner Rolle in der Welt und Gegenwelt machen.

Insofern bin ich mir da auch nicht ganz sicher, ob es so einfach ist, jetzt zu sage, es gäbe da eine andere Realität als die unsere.
Letztendlich macht @Dian da ein Spielchen, dass ich schon aus "Star Trek" - Folgen kenne. Er spielt mit seinen Akteuren, denn ER ist der Autor, der Realitäten erschaffen kann. Bei "Star Trek" wird diese Rolle zumeist von Q übernommen, der auch den Filmautor repräsentiert, der letztendlich alles machen kann, was er will, mit den Figuren, auch völlig andere Realitäten schaffen kann.
Und mit dieser Form spielt hier Dian. Der Yaominh aus Epilog I ist ja nicht der gleiche aus Epilog II.
Und dennoch zeigt er für die beiden eine Perspektive auf, die durchaus gangbar ist.

Mir fällt noch eine interessante Komponente ein, die @Dian vielleicht gar nicht bedacht hat.
Markus und Benjamin sind relativ furchtlos in ihrem Vorgehen, was Markus dann nach dem Krieg als Janosch ja noch bis zu Geht - nicht - mehr fortführt.
Mir fiel dabei ein, dass letztendich das auch sogar ´ne Parabel zu dem Menschenbild der Nazis darstellt, dass damals vermittelt wurde.
In den germanischen Heldensagen, auf die die Nazis ja nun auch ziemlich standen, war der Held, Siegfried, stets furchtlos bis sogar dumm zu nennen in seiner Furchtlosigkeit. Nichts anderes trifft zuerst Benjamin, später Markus, der sich allerdings nur selbst in seiner Schizophrenie verstrickt.
Beide eifern in ihrer Kompromißlosigkeit eigentlich einem Nazi - Ideal nach.
Zumindest ist es durch die beiden versöhnlichen Enden so geschrieben, dass man eben dieses Nazi-Ideal nicht unbedingt als einzige Möglichkeit auffassen muss.


Ina - 19.9.2006 um 09:03

Zitat

Widerstand dann, wenn er sinnvoll ist. Und Leben dann, wenn es sinnvoll ist.
Wobei Du jetzt natürlich sofort gegen das Wort "sinnvoll" wettern wirst, @Maria, weil das ja nun so gar nicht in Dein Weltbild passt. Stimmt´s?


He, ich habe durchaus ein Konzept von "sinnvoll", irgendwie, irgendwo.
Aber wenn man mich mit diesem Begriff nerven will oder irgendwie planlos über irgendwas herumurteilt (das man vielleicht nichtmal versteht) lass ich halt ganz gerne raushängen, dass das so einfach nicht ist ;)


Zitat
Letztendlich macht @Dian da ein Spielchen, dass ich schon aus "Star Trek" - Folgen kenne. Er spielt mit seinen Akteuren, denn ER ist der Autor, der Realitäten erschaffen kann.


Klar, mit dieser Voraussetzung macht alles und jedes Sinn, diese Theorie erklärt in jeder Geschichte alles.
Aber ich glaube nicht, dass es letztlich darum geht, dem Leser auf die Nase zu binden, dass das alles nur eine Geschichte ist mit Dian in der Rolle des sadistischen Gottes.


Zitat
In den germanischen Heldensagen, auf die die Nazis ja nun auch ziemlich standen, war der Held, Siegfried, stets furchtlos bis sogar dumm zu nennen in seiner Furchtlosigkeit. Nichts anderes trifft zuerst Benjamin, später Markus, der sich allerdings nur selbst in seiner Schizophrenie verstrickt.
Beide eifern in ihrer Kompromißlosigkeit eigentlich einem Nazi - Ideal nach


Also diese Logik kommt mir jetzt krud vor.
Darf man jetzt nimmer furchtlos sein wollen, weil die Nazis gerne furchtlos gewesen wären und man damit jetzt einem "Nazi-Ideal" nacheifert??
Die Nazis haben dieses Ideal des starken, furchtlosen, kompromisslosen Helden ziemlich übel pervertiert, aber bloß weil man ein Ideal pervertieren kann, ist es doch noch lange nicht an sich schlecht.
Was kann man denn nicht pervertieren? Da blieben höchstens irgendwelche Erbärmlichkeiten übrig, die zu jämmerlich sind, um eine dunkle Seite zu haben.
"Seid furchtlos" steht doch schon in der Bibel, oder? D.h. die eifern auch irgendsoeinem Bibel-Ideal nach - KLEINBÜRGER :D


... - 20.9.2006 um 02:53

Nä nä, da hast Du mich jetzt missverstanden, @Maria!
Dass das ´n Nazi - Ideal war oder ist, ist eben gar keine Kritik, sondern nur ´ne Feststellung. Da wäre ich als alter Richard-Wagner-Fan auch reichlich bescheuert, wenn ich das so einfach als Kritik sehen würde.
Ich les´ja auch gerne Bücher von Martin Walser, obwohl der politisch auch nur Scheiße labert, die in die Richtung geht. Oder frag´mal @Lonewolf oder @nightrainmonk, die sind absolute Ernst Jünger - Fans.
Irgendwas müssen die Nazis ja auch faszinierendes an sich gehabt haben, sonst wären die ja nicht so beliebt gewesen bei all dem Scheiß, den die sonst noch so bauten.
Das wäre ja genauso ´n Blödsinn, wie die blöde Rumheulerei gerade mal wieder in Deutschland, weil die NPD mal wieder in irgend so´n komischen Ostlandtag eingezogen ist.
Wovor haben die Leute denn Angst bei denen?
Dass die ´n Angriffskrieg führen gegen das Völkerrecht?
Das hat Rotgrün schon 1999 im Kosovo gemacht.
(Die Szene, wo der Alte der Engelskinder von Völkermorden auf dem Balkan spricht, ist auch imo die einzige Szene wo @Dian etwas politisch inkorrekt wird, weil man das kaum Völkermord nennen kann, wenn man gerade das damit verglecht, was in der Nazizeit abging!)
Dass die Rassismus verbreiten?
Hat rotgrün auch schon 2002 im Wahlkampf mit dem Antiamerikanismus hinbekommen.
Dass die antisemitisch werden?
Dass macht die ganze Presse gerade in Form des Antizionismus gegen Israel.
Das Pack, was sich heute über Nazis aufregt, denkt noch immer in den gleichen Kategorien wie die.
Und verwerflich an den Nazis ist eben gewesen, dass sie Menschen immer nur in Gruppen sehen (die Arier, die Juden, die Amerikaner etc.) und nie als Individuen.

Bei der Heldensage von Siegfried war es aber nicht so, weil der eben ein Individuum war. Zwar imo ein reichlich blödes manchmal, aber das ist schon korrekt., dass man sowas auch als einzelner Mensch mal in den Vordergrund rücken kann.
Nur, wenn man daraus, den Prototyp des "Ariers" machen will mit den drei Bs(Blond, blauäugig und blöd!), dann wird die Sage wieder zu einem Nazischeiß umfunktioniert.


Und nochmal zu der Sache mit den Autorenspässkens, die man haben kann, wenn man seine Personen in eine andere Realität setzt.
Den Spaß und diese Macht hat ja nicht nur der Autor. Wir als Leser sind ja auch nicht weniger herrschsüchtig denen gegenüber.
Wenn wir das Buch zuschlagen oder den PC abstellen, dann sterben die einfach für uns erstmal und stehen dann wieder auf, wenn wir weiterlesen wollen.
Das ist hier auch, denke ich, ´ne absichtliche oder unabsichtliche Andeutung auf das, was wir hier in der virtuellen Welt machen. Letztendlich komme ich spätabends in Netz nach der Arbeit und Du liest das dann morgens früh oder so, und dann ist das in dem Moment für Dich reell, obwohl ich das schon vor viel längerer Zeit an einem anderen Ort, zur einer anderen Zeit etc. geschrieben habe.
Und auf alle Bücher oder ähnliches kann man das nicht so leicht übertragen, weil die meisten Autoren eher versuchen, ihre Akteure in einer möglichst eindimensionalen Realität auftreten zu lassen. Ich glaube nicht, dass man einfach so auf die Idee kommt, seine Akteure in ganz unterschiedlichen Realitäten rein zu versetzen.

Darüber hatte ich mich schon mal mit @Dian unterhalten, als es um Unity I ging. Der Thread müsste auch noch hier irgendwo stecken.
Da fand ich das nämlich eher etwas doof, dass der dort das Ende dann wieder so hinbiegt, dass die ganze Schlacht da mit den Eltern nur ein Traum war und es dem Leser nicht überlassen bleibt, ob es Realität war oder Phantasie.

Da gefallen mir die Enden hier viel besser, bleiben rätselhafter.

Und gleichzeitig ist genug drin, was auch offen bleibt.
Z.B.:
Wie interpretierst Du das denn, dass kurzfristig Yaominh als drogenabhängig dargestellt wird und das ganze dann nicht weiter erläutert wird?


Ina - 20.9.2006 um 09:47

Zitat
Nä nä, da hast Du mich jetzt missverstanden, @Maria!


Na dann bin ich ja froh.
Und was das Geheule um rechte Parteien angeht - als Österreicherin ist man da eh abgestumpft...
Mich schockiert da höchstens die Dummheit des Volkes, das diese linearen Parolen als überzeugend empfindet.
Aber diese Dummheit ist ja nix Neues und Unerwartetes.


Zitat
Wie interpretierst Du das denn, dass kurzfristig Yaominh als drogenabhängig dargestellt wird und das ganze dann nicht weiter erläutert wird?


Na dass er halt drogenabhängig ist.
Es wird ja schon am Anfang erwähnt, dass er Morphium gegen die Schmerzen gekriegt hat, süchtig geworden ist und sie dann diese Abhängigkeit nicht in den Griff bekommen haben.
Insgesamt taucht Yaominh ja nur so 9 Stunden lang auf, deshalb kommt das nur so kurz vor.
In der Epilog-1-Realität haben sie ihn dann halt irgendwie doch von seiner Sucht kuriert - oder er kriegt seinen Stoff brav auf Rezept vom Doktor - und in Epilog 2, naja, da weiß man es jetzt nicht, aber in seiner Stellung dort wird er keine Probleme haben, an das Zeug zu kommen.
Die Dinge sind hier eben nimmer so eindeutig, der menschenfreundliche Markus massakriert Leute, wenn er irre wird, Nikita wird in Epilog 2 ein doofer Lemming und Yaominh, der strahlende Comicheld, ist ein Junkie.


Noch zu der Sache mit den vielen Welten, wenn das nur so eine Autorenspielerei sein soll, wie ist das dann mit dieser Maschine, die der Professor erfunden hat? Ist das in deiner Interpretation nun wirklich bloß eine Waffe, die alle einfach umbringt?
Es macht halt insgesamt Sinn, wenn man annimmt, dass dieses Ding die Leute wirklich in andere Realitäten katapultiert. Es wird ja auch öfter irgendwas geredet von vielen Dimensionen und wie unbedeutend deshalb eine einzige davon ist.
Klar, so wie du das erklärst, kann man das natürlich ebensogut plausibel machen, wie gesagt, mit "der Autor hat sich einen Spaß erlaubt" kann man alles in einem Buch erklären.
Ich weiß auch nicht, ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, diesen Punkt so in Frage zu stellen wie du, ich fand das eigentlich ziemlich klar.
Aber das kommt vermutlich davon, dass in so populärwissenschaftlichen Büchern spätestens ab Seite 100 immer irgendwelche ungeheuer vielen Paralleluniversen auftauchen und ich somit früh an diesen Gedanken gewöhnt wurde ;)


... - 21.9.2006 um 04:26

Yaominh als Junkie.
Der tolle hochgelobte, von @Dian schon bewundernd beschriebene Yaominh als Junkie.
Hm, könnte was dran sein.

Wo stand das denn mit der Morphinabhängigkeit? Das hab´ich irgendwie überlesen.

Also, nur um das mal vorwegzunehmen:
Mich haben die ja auch oft genug mit Morphium vollgepumpt. Erstmal nutzt das Zeug nach ´ner Weile nix mehr, wenn man wirklich Schmerzen hat und nach dem KH (ich war ja auch mal fast ´n Jahr lang drin, manchmal mit sechs Ampullen Morphium täglich) bin ich danach rausgegangen und war nur froh, dass ich das Zeugs nicht mehr brauchte. Weiss ich gar nicht, ob man davon wirklich abhängig werden kann. Ich bekam das zwar meistens über den Tropf, wenn man das pur in die Venen gespritzt bekommt (hatte ich immer auf der Intensiv), dann ist das wirklich ziemlich heavy, so ungefähr wie die Junkies auch ihren Heroin - Trip beschreiben mit Warm und Kalt und irgendetwas sonderbar unbeschreiblichen. Aber irgendwie nicht angenehm imo.
Vor allen Dingen merkte ich recht bald, dass das Zeug total launisch macht. Mal himmelhochjauchzend, mal tief depressiv. Das nervte mich ziemlich schnell.
Also, für mich war das nix. Ich steh´wohl nur auf Drogen, die man oral zu sich nehmen kann, vorzugsweise rauchend! Und außerdem fängt man bei so ´ner Dosis von 6 Ampullen am Tag auch mal an zu kotzen, weil man dann nix essen oder trinken kann. (War bei mir egal, durfte ich eh nicht, aber als ich später das Trinken wieder probieren sollte, und ich noch das Zeugs bekam, merkte ich das dann.)

Insofern halte ich die Theorie, dass man von dem Zeugs abhängig werden kann, wenn man das im KH bekommt eher für unwahrscheinlich, aber sei´s drum. Reagiert auch evtl. jeder anders drauf.

So, wenn Yaominh gar nicht so perfekt ist, dann deutet das schon darauf hin, dass sich @Dian wohl wirklich weiter gegen den Supermann, der alles perfekt macht, wehrt. Das zieht sich in diesem Falle ja auch fast durchs ganze Buch. Nikita kommt da noch am besten weg.
Naja, das ist ja hoffnungsvoll, denn letztendlich ist es ja auch das, was wir @Dian bei seinem Ausstieg hier noch gesagt haben, dass seine Ansprüche evtl. manchmal etwas hoch an die Menschen in seiner Umgebung sind, und das scheint er ja dann schon vorweggenommen zu haben durch die etwas unperfekte Darstellung seiner Helden diesmal.

Wobei mir bei Yaominh noch auffällt, dass insbesondere in den späteren Kapitel öfters auf seine soziale Herkunft hingewiesen wird. Dass er natürlich als jemand aus einem doch etwas unterentwickelteren Land nicht ganz so auf Rosen gebettet war, wird gegen Ende imo immer mehr dargestellt.

Nochmal zu der Realitätenverschiebung.
Also, ich bin da eher eigentlich Fan von realistischen Sachen.
Ich mag zwar Geschichten, wo Menschen unrealistisch handeln, aber es muss zumeist auch einen Punkt geben, der dies noch in dieser Realität möglich macht.
Diese Maschine erscheint mir ziemlicher Humbug, den @Dian eben erfunden hat, um dieses Spielchen treiben zu können. Wenn es hyperreelle Realitäten gibt, dann können wir sie zumindest doch nie erreichen. Das ist Fantasy. Liegt mir nicht ganz so.

Persönlich hätte ich das wohl eher so gemacht, dass ich eher Markus wieder mit dieser Maschine konfrontiert hätte, der dadurch Benjamin wiedertrifft, und damit darauf angespielt, dass auch diese Maschine nur ein Teil seiner krankhaften Wahnideen war, die man eben auch bei seiner schizophrenen Ader zu Janosch hin sehen konnte. Eben ein Vehikel eines wahnsinnig werdenden, der sich damit aus der Realität entfernen möchte.

Aber mal kurz dazwischen:

EYY, HABEN BISLANG IMMER NOCH NUR @MARIA UND ICH DAS GELESEN, IHR HIRNIS???
Mann, dann versteh´ich aber auch @Dian, dass der sich hier mal zurückgezogen hat!:50:


Ina - 21.9.2006 um 09:48

Zitat
Wo stand das denn mit der Morphinabhängigkeit? Das hab´ich irgendwie überlesen.


Das wird in Kapitel 2 bei der ersten Beschreibung Yaominhs ziemlich bald erwähnt.


Zitat
So, wenn Yaominh gar nicht so perfekt ist, dann deutet das schon darauf hin, dass sich @Dian wohl wirklich weiter gegen den Supermann, der alles perfekt macht, wehrt.


Perfekt, unperfekt..., sagen wir so, innerhalb irgendeines abartigen Konzepts könnte es durchaus zur Perfektion beitragen, ein Junkie zu sein :D

Zitat
Nikita kommt da noch am besten weg.


Man könnte auch das Gegenteil behaupten, weil der ein doofer Lemming wird, was innerhalb dieses abartigen Konzepts durchaus das Allermieseste sein könnte.


Zitat

Ich mag zwar Geschichten, wo Menschen unrealistisch handeln, aber es muss zumeist auch einen Punkt geben, der dies noch in dieser Realität möglich macht.
Diese Maschine erscheint mir ziemlicher Humbug, den @Dian eben erfunden hat, um dieses Spielchen treiben zu können. Wenn es hyperreelle Realitäten gibt, dann können wir sie zumindest doch nie erreichen. Das ist Fantasy.



Nicht unbedingt.
Hmm, ich muss jetzt ziemlich das Schwallen anfangen, um das zu erläutern.

Irgendwelche Wurmlöcher zwischen irgendwelchen Universen könnten wenigstens theoretisch schon möglich sein.
Unendlich viele Universen könnten aufeinanderliegen wie "zweidimensionale Blätter auf einem Stapel" - bloß dass die Blätter keine Dicke haben und somit beliebig nahe beieinander liegen können (erinnerst du dich an die "0*unendlich=1"-Geometriediskussion, die du verlinkt hast? Das war sowas ähnliches, nur noch 2 Dimensionen tiefer. Wir hingegen bräuchten das jetzt ein paar Dimensionen höher, was wir uns freilich nicht vorstellen können.)
Die nächsten Universen könnten näher bei dir sein als dein Computerbildschirm, aber eben in einer Richtung liegen, für die wir keinen Namen haben, die für uns unzugänglich ist und in der wir auch keine Kräfte spüren (Gravitation etc.), weil diese Kräfte eben nur dreidimensional wirken (oder meinetwegen auch 11-dimensional, wenn das irgendwelche Stringtheoretiker wollen - ist ja für das Prinzip egal).

Wir haben oben-unten, vorne-hinten, links-rechts. Drei Richtungen im dreidimensionalen Raum.
Die unbekannte Richtung, von der ich hier spreche, würde senkrecht auf all diesen drei Richtungen stehen... du siehst, für unser Verständnis klappt das nicht, aber das heißt nur, dass wir eben in unseren drei Dimensionen hier eingesperrt sind, so wie dein zweidimensionaler Schatten sich nicht vom Boden (oder halt sonst vom Untergrund, wenn du deinen Schatten z.B. an eine Wand wirfst) erheben kann.
Mathematisch denkbar wären beliebig viele solche Richtungen, die auf unseren drei und auch aufeinander immer senkrecht stehen - man kann mit sowas rechnen, man kann sagen, wieviele Ecken ein 11-Dimensionaler Würfel hat (es sind 2048 ;) ) oder eine Formel für das Volumen einer 20-dimensionalen Kugel angeben (die zu berechnen du mich jetzt aber bitte nicht nötigst), etc.

Wer sagt, dass nicht irgendeine kosmologische Anomalie diese "Blätter" nicht doch miteinander verbinden könnte?
Ich habe keine Ahnung von Einsteinschen Feldgleichungen, drum kann ich das jetzt nicht genauer sagen. Aber dein "Punkt, der dies noch in dieser Realität möglich macht", ist somit da.
Wirklich unrealistisch erscheinen mir da höchstens die Details ("Strahlenkanone", die Art wie das abläuft etc.), aber die sind ja nicht das Entscheidende.
Man muss bedenken, dass wir uns nach dieser Interpreation in einem anderen Universum befinden. Und wenn es so ungeheuer viele Universen gibt, dass "irgendwo" "irgendwann" so ziemlich alles passiert, dann erfindet eben ein Genie auch mal 1943 eine hochtechnologische Maschine, die woanders erst Jahrhunderte später entdeckt wird.

Ich hab mal irgendwo gelesen, dass die "Feinabstimmung" des Universums auf 10 hoch 52 passiert ist, d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass aus "irgendeinem unfestgelegten Anfangszustand" unser Universum rauskommt, ist 1 zu 10 hoch 52. Wenn irgendwelche physikalische Konstanten nur leicht andere Werte hätten, wäre das alles hier nicht möglich, man hätte nur ein Meer von Strahlung, die sich nicht verklumpen und somit keine Strukturen bilden kann, oder sonst eine homogene Suppe, in der nix passiert, oder bloß einen Haufen schwarze Löcher, die halt im leeren Raum rumfliegen etc.
Was macht man aus dieser Information?
Klar kann dies der ungeheure, kosmische Zufall sein, aber bei 1 zu 10 hoch 52... Wir wissen auch nicht, wie das Universum wirklich funktioniert, es könnte alles ganz anders sein, unzugänglich anders - aber ich komme jetzt man mit den beiden in meinen Augen vernünftigsten Lösungen:
1. Man nimmt ein "höheres Wesen" (Gott, Programmierer) an, der die Regler richtig eingestellt hat
2. Man nimmt an, dass es genügend Versuche gab. Wenn es z.B. 10 hoch 1000 Universen gäbe, wäre klar, dass so ca. 10 hoch 948 mal ein Universum rauskommt, das unserem ähnlich sieht. Und wenn sich "nur" eine Milliarde mal die Geschichte darin so abspielt, wie bei uns bis 1943, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass in einer dieser Welten schon zu dieser Zeit jemand die ungeheure Entdeckung dieser Maschine macht.

Was ich nur sagen will: lässt man sich auf diese Interpretation ein, so ist sie so weit ich das sehe, durchaus in sich geschlossen - zumindest weiß man nicht genug, um sie zu widerlegen.



Zitat
EYY, HABEN BISLANG IMMER NOCH NUR @MARIA UND ICH DAS GELESEN, IHR HIRNIS???


Ihr seht doch, @Arne langweilt sich schon massiv mit mir hier :D
Also lest das Ding halt endlich mal, hier sind doch eh hauptsächlich Arbeitslose und Studenten in den Semesterferien. Und selbst wenn ihr das nicht seid, die 8 Stunden oder so, die man da investieren muss, werdet ihr doch wohl mal an einem Wochenende (oder zwei oder drei) haben.


... - 22.9.2006 um 03:20

Och, langweilen tu´ich mich gar nicht, es ist nur das Problem, wenn wir jetzt mit der Diskussion über die Beschaffenheit des Universums anfangen, dann wird das wieder ein Thread, wo sich evtl. noch @hopeless und @Yog-Sothoth und evtl. @Jack zu gesellen und ansonsten keiner mehr durchblickt.

Nur eines kurz dazu:
Das ist mir schon klar, dass es u.U. sogar wesentlich wahrscheinlicher ist, dass da noch mehr Dimensionen existieren, evtl. sogar noch mehrere parallele Universen, das ist ja auch ein Grund, warum ich mir das Sterben durchaus spannend vorstellen kann, weil man eben nicht wissen kann, ob man in diesem Zusammenhang mal eine andere Dimension noch wahrnehmen kann, und meine Nahtoderlebnisse lassen ja auch bislang darauf schließen, dass da noch was interessantes folgen könnte, wenn es mir auch zu unheimlich ist, das nicht doch lieber alles für Zufälle meines kranken Gehirns zu halten.:D

Aber selbst bei den Annahmen, die Du da voraussetzt, muss man bedenken, dass wir zumindest in dem linearen Ablauf unseres Universums davon ausgehen müssen, dass die zeitliche Rangfolge so war, wie wir sie erkennen. und da war eben der sehr unwahrscheinliche Prozess mitinbegriffen, dass Leben entstehen konnte, was nun auch bei der Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass es dort noch andere Parallelen geben könnte, die eine ähnliche Entwicklung voraussetzen, wie sie bei uns stattfand.
Dazu müsste ich auch wieder mindestens voraussetzen, dass es eine hyperreelle Anzahl von Universen geben muss, dann ist das natürlich möglich, allerdings ist es relativ unwahrscheinlich für mich, dass es durch irgendwelche Gerätschaften, wie sie hier beschrieben wurden, möglich sein sollte, diese anderen Realitäten zu erreichen und sich dann auch noch aussuchen zu können, in welcher man landet.
Wenn @Dian diese Entdeckung dann wenigstens einem Zufall zugeschrieben hätte, oder das Durchschreiten der Realitäten nur durch einen Zufall geschehen würde, dann hätte das schon einen etwas anderen Reiz.

Im übrigen ist mir da noch ein Knackpunkt aufgefallen, nämlich, dass es Nikita ja in Epilog I gelingt, auf einmal sich einer anderen Realität entsinnen zu können.
Und das ist meines Erachtens auch bei den vielfachen Dimensionen nicht möglich, oder würde das ganze überflüssig machen. Wenn ich evtl. dauernd durch mehrere Dimensionen springe, und mir jederzeit die Vergangenheit der anderen Realität aneigne, dann bemerke ich es doch als derjenige, der jetzt hier z.B. gerade schreibt überhaupt nicht mehr, dass ich in einer anderen Realität bin.
Wieso bemerkt dies Yaominh und wieso nicht Nikita?
Wenn schon technische Voraussetzungen dafür maßgebend sein sollten, dann gäbe es bei einer Transformation von einer Realität in eine andere einer Sache oder einer Person doch wohl die gleichen Voraussetzungen!

Im übrigen glaube ich auch gar nicht, dass der Dargestellte in Epilog II wirklich Nikita ist. Es wird ja auch erwähnt, dass Yao den schon lange sucht und immer wieder auf den falschen trifft.
Der Yao, in der Realität, in der Nikita in Epi I lebt, ist ja auch nicht der Yao aus Epilog II.

Da ist dann zumindest ein Punkt drin, den man nur nachvollziehen kann, wenn wir auch voraussetzen, dass Logik sowieso keine Rolle spielt bei den Sachen.

So, erstmal genug geschwallt.
Wie gesagt, dazu müsstest Du dann doch noch eine logische Erklärung finden, um das ganze wirklich realistischer erscheinen zu lassen.


Ina - 22.9.2006 um 14:24

Zitat

es ist nur das Problem, wenn wir jetzt mit der Diskussion über die Beschaffenheit des Universums anfangen, dann wird das wieder ein Thread, wo sich evtl. noch @hopeless und @Yog-Sothoth und evtl. @Jack zu gesellen und ansonsten keiner mehr durchblickt.


Nee, das machen wir hier bitte nicht, ich wollte mit dieser Abschweifung nur diesen Einwand, das wäre reine Fanatsy, ein bisschen relativieren.

Zitat
Dazu müsste ich auch wieder mindestens voraussetzen, dass es eine hyperreelle Anzahl von Universen geben muss, dann ist das natürlich möglich


"sauviele" reichen doch.


Zitat
allerdings ist es relativ unwahrscheinlich für mich, dass es durch irgendwelche Gerätschaften, wie sie hier beschrieben wurden, möglich sein sollte, diese anderen Realitäten zu erreichen und sich dann auch noch aussuchen zu können, in welcher man landet.


Naja, das weiß niemand, ich könnte mir das auch nur so vorstellen, dass man irgendwie einen "Kanal" durch die "Blätter" legt und dann eben irgendwo "aussteigt" oder auch nicht.


Zitat

Wenn @Dian diese Entdeckung dann wenigstens einem Zufall zugeschrieben hätte, oder das Durchschreiten der Realitäten nur durch einen Zufall geschehen würde, dann hätte das schon einen etwas anderen Reiz.


Wie gesagt, die Details der Sache sind mir, so wie sie beschrieben werden, auch suspekt.


Zitat
Im übrigen ist mir da noch ein Knackpunkt aufgefallen, nämlich, dass es Nikita ja in Epilog I gelingt, auf einmal sich einer anderen Realität entsinnen zu können.


Ja, als der Nikita der Realität, in der die Geschichte vorher spielt, die Realität von Epilog 1 betritt, "verschmilzt" er irgendwie mit dem Nikita aus dieser Realiät.
Dem Yaominh aus Epilog 1 passiert das nicht, darum ist der "ganz normal".
Im Epilog 2 ist es andersrum, da ist es Yaominh, der in dieser Relaität irgendwie doppelt vorkommt und mit seinem alten Ich verschmilzt und entsprechend erinnert sich "Nikita" (angenommen, er ist das wirklich, genau weiß man das freilich nicht) nicht an die andere Welt.
Ich bin damit auch nicht so recht klargekommen.
Wie du ja auch sagst:

Zitat
Der Yao, in der Realität, in der Nikita in Epi I lebt, ist ja auch nicht der Yao aus Epilog II.


Strenggenommen stimmt das. Die Yaos waren identisch bis zu der Zeit, als Yao nach Westdeutschland gegangen ist, aber unterschiedliche Erlebnisse ließen sie eigentlich zu unterschiedlichen Menschen werden.
Wo fangen "Nikita" oder "Yaominh" an, wo hören sie auf?
Da ist wohl ein spirituelles Element in der Geschichte angenommen, das gemeinhin als "Seele" bezeichnet wird. Schau dir nochmal das Gerede gegen Ende von Kapitel 37 von Festplatten und Programmen an, das deutet drauf hin, dass wirklich so etwas gemeint ist.
Und so ist es auch halbwegs sinnvoll, dass der Nikita, der die Welt von Epilog 1 bzw. der Yao, der die Welt von Epilog 2 betritt, mit ihren jeweiligen Ichs aus diesen Welten verschmelzen: sie sind ja dieselbe Seele.

Tja, @Arne, wir sind halt beide ziemliche Materialisten, ich glaube auch nicht an Seelen, aber Dian tuts wohl und mit diesem Konzept ist da kein Widerspruch drin und die entsprechende Dynamik (wie diese obskure Verschmelzung) kann ihren eigenen Gesetzen gehorchen.


... - 23.9.2006 um 03:40

Also, damit wiederlegst Du aber doch ein bisschen die Möglichkeit, dass man nur "sauviele" Realitäten haben müsste, um auch nur irgendwo eine annähernd ähnliche Realität wie diese hier zu erreichen.

Denn, wenn diese Universen alle den gleichen Anfangspunkt hätten in den Dimensionen, entwickeln sie sich eben unterschiedlich.
Und dann setz´Dich mal hin und rechne aus, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass es eine DNA - Kombination gab, die Leben ermöglichte und dass diese dann auch noch auf einem Planet in der Nähe einer Sonne stattfand, die dort ein Leben wie das unsrige ermöglicht und ab dem Entstehungspunkt des Universums müssten wieder alle möglichen anderen Zufälle der Evolution und der Entscheidungen identisch sein, um eine annähernd gleiche Realität zu erzeugen.

Das wäre noch was anderes, wenn wir wüssten, dass eben alle Dimensionen sich jederzeit wieder neu entwickeln könnten, dann hielte ich das noch für wahrscheinlich!
Aber jemand, der von der einen Dimension in eine andere springt, kann dann eben unmöglich der gleiche sein, wie er in einer anderen war.

Das wäre irgendwie schöner gewesen, wenn beide, sowohl Nikita als auch Yaominh nichts, aber auch rein gar nichts mehr von dieser anderen Realität wissen würde.

Dann hätte man das auch mit dem Festplattenvergleich gut gebrauchen können, wenn diese beiden auf einmal wirklich völlig andere Menschen gewesen wären.
Wie gesagt, aus Gründen der Romantik wären mir ja sowieso Benja und Markus lieber gewesen, die sich in einer anderen Dimension wieder treffen. Und wenn sie sich dann zufällig begegnen und wortlos aneinander vorübergehen. Das wäre doch herzzerreißend traurig schön gewesen. So ein bisschen hat das @Dian ja auch dargestellt mit dem Epilog II, wenn man davon ausgeht, dass es in Yaos Welt einen Nikita gibt, der ihn aber nicht erkennt.
Das wäre ein herrlicher Stoff dann für ein Unity IV gewesen, wenn alle (auch Markus, Benja, Janosch und die Bewahrer) alle in einer Welt existieren würden mit ihrer alten Persönlichkeit (also "Seele" ist mir doch zu mystisch) und dort aneinander vorbeileben würden, obwohl sie häufiger miteinander in Kontakt gebracht werden. Wie sie auf einmal auf unterschiedlichen Seiten stehen. Markus als Alt - Nazi, der sich in einen Widerstands-Benja verliebt oder umgekehrt. Nikita als gebeutelter Schüler eines Lehrers Yao auf der Penne. Oder Janosch als Führer der Nazis. Also eine Welt, aus der alle nicht rauskommen und sich dauernd begegnen und alle meinen, sie kennen sich und alle verachten genau das gleiche, können sich aber nicht befreien, bis zu dem Punkt, wo sie sich der dauernden Suche entledigen und auch ohne ihre Vorbilder und Freunde anderwertig glücklich und menschlich werden. Der ganze Epilog II könnte noch ein eigenes Werk werden.

Aber das war immer das schöne an @Dians Werken, dass er seine Charaktere eigentlich so deutlich zeichnet, dass man als Leser immer wieder dazu neigt, seine Phantasie so zu beflügeln, dass man eben selber diese Maschine bauen möchte und sie alle mal in Realitäten versetzen möchte. Leider fehlt mir jedwedes Talent zum prosaischen Schreiben, so dass ich da nicht weiter machen kann.

Aber mal eine Kritik, die mir gerade einfällt. Nämlich gerade die Szene, die Du ansprachst, @Maria, aus dem Kapitel 37, ist etwas ungünstig platziert. Das ist mir eben auch mit der (Traum- ?)Szene eingefallen, wo faktisch Janosch die Persönlichkeit in Teilen von Markus übernimmt. Das sind auch sehr interessante Szenen, die insofern nicht ganz imo zur Geltung kommen, weil man ausgerechnet in diesen Momenten natürlich gespannt ist, wie die Handlung weitergeht.
Da zeigt sich mal ausnahmsweise @Dians hervorragende Fähigkeit, gute Spannungsbögen aufzubauen, als nachteilig.


Naja, "Seele".
Ganz ausgeschlossen ist es ja nicht, dass es sowas gibt. Ich meine sogar, neulich von einer neurologischen Forschung gelesen zu haben, die die Punkte im Gehirn ausfindig machen will, die so unzerstörlich sind, dass dort durch chemische Reaktionen ein Teil der Persönlichkeit sitzt, die zwar dauernd beeinflussbar ist durch aktuelle Ereignisse, aber nie ganz auszulöschen ist (zumindest nicht durch die chemischen Prozesse im Gehirn, maximal durch äußere Manipulationen).

Aber auch das ist mal wieder ein rein materialistischer Ansatz, wie ich gerade feststelle beim Schreiben, der natürlich recht wenig Spielraum für mystische Erklärungsansätze läßt.

Okay, 1:0 mal wieder für Dich, @Maria!
Jemand wie ich, der selbst noch seine Sehnsüchte dadurch kompensiert, dass er sie sich erfüllt, ist wahrscheinlich für alle anderen Ansätze außer den materialistischen ungeeignet.

Bis auf diese eine Szene damals auf der Intensivstation, wo ich erlebte, wie mein Ex-Ex aus dem Fenster springen wollte, und er das da tatsächlich in der Realität einige Kilometer weiter machen wollte, habe ich nichts erlebt, was ich mir nicht materialistisch erklären kann und das kann auch noch was mit der Art der "Seelenverwandtschaft" zu tun haben, die wir einfach haben und die eher zufällig bedingt sein kann.


Ey, es wird wirklich mal Zeit, dass ein paar hinzukommen, die die Welt weniger wissenschaftlich betrachten als wir.
Um mal zu verhindern, dass wir gleich in einer Diskussion über die Wahrscheinlichkeitsrechnungen von entstandenen Realitäten und deren Parallelen zu unserer Realität oder in einer biochemischen Diskussion über Hirnregionen abgleiten, kannst Du ja sonst mal erzählen, wie Du Dir noch andere Epiloge oder Fortsetzungen des Werkes vorstellen kann, sofern das auch Deine Phantasie beflügelt hat.


Ina - 23.9.2006 um 14:41

Ok, bloß eins noch dazu, "nur sauviel" du hast keinen Begriff, wie viel "sauviel" sein kann ;)

Hast du z.B. schonmal über eine Zahl wie 100 hoch (100 hoch 100) nachgedacht? Unser ganzes Universum gäbe nicht annähernd genug Zeit, Raum und Materie her, um die aufzuschreiben, ganz zu schweigen von ihrer unfassbaren Bedeutung. Und selbst diese Zahl ist noch ganz und gar nicht hyperreell, ist von "unendlich" genauso weit entfernt wie die 1.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Welt wie unsere mit Leben und Bewusstsein etc. entsteht, ist tatsächlich winzig. Klar wären wir nicht in der Lage, uns diese Frage zu stellen, wenn wir nicht da wären, aber trotzdem hast du mit nur einem Universum nen Erklärungsnotstand, wenn du sagen willst, warum es so gut feinabgestimmt ist und nicht bloß ne homogene Strahlungssuppe oder sowas da ist - ganz zu schweigen von all den anderen Zufällen, dass wir nicht nur rumschwimmende RNA-Moleküle oder Einzeller haben und so.
Und falls die Programmierer der Matrix das so gut gemacht haben, wer hat denen dann ihr Universum so schön eingestellt? etc. etc...

Zitat
Aber mal eine Kritik, die mir gerade einfällt. Nämlich gerade die Szene, die Du ansprachst, @Maria, aus dem Kapitel 37, ist etwas ungünstig platziert. Das ist mir eben auch mit der (Traum- ?)Szene eingefallen, wo faktisch Janosch die Persönlichkeit in Teilen von Markus übernimmt. Das sind auch sehr interessante Szenen, die insofern nicht ganz imo zur Geltung kommen, weil man ausgerechnet in diesen Momenten natürlich gespannt ist, wie die Handlung weitergeht. Da zeigt sich mal ausnahmsweise @Dians hervorragende Fähigkeit, gute Spannungsbögen aufzubauen, als nachteilig.


Also mir gings nicht so, ich mag diese Zwischenszenen, ich hab sie auch nicht irgendwie überlesen oder so, im Gegenteil. Ich finde, so kommt man erst richtig nach, wenn sich die Ereignisse überschlagen und der Extremzustand wird ordentlich ausgekostet.

Zitat
wie gesagt, aus Gründen der Romantik wären mir ja sowieso Benja und Markus lieber gewesen, die sich in einer anderen Dimension wieder treffen. Und wenn sie sich dann zufällig begegnen und wortlos aneinander vorübergehen.


och, das hätte dann aber schon arg nach "Butterfly-Effect" ausgesehen...

Und was diese Fortsetzungen etc. angeht, also das ist ja nicht meine Geschichte, ich hab da höchstens noch ein bisschen weiter gesponnen, was so aus den Engelskindern wird und den anderen dort, wie diese Welt künftig aussieht und so. Aber nur ziemlich diffus.


... - 24.9.2006 um 03:27

Mensch, @Maria!
Du wirst ja richtig religiös, wenn nicht gar zur Kreationistin in Deiner Bewunderung für die Feinabstimmungen des Universums.
Ich erlaube mir dennoch , dass lieber für einen Zufall zu halten, Du darfst mir zwar gerne ein paar Gegenargumente gegen die Zufälligkeit nennen, dennoch, glaube ich kaum, dass der Mensch, wenn er schon so klug geworden ist, sich als Individuum nicht so ernst zu nehmen und es dann auch mal unterlässt, die ganze Menschheit für ungeheuer wichtig zu halten oder ersatzweise die Erde, er glücklicher wird, wenn er das Universum nun als Substitut nimmt für die eigenen Unwesentlichkeit.

Mag brutal klingen, aber ansonsten werde ich noch größenwahnsinnig angesichts der Vorstellung, dass ich mir eigentlich ein glückliches Leben mache und halte mich noch für den neuen Gottessohn, der nur ein paar Prüfungen überstehen musste, wo irgendein kosmisches Wesen mal versuchte, mit mir Kontakt aufzunehmen. Aber vergebens, war es bei mir eben falsch verbunden. :p


Vielleicht haben Dich die Zwischenstücke weniger abgelenkt, weil Du das ganze Buch ja wohl an einem Stück gelesen hast. Ich habe ja immer versucht, mich zu reglementieren und nur immer ein bis zwei Kapitel am Tag zu lesen. Da kann es natürlich sein, dass man dann diese Zwischentexte anders aufnimmt. Aber für mich bleiben die Figuren dann länger lebendig. Ich lebe dann ein paar Tage mit ihnen faktisch zusammen.

Zum Butterfly - Ende. Das ist doch auch herrlich, oder?
Ich mag das. Ich bin ja eh eher der Typ, der, wenn etwas tragisches passiert, kaum Rührung zeigen kann. Als meine Mutter starb, musste ich auch erstmal ein paar Tage später irgendwelche alten Filmschinken gucken, um mal richtig flennen zu können.
Wenn man schon im Leben sonst wenig trauriges erlebt, will man doch wenigstens in der Literatur oder sonstigen Kunst, was tragisches erleben.

Und Du hättest Dich eher für die Engelskinder interessiert?
Was war denn da Dein Ergebnis?
Überhaupt, wie siehst Du denn Deine Sympathien verteilt in der Geschichte?

Wenn ich jetzt daraus mal was praktisches ableiten wolle, dann wäre es so, dass ich eigentlich die Vorstellung von der Gegenwelt gar nicht so übel finde. Am angenehmsten empfand ich die Vorstellung, dass man wirklich mit genialen Fälschern zusammenleben könnte, die Banknoten und Papiere und alles andere mal nachmachen könnten, also alles so die kleinen unwesentlichen Dinge, die zwar in der heutigen Welt unentbehrlich sind, aber dennoch eigentlich nur Schein darstellen und keinen tatsächlichen Wert beinhalten.

Die Janosch/Engelskindervariante sagt mir dabei weniger zu. Dafür bin ich dann doch irgendwie zu moralisch angehaucht, als dass ich unbedingt Menschen abmurksen müsste um des Tötens willens. Aus Rache, okay. Kann man mal machen, aber mir hat auch noch keiner im Leben soviel angetan, dass ich ihn unbedingt umbringen müsste.
Da kloppe ich mich lieber mal mit meinen Bewohner von Angesichts zu Angesicht mit meinen Händen, das ist fairer, geht meistens unblutig aus und regt auch ab.

Einziger Grund wäre, in einer so beschissenen doofen Welt gewalttätig zu werden, wäre eben, um das nötige Geld für einen vernünftigen Lebenswandel zu erhalten, aber da würden auch einige gute Fälscher oder hier und dort mal ein Banküberfall reichen, um über die Runden zu kommen, kann auch mal ein Kaufhaus sein. Aber ich Blödmann habe ja auch noch ´ne Arbeit, die ich ganz gerne mache.
Dennoch könnte mir auch eine andere Form des Überlebens so Gegenweltartig Spaß machen.
Allerdings bräuchte man dafür wirklich ein paar Menschen, die jederzeit mitziehen.
Wobei so ein altes Arbeitstier wie ich, wohl auch eher die Möglichkeit nutzen würde, dann ein paar Bewohner, die mir ans Herz gewachsen waren, aus den Heimen zu befreien, in die sie verstaut worden sind. Da bräuchte man dann auch noch Ärzte oder sowas in der Gruppe, um vollständig in den Untergrund zu gehen.
Wobei ich ja sowieso der Typ wäre, der lieber auf den Meeren und an den Küsten rumkreuzen würde mit denen, als in den Bergen und Tälern, die Dir so liegen.


Ina - 24.9.2006 um 21:47

Zitat

Mensch, @Maria!
Du wirst ja richtig religiös, wenn nicht gar zur Kreationistin in Deiner Bewunderung für die Feinabstimmungen des Universums.
Ich erlaube mir dennoch , dass lieber für einen Zufall zu halten, Du darfst mir zwar gerne ein paar Gegenargumente gegen die Zufälligkeit nennen



Nö, jetzt hast DU mich falsch verstanden, natürlich ist das Zufall :D

Aber so ausgelutscht das Argument auch ist, etwas unbehaglich wird einem bei dieser winzigen Wahrscheinlichkeit (die du ja auch erwähnt hast) schon.
Doch wenn die Entstehung eines Universums kein Einzelereignis wäre, sondern im Gegenteil etwas "ganz Alltägliches", dann wäre dieser Zufall nicht ganz so extrem.


Zitat

dennoch, glaube ich kaum, dass der Mensch, wenn er schon so klug geworden ist, sich als Individuum nicht so ernst zu nehmen und es dann auch mal unterlässt, die ganze Menschheit für ungeheuer wichtig zu halten oder ersatzweise die Erde, er glücklicher wird, wenn er das Universum nun als Substitut nimmt für die eigenen Unwesentlichkeit.

Mag brutal klingen, aber ansonsten werde ich noch größenwahnsinnig angesichts der Vorstellung, dass ich mir eigentlich ein glückliches Leben mache und halte mich noch für den neuen Gottessohn, der nur ein paar Prüfungen überstehen musste, wo irgendein kosmisches Wesen mal versuchte, mit mir Kontakt aufzunehmen.


Also erstmal, ich halte dich nicht für den neuesten Gottessohn ;)
Ansonsten kapier jetzt nicht so recht, was du mir sagen willst, höchstwahrscheinlich ist es ein klassischer Fall von Projektion, wenn man die Sinnlosigkeit des eigenen Lebens in alle Menschen, die Erde und schließlich das Universum und den ganzen Rest hineinspiegelt - allerdings kann ich mich als jemand, der das so macht, natürlich darauf berufen, dass diese Interpretation wiederum bloß ein klassischer Fall von schandhafter Ursache-Wirkungs-Verwirrung ist *g*


Zitat
Zum Butterfly - Ende. Das ist doch auch herrlich, oder?


Ja. Das einzige, was mich daran störte war, dass die angepasste, voll erfolgreiche, adrett gekleidete und nett geschminkte Geschäftsfrau als DAS Ideal ihres gelungenen Lebens dargestellt wird :12:


Zitat

Und Du hättest Dich eher für die Engelskinder interessiert?
Was war denn da Dein Ergebnis?


Nicht so speziell die Engelskinder, sondern diese spätere Welt hätte mich interessiert, was so erstmal mit all den normalen Menschen passiert, wie viele von ihnen sich noch zurechtfinden. Und dann natürlich später, was sich dann Gesellschaftsartiges herausbildet, so ein Haufen lokaler Despoten und andere so hübsche Sachen - denen man dann aber hoffentlich auskommt, ist ja jetzt genug Platz und wie man die GPS-Satelliten und Weltraumkameras bedient, weiß hoffentlich keiner mehr ;)
Andererseits, so Atombomben und anderes Zivilisationsspielzeug liegen offen rum - könnte lustig werden. Vielleicht kriegen sie den letzten Rest auch noch ausgerottet.


Zitat
Überhaupt, wie siehst Du denn Deine Sympathien verteilt in der Geschichte?


Ach diese total irren Engelskinder hatten die durchaus. So Sprüche wie "niemand ist unschuldig" passen sehr gut in die Windungen meines Hirns. Ihr Wahnsinn hat etwas kompromisslos Folgerichtiges.
Denn was müsste man eigentlich tun, wenn man nihilistisch empfindet? - Seine Menschlichkeit ablegen, seinem Hass und seinen Rachegefühlen nichts entgegensetzen, und, wenn einem danach ist, alles zerstören.
Doch auch ich trenne Theorie und Praxis und glaube trotz allem noch an etwas Verwandtes außerhalb von mir, und dass dieses bloß aufgrund der Tatsache, dass es nicht von meiner Empfindungssphäre eingeschlossen wird, irgendwie schützenswerter sein sollte als ich selber. Und ich sehe öfter mal nicht genau hin, um die Schlüsse nicht ziehen zu müssen, die mir auf der Zunge liegen, rede mir dann ein, dass es viele Menschenwelten gibt, und meine nur eine davon ist, und ich hätte halt einfach Pech gehabt, dass hier die Mehrheit anders denkt, fertig.
Die Engelskinder sind die härtere und irgendwie logischere Version, allerdings muss einem echt irgendwas Furchtbares passiert sein, damit man diesen blinden Fanatismus entwickelt, den die trotz allem haben. Sie zweifeln nicht an ihrer Logik und nichts - keine Rücksichten, kein Mitgefühl, keine Furcht - schläfert sie ein.
Und deshalb, weil ich immer noch fähig bin, mit den Augen anderer zu sehen, kann ich kein Engelskind sein. Meine Sympathien haben sie trotzdem.

Die bösen Bewahrer haben übrigens auch ihre Folgerichtigkeit ;)

Was die Lebenssysteme da angeht, bei der "alten" Gegenwelt fürchte ich irgendwie, dass ich da auf Dauer das Rumzicken anfangen würde bei soviel Harmonie. So ein hochkultuerelles Genie sein, ein so toll entwickeltes Menschenwesen mit voller Entfaltung all seiner Möglichkeiten, also nein, das Recht auf ein verpfuschtes Leben ist unantastbar :D
Nee, ich bin dazu wohl einfach nur zu prollig veranlagt, ich glaube, ich würde mich in so einer Gemeinschaft längerfristig unbeliebt machen. Ich weiß auch nicht genau, ich hab halt immer mal wieder ziemlich stark das Gefühl, dass weder ich jemand anders, noch jemand anders mich auf Dauer echt aushalten könnte, wenn man sich mehr als oberflächlich miteinander befasst.
Ich fände es mit der Zeit auch anstrengend, so dass mir das wortlose Herumvegetieren der Engelskinder und ihre Trostlosigkeit auf längere Sicht fast lieber wären, da wird alles geschluckt, man weiß ja, dass der andere spinnt. Aber auf irgendeiner tiefen Ebene ist man trotzdem miteinander verbunden, würde füreinander sterben und leben und was halt so dazugehört. Naja, oder auch nicht. So deutlich wird das da ja nicht.
Die "neue" Gegenwelt (also die, wo dann Markus aufbaut) scheint da allerdings etwas ausgewogener zu sein.


Zitat
Am angenehmsten empfand ich die Vorstellung, dass man wirklich mit genialen Fälschern zusammenleben könnte, die Banknoten und Papiere und alles andere mal nachmachen könnten, also alles so die kleinen unwesentlichen Dinge, die zwar in der heutigen Welt unentbehrlich sind, aber dennoch eigentlich nur Schein darstellen und keinen tatsächlichen Wert beinhalten.


Das wird nur dummerweise zusehens schwieriger.


Zitat
Wobei ich ja sowieso der Typ wäre, der lieber auf den Meeren und an den Küsten rumkreuzen würde mit denen, als in den Bergen und Tälern, die Dir so liegen.


Tja, @Arne, also wirds doch nix mit unsrer Gegenwelt, oder wie? :D
(Ich hab halt erst mit 15 das erste Mal das Meer gesehen und war auch seitdem nie lange genug da, um eine enge Beziehung zu ihm aufzubauen, wie ich sie halt zu Bergen und Tälern habe, wo meine Sippe seit der Völkerwanderung oder so rumlebt.)


... - 25.9.2006 um 03:57

Na, dann bin ich ja erstmal beruhigt, dass wir doch eher an die Zufälligkeit glauben als an den göttlichen Plan.
Vielleicht ist es auch irgendetwas, was wir jetzt mit unseren beschränkten Gehirnen noch nicht erkennen können, dass es diese Feinabstimmungen gibt, aber theoretisch wäre es nicht auszuschießen, dass alle paar Sekunden ein neues Universum entsteht.
(Allerdings auch eine Vorstellung, die bei der Beschaffenheit des hiesigen Universums, insbesonderer des Planeten, auf dem Leben existiert, keine besonders rosige!:31:. Naja, aufgrund der fehlenden Abstimmungen existieren die meisten ja evtl. nur Bruchteile von Sekunden! )

Dass mit der Projektion, aus der eigenen Sinnlosigkeit auch mal auf die Sinnlosigkeit des Universums schließen zu wollen, hast Du schon richtig verstanden.


Und die "Bewahrer" würde ich nicht mit den Engelskindern auf eine Stufe stellen, denn die haben noch einen Plan, die glauben doch auch tatsächlich, dass man nur eine Tür aufstoßen muss und dahinter liege das Paradies. Nä, danke! Solche Ideologien habe ich schon zur Genüge kennengelernt. Sind ganz brauchbar, wenn man mal was zur Volkswirtschaft sagen kann und ein bisschen vom Kommunismus schwärmen kann, aber ansonsten auch nutzlos.
Ob die Engelskinder rein nihilistisch sind, weiss ich auch nicht, dafür sind sie mit ihrer Destruktivtät schon wieder zu zielstrebig, das passt nicht ganz zu einem echten Nihilismus, wie ich ihn mir vorstelle. Da empfinde ich das Gros der Menschheit dann doch viel nihilistischer als die paar Jüngelkes.

Und Du hast erst mit 15 das Meer gesehen???oO
Naja, mit Bergen kann ich Dir zumindest an der niederländischen Küste nun gar nicht dienen. das höchste, was die haben, sind ein paar Deiche, manche evtl. mal auf 50 m an einigen Stellen, aber das ist es dann auch, und die mussten sie künstlich anlegen, weil die Niederländer vorab immer alle wegespült wurden vom Wasser. Ist ein ganz anderer Akt gegen die Natur, den die da spielen müssen als in den Bergen. Aber mir gefällt das Element Wasser auch eher als die Berge. Das kommt irgendwie langsamer und unheimlicher und ist außerdem unendlicher als eine Landschaft imo.
Wir können ja weiter suchen, wo es bergige Küsten gibt. Evtl. die Kreidefelsen von Dover, aber GB hat auch nicht soviel Berge, evtl. in Schottland, da bin ich noch nie gewesen.
Der Felsen von Gibraltar bietet sich natürlich noch an, ist aber etwas klein, aber da kämen auch genug Schiffe vorbei, die man ausrauben könnte!:D

Die alte Gegenwelt erinnerte mich auch eher an irgendwelche autarken Ökogemeinschaften, die es früher in Massen gab in den achtzigern. Das sind wahrscheinlich alles mittlerweile gut florierende Ökobetriebe, also auch integriert.
Und die neue Gegenwelt von Markus ist ja doch relativ beschaubar, sie besteht ja eigentlich nur aus ihm und den beiden Kiddies da.

Dabei fällt mir ein:
Wie empfandest Du eigentlich die Szene in der Kirche, in der der Gegenweltler Vogt behauptet, dass Markus ein alter pädophiler Sack sei (was gar nicht stimmen könnte in dem Falle, es wäre maximal ein adoleszentophiler bei dem Alter von den beiden!).
Es hätte nicht zu @Dians Büchern gepasst, wenn sich dort auf einmal eine Wendung ergeben hätte, aber zumindest nachdenken musste ich schon, warum diese Möglichkeit dort auf einmal eingebaut wurde. Zumindest erscheint es sonderbar, warum sich nur jüngere dort bei Markus einfinden und das auch im ganzen Buch und in der Gegenwelt immer so eine Überhöhung des Kind-seins erfolgt.
Ich persönlich kann eigentlich nicht sagen, dass ich ich als Kind soviel glücklicher gefühlt hätte als heute. War ganz nett, aber man hat doch immer Erwachsener gespielt. (Irgendwie mache ich das ja auch noch heute!)
Entweder hat @Dian in der Zeit irgendetwas so tolles erlebt, was sich nicht mehr im Leben wiederholen läßt oder es ist eine etwas naive Vorstellung, wie man sich jungsein vorstellen soll.


Ina - 25.9.2006 um 10:59

Zitat
Vielleicht ist es auch irgendetwas, was wir jetzt mit unseren beschränkten Gehirnen noch nicht erkennen können, dass es diese Feinabstimmungen gibt,


Ja, sicher. Sag ich doch immer. Es kann alles ganz anders sein, als wir uns das auch nur annähernd vorstellen können. Unser Hirn hat sich nicht entwickelt, weil es die übergeordnete Struktur des Universums begreifen wollte.

Zitat
Und die "Bewahrer" würde ich nicht mit den Engelskindern auf eine Stufe stellen, denn die haben noch einen Plan, die glauben doch auch tatsächlich, dass man nur eine Tür aufstoßen muss und dahinter liege das Paradies.


Ja, aber diese Gesellschaftsversion könnte zur Abwechlung echt mal funktionieren, weil sie kein weltverbesserischer "alle Individuen werden befreit, entfalten sich und werden glücklich"-Traum ist, sondern die totale, allgemeine Zähmung. Und irgendwelche Steinzeitartifakte, die von Zeit zu Zeit trotz allem noch auftauchen, lassen sich auch verhindern, wenn sie einem erst richtig in die Gene und ins Hirn gucken können - und das dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

Zitat

Ob die Engelskinder rein nihilistisch sind, weiss ich auch nicht, dafür sind sie mit ihrer Destruktivtät schon wieder zu zielstrebig, das passt nicht ganz zu einem echten Nihilismus, wie ich ihn mir vorstelle.


Nein, die sind natürlich nicht "rein nihilistisch", weil die dazu auch ihren eigenen Nihilismus und seine Logik in Frage stellen müssten, was sie nicht tun ("Rein nihilistisch" geht wohl gar nicht, weil man dazu auch nicht "rein nihilistisch" sein dürfte ;) ).
Doch ein grundsätzlischer Nihilismus ist irgendwie doch Vorraussetzung für Destruktivität, denn man will nicht alles zerstören, wenn man daran glaubt, dass in der Welt noch etwas Wertvolles existiert. Diese Schranken, die Hass und Rachegefühlen noch etwas entgegensetzen würden, dürfen nicht da sein. Aber selbst, wenn sie das nicht sind, braucht man erst einen Grund, um so umfassend und energisch destruktiv zu werden. Da musste halt irgendwas passiert sein, das ihren haltlosen Hirnen diese Richtung eingegeben hat, die nun über allen Überlegungen steht.


Zitat
Und Du hast erst mit 15 das Meer gesehen???


Wo ich das erste Mal das Meer gesehen habe, das war schon "WOW", die absolut minimalistische Umgebung, schlicht geil.

Zitat
Aber mir gefällt das Element Wasser auch eher als die Berge. Das kommt irgendwie langsamer und unheimlicher und ist außerdem unendlicher als eine Landschaft imo.


Unheimlich *g*. Hast du schonmal wegen Lawinengefahr im Haus bleiben müssen, während draußen die Welt in zweieinhalb Meter Schnee versinkt, der alle Geräusche dämpft, während es unaufhörlich weiter schneit, so dicht, dass du keine 20m weit sehen kannst?

Zitat
Ich persönlich kann eigentlich nicht sagen, dass ich ich als Kind soviel glücklicher gefühlt hätte als heute. War ganz nett, aber man hat doch immer Erwachsener gespielt. (Irgendwie mache ich das ja auch noch heute!)
Entweder hat @Dian in der Zeit irgendetwas so tolles erlebt, was sich nicht mehr im Leben wiederholen läßt oder es ist eine etwas naive Vorstellung, wie man sich jungsein vorstellen soll.


Nein, es ist nicht schön, jung zu sein - wegen der Welt der Erwachsenen und der eigenen Hilflosigkeit ihr gegenüber. Meine Kindheit war echt nett, bis mir irgendwann aufgegangen ist, dass das nicht ewig so weitergeht. Ich fand dann jeden Schuljahrsbeginn beängstigend, weil die Zahl schon wieder größer geworden war und dieser Scheiß mit Ausbildung, Beruf etc., das sogenannte "richtige" Leben halt, unaufhaltsam näher und näher rückte.
Wie ich allein schon rumgelaufen bin. In sackartigen Klamotten, damit man bloß nicht merkt, dass ich "erwachsene" Formen entwickelt habe, ich wollte keinen BH anziehen, bis es echt nimmer anders ging und Schminke verweigere ich bis heute - wenn nicht gerade Fasching ist. Dann dieses Zeug mit Jungs und Rumgeknutsche und Rumgefummle, das Weibercliquengelaber davon und so, Gott, fand ich den Scheiß krank. Dass ich mich in irgendwelche Astronomie-Bücher und sowas geflüchtet habe, hat meine daraus folgende Isolation verständlicherweise nicht verlangsamt :D
Insofern bin ich duchaus empfänglich für die Peter-Pan-Vorstellung vom ewigen Kindsein, allerdings ist man als Kind bzw. Jugendlicher allein so hilflos und die Welt dagegen so übermächtig, dass man gar nicht wirklich daran glaubt, dass so etwas auch nur im übertragenen Sinn möglich sein könnte.
Der kindgebliebene, starke "Erwachsene", der rechtzeitig kommt, einen rausholt und eine echte Alternative bietet, doch, diese Vorstellung hat ihren Reiz.


Zitat
Wie empfandest Du eigentlich die Szene in der Kirche, in der der Gegenweltler Vogt behauptet, dass Markus ein alter pädophiler Sack sei (was gar nicht stimmen könnte in dem Falle, es wäre maximal ein adoleszentophiler bei dem Alter von den beiden!).


Also Vogt ist ein Bewahrer! ;)
Und zur Frage, hmm, das sind eben unterschiedliche Interpretationen desselben Sachverhalts, Wahrheit ist nichts Absolutes. Es wird nicht näher erläutert, aber es könnte durchaus möglich sein, dass die Gegenweltler auch mal sexuelle Beziehungen miteinander hatten. Die halten sich ja auch sonst an keine gesellschaftlichen Konventionen, warum sollten sie sich an dieses Tabu halten? Und sie sind schon gewissermaßen abhängig von Markus, er war ihr Retter, sie haben keine andere Existenz mehr, in die sie zurückkehren könnten. Auch diese Sache mit dem geheimnisvollen Foto des verängstigten Yaominh, wo er sich wohl mit Markus und Demiro angelegt hat oder sowas - nun, das deutet alles auf eine etwas uneindeutigere, dunklere Struktur dieser neuen Gegenwelt hin, auf die ich ja im letzten Post schon angespielt habe.
Und so könnte man Markus durchaus das "pädo- (oder halt adoleszento-)philer Entführer"-Etikett anheften, wenn man wollte.

Mir scheint das ein weitverbreitetes Phänomen zu sein: Wir werden tagtäglich von den Medien mit irgendwelchen Sensationen berieselt, die man normalerweise gar nicht mitkriegen würde. Früher waren die Menschen wahrscheinlich wirklich fassungslos, wenn in ihrem Dorf jemand brutal ermordet wurde, aber heute haben wir Schubladen auch für solche Extremfälle. Man sagt "das ist ein Pädophiler/Mörder/Entführer", hat davon irgendeine vage Vorstellung und meint, alles sei nun klar. Es mag solche einfachen Fälle geben, aber oft stehen da ganz individuelle, in ihrer Extremität für Außenstehende praktisch unbegreifliche Schicksale dahinter, die "Wahrheit" ist manchmal mehrdimensional, viel komplexer als jedes Etikett. "Opfer" und "Täter" können unauflöslich miteinander verzahnt sein.


... - 26.9.2006 um 05:15

Also, dass reiner Nihilismus wirklich ein Paradoxum darstellt, muss ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen.
Ich hab´mich aber auch noch nie als reiner Nihilist gefühlt, insofern kann ich das auch schlecht beurteilen, wie das ist. Ich kenne von mir immer nur einen partiellen Nihilismus, den die Gesellschaftsordnungen, die Organisationsformen des Zusammenlebens und wirtschaftlich-soziale Bereiche betreffen.
Und in diesem Punkt reicht mir auch manchmal, aber selten, reine Destruktivität, allerdings muss ja Destruktivität nicht automatisch die vollständige Vernichtung der Welt bedeuten, damit sie nihilistisch ist.
Es soll ja auch manchmal noch irgendwo Abstufungen darin geben. Manchmal!:D

Und wenn es schneit, fühlt man sich auch am Meer schön den Naturgewalten ausgeliefert, nur brauch´es dafür nicht zu schneien. Ein geiler Morgennebel dort macht die ganze Umgebung schon undurchschaubarer als ein guter Schneesturm und maximal reicht etwas Wind aus, damit man kaum noch einen Schritt vor den anderen setzen kann, um fast vom Deich runtergeweht zu werden (je nach Gewicht bleibt es auch nicht bei fast, wie ich bei einigen meiner Bewohner feststellen musste). Und dabei in einem winzigen niederländischen Ferienhaus zu sitzen, hat auch einen Reiz, den man wahrscheinlich mit dem der verschneiten Berge vergleichen kann.

Zum Jungsein:
Ich kenne die Phase nicht so. Ich hatte auch irgendwie wenig Probleme, meine innere Zweifeln, die ich während der Pubertät bekam, irgendwo in meinen Peergroups auszuleben. Ich war Klassensprecher und all sowas und in der Regel beliebt, hatte aber immer einen besten Freund, der als absolut unbeliebt galt. Irgendwie ist mir dieser Spagat gelungen, k.A., wie, aber da hat mich eigentlich nicht sehr viel belastet. Sexualität empfand ich eher als nervig, was meine schwulen Anteile beinhaltete, weil man die nun wirklich in der Zeit, als ich in die Pubertät kam (1974) wirklich noch nicht so ausleben konnte, als dass man dabei gleichzeitig der beliebte Kumpel und schwul hätte sein dürfen. Das könnte ich heute mit meinem Selbstvertrauen wohl hinbekommen, aber noch nicht als 12jähriger. Das war aber auch das einzige, was mich damals größer nervte in der Pubertät.
Ansonsten habe ich damals als Kind gerne Erwachsener gespielt und ich habe wirklich mit 44 Jahren überhaupt nicht den Eindruck, dass ich heute was anderes machen würde, als erwachsen zu spielen. Ich kann mir für meinen Teil nicht vorstellen, dass ich das bin, was man uns als Kind als Vorbild im Sinne von Erwachsensein vorgestellt hat.
Wenn ich mich recht erinnere, war da am Anfang eine Szene, als Yao und Nikita sich wiedertrafen, wo Yao behauptet, sein Leben wäre nur ein Spiel, mehr nicht. Da habe ich eigentlich noch mehr erwartet, was da kommen könnte.
Für ein Spiel fand ich aber das, was Yao bislang erlebt hat, als relativ einseitig, was die Spielregeln und was die Abwechselung betrifft.
Mir kam es größtenteils als reiner Kampf vor, was ja nun auch sehr einseitig ist.

Ist Dir aufgefallen, dass die drei neuen Gegenweltler relativ wenig erzählen, was sie genießen können?
Da ist nur die Verbindung zwischen den dreien noch, mehr nicht. Die weiteren Punkte in deren Leben machen nicht mehr aus, als das, was auch jeden Oberboll ausmachen würde. Ein bisschen (sogar ziemlich harte Drogen) und viel Klopperei. Mehr ist da doch nicht, zumindest nichts, worüber wir was erfahren.

Letztendlich wird ja auch diese reine Lebensfindung durch die Verbindung zwischen den drei in den beiden Epilogen wieder etwas aufgelöst, weil sowohl Nikita als auch Yao es eben hinbekommen, ihr Leben auch ohne den anderen zu meistern (bzw., es wird angedeutet, dass sie einen anderen Sinn finden!).

Naja, das ganze dann doch als Auswirkungen einer adolestentophilen Ader von Markus zu bezeichnen, ist mir dann aber doch etwas zu diskreditierlich Markus gegenüber.
So geil sind Türkenjüngelkens und Asiaboys auch nicht, als dass man sich deshalb soviel Mühe geben müsste. Die bekommt man in jedem Düsseldorfer Stricherladen für ein paar Euro fuffzig nachgeschmissen. Und auch alles Typen, die einem das halbe Leben hinterherrennen, wenn man mal ein bisschen nett zu ihnen ist, solange, bis dass sie merken, dass sie einem doch mehr auf den Geist gehen oder sie verunsichert sind, weil man eben klar macht, dass man sexuell dann doch nicht so interessiert an ihnen ist.
Mein Ex-Ex hat mir gerade noch ´n schönen Satz erzählt, was das Verhältnis Alt - Jung auch in sexueller Ebene gut trifft. 18jährige und entsprechend junges Gemüse hat man eigentlich genug Zeit für gehabt, als man jung war (und dann ja auch meistens gehabt). Für über 40jährige sind wir erst jetzt im richtigen Alter. Das interessierte uns früher nicht und wird dann evtl. wohl auch erst für über vierzigjährige interessant.
Dem kann ich nur zustimmen, geht mir eigentlich nicht anders wie ihm.

Insofern kann ich mir dies als wirklichen Hintergrund (so wie es der Bewahrer ja schilderte) nicht vorstellen. Das sich das dort freier entwickelt und dort evtl. auch der siebzigjährige noch 18jährige attraktiv finden kann, halte ich aber dann auch nicht für ausgeschlossen, obwohl mir die Vorstellung für so eine Gemeinschaft misshagt.


Ina - 26.9.2006 um 09:29

Zitat

Ich kann mir für meinen Teil nicht vorstellen, dass ich das bin, was man uns als Kind als Vorbild im Sinne von Erwachsensein vorgestellt hat.


Nee, du hängst ja auch hier in diesem Forum mit uns Kindern rum, die halb so alt sind wie du. Und auch sonst entsprichst du nicht gerade dem Durchschnitt, wenns so wäre, würde man als labiler Jugendlicher sicher weniger Panik vor dem Erwachsenwerden haben.



Zitat
Wenn ich mich recht erinnere, war da am Anfang eine Szene, als Yao und Nikita sich wiedertrafen, wo Yao behauptet, sein Leben wäre nur ein Spiel, mehr nicht. Da habe ich eigentlich noch mehr erwartet, was da kommen könnte.


Nun, ich denke, das deutet wieder auf das Zeug mit den vielen Realitäten hin. Überleg dir: wenn man diesen Gedanken jetzt echt konsequent ausspinnt, kommt dabei raus, dass dir alles passiert und zwar wirklich alles. Das Beste, Geilste, Schönste und die schlimmsten Qualen. Deine Sehnsüchte erfüllen sich und deine größten Ängste "irgendwo", "irgendwann". Nicht nur theoretisch, du erlebst es konkret. Und es gibt nichts, was du dagegen tun kannst, denn auch wenn du mal so tief in dich eingraben solltest, dass du dich künftig immer umbringen wirst, sobald du alt genug bist, um vors nächste Auto zu laufen - du wirst es doch oft genug nicht tun. Du bist in dieser Ewigkeit gefangen. Yaominh sieht da wohl keine bessere Lösung, als alles nur als ein Spiel anzusehen, alles als unwichtig anzunehmen, sich, die Welt, das Universum und den ganzen Rest.


Zitat

Ist Dir aufgefallen, dass die drei neuen Gegenweltler relativ wenig erzählen, was sie genießen können?
Da ist nur die Verbindung zwischen den dreien noch, mehr nicht. Die weiteren Punkte in deren Leben machen nicht mehr aus, als das, was auch jeden Oberboll ausmachen würde. Ein bisschen (sogar ziemlich harte Drogen) und viel Klopperei. Mehr ist da doch nicht, zumindest nichts, worüber wir was erfahren.


Also allein "Verbindung" ist schon verdammt viel, würd ich mal sagen.
Sonst naja, Freiheit und gemeinsamer Kampf gegen die Welt. Und der hinterlässt halt seine Spuren. Glück und Genuss sind halt eher Randerscheinungen, wenn man in eine feindliche Welt geworfen ist, sie lassen sich am ehesten noch in harten Drogen finden, gepaart mit Selbstzerstörung.
Dir ist die Sache wahrscheinlich einfach zu romantisch, nicht wahr? :D
Was hättest du da denn gerne noch? Jetzt konkret? Was lässt sich da deiner Meinung nach an Leichtigkeit noch unterbringen?



Zitat
Naja, das ganze dann doch als Auswirkungen einer adolestentophilen Ader von Markus zu bezeichnen, ist mir dann aber doch etwas zu diskreditierlich Markus gegenüber.


Oh, ich fand jetzt den Punkt, ob man das eventuell doch so sehen muss, gar nicht diskutabel.
Ich wollte nur sagen, dass diese Gegenwelt etwas derart Ungewöhnliches ist, dass Außenstehende sie durchaus so interpretieren könnten - womit sie ihr natürlich arg Unrecht tun.
Ich wollte meine Angekotztheit darüber ausdrücken, dass etwas Ähnliches gar nicht so selten ist: Viele Menschen können nur ihren Alltagskram einordnen, labern aber trotzdem über alles mögliche rum und meinen, sie wüssten über Dinge bescheid, die sie bestenfalls aus Zeitungen kennen. So erscheint plötzlich etwas "vernünftig und einsichtig", das gar nicht der Wahrheit entspricht, weil die Menschen in ihren Denkgewohnheiten gefangen sind und ihrer Dreistigkeit Dinge etikettieren, die sie nicht verstehen - ohne das auch nur zu bemerken.


... - 27.9.2006 um 03:04

Och, solange ich Euch alle nur im Netz ertragen muß, seit Ihr ja alle sehr erträglich.
Wenn bei Treffen das große Saufgelage wieder losgeht, bin ich eigentlich immer ganz froh, dass ich die Phase Eures Alters schon lange hinter mir habe. Aber ist auch lustig, sowas mitzubekommen, wenn man noch weiss, dass man irgendwie sich früher auch nicht anders verhalten hat.


Dass das mit dem Spiel ´ne Andeutung nur auf die Realitäten ist, glaube ich nicht unbedingt.
Ich hab´mir gerade nochmal die Szene durchgelesen. Da sagt Yao:"Ich spiele mit meinem Leben wie mit einer Marionette. Ich lebe es nicht!"
Das kann eigentlich sich nicht auf die unterschiedlichen Realitäten beziehen, denn immerhin erscheint es mir auch so, dass den neuen Gegenweltlern ja bis zum Ende gar nicht so bewusst ist, dass es sich bei der Erfindung des Profs gar nicht um eine Maschine zur Vernichtung der Menschheit, sondern um eine handelt, die die Menschen in andere Realitäten versetzt.
Das würde ich vorsichtiger beurteilen.

Und man muss, um aus seinem Leben ein Spiel zu machen, ja nun wirklich nicht alles erlebt haben, aber man erlebt ja doch diese ganze Reihe von Gefühlsmomenten im Überfluss, wenn man sich nicht eingräbt oder den vorbestimmten Spießerlebensweg für sich sucht.

Und genau das sind so die Kleinigkeiten, die ich noch erwartet hätte. `N sinnvollen Beruf, alles mögliche, was die ausprobieren vom Studium über Putzhilfe (:D ) und dem Bankkaufmann oder den Erzieher als etwas Abwechslung. Letztendlich muss ja auch Markus irgendetwas gemacht haben in der Zwischenzeit zwischen Engelskindern und der Zeit, wo er auf Demiro stieß.
Frauen (oder von mir aus auch gerne Männer), Beziehungen, Hobbys, Politik, Reisen oder was weiss ich. Eben all sowas, was man macht, um sein Leben interessant zu gestalten.
Und um es als Spiel zu gestalten. Man darf nur nicht an einer Ebene zu lange festhalten, dann wird´s langweilig.
Und dafür braucht man auch keine anderen Realitäten, das kann man auch alles, wenn man es will, in einem Leben verwirklichen. Dafür kann man solchen Typen wie Demiro und Yao evtl. helfen, damit sie selbstbestimmt durchs Leben schreiten und dann alles machen können, was sie immer schon wollten.

Für mich hört sich alles, was dazu verlautet wird, eher als das Leben von Emiriten an, was da in der neuen Gegenwelt kommt. (In der alten sah es aber auch nicht besser aus!)
Mag sein, dass @Dian auch das zeigen wollte.
Während sich Nikita im ersten Epilog immerhin zu jemanden entwickelt, der mit einem guten Bekannten es schafft, auch in der stupiden Realität einiges für sich zu erreichen, bleibt es bei Yao immer die gleiche Soße, egal, was er ist. Er ist auf der Suche nach demjenigen, der ihm sagt, wie er vorzugehen hat. Und ist er nicht mehr da, da wird dies faktisch schizophren durch Stimmen reproduziert.
Das ganze kommt mir aber zu nachteilig für Yaos Darstellung aus. Ich weiss nicht, ob @Dian darauf hinweisen wollte, aber es ist nach längerer Betrachtung einfach so, dass sich dieses Bild ergibt. Ein Krüppel ist ein Krüppel bleibt ein Krüppel???
Naja, das wäre jetzt zumindest ein Interpretationsansatz, über den man sich streiten könnte.

Was die Adoleszentophilensache, die der Bewahrer behauptet, anbelangt, kann dies natürlich so sein, dass das eben eine Anspielung auf solche bürgerlichen Konventionen ist, die versuchen würde, eine Beziehung von einem alten Sack mit zwei Jugendlichen so zu interpretieren. Ist zwar richtig, ist aber nicht strafbar.
Da gibt es gerade in Schwulenkreisen ´ne ganze Menge von diesen Typen, die nur noch einen hochkriegen, wenn sie junges Fleisch sehen. Insofern auch alles etwas unlogisch, wenn gerade dieses als Straftat dargestellt wird, was in keinster Weise in unserer Gesellschaft verboten ist und dennoch zwar misstrauisch beäugt wird, aber eigentlich keinen Grund zu einem exekutiven Eingreifen geben würde.
An der Stelle, in der Kirche, hab´ich das auch nicht ganz verstanden, warum Nikita da noch so lange zögert, und nicht sofort merkt, dass das alles Quark sein muss, weil ich nur gefragt hätte: "Ja und, seit wann ist das verboten?"
Etwas unlogisch dort, das Ganze, aber wahrscheinlich im Sinne eines Spannungsbogens ganz sinnvoll, sowas nochmal einzubauen.


MAUS - 27.9.2006 um 17:44

So, nun war ich dann doch zu neugierig, um mit 3 solange zu warten, bis ich gut genug drauf bin, was ich bei 2 ja gemacht habe. Dementsprechend hat sich meine Depression gerade ungefähr verhundertfacht, muß mich erst mal erholen, um was zur Buchbesprechung beitragen zu können.


Ina - 27.9.2006 um 20:13

Hmm, @Maus, ich hab davon ein paar Nächte von finsteren Ruinen geträumt - war aber eigentlich ganz nett ;)

Und @Arne, lies die Szene mit dem Spiel doch mal weiter.
Da stehen die vielen Dimensionen ganz konkret und auch, dass es scheißegal sein könnte, wie man sich entscheidet, was auch auf die Theorie hindeutet (denn man wird es nach ihr beliebig oft anders machen).
Das ist der Grund, warum mir das wie eine Andeutung auf das Spätere vorkommt.
Und die sind in Kapitel 30 (also nach dem Krieg) nicht davon überzeugt, dass diese Maschine nur eine Mordmaschine ist. Die wissen nur, dass die Leute verschwinden, "irgendwohin". Aber ganz abgesehen davon braucht man ja garnicht von der Existenz dieser Maschine zu wissen, um so eine Theorie zu haben - sie wären dann bloß nicht direkt zugänglich, diese Welten.
Aber interessanter als das erscheint mir aber dieser Spruch dann über Super Mario - so als könnten auch wir in einer solchen Dimension stecken, in der "richtiges Leben" gar nicht möglich ist. Aus dieser Sicht macht vielleicht auch vieles andere Sinn, das "Eremitendasein", das die Gegenweltler führen und das du ihnen vorhälst - denn so wäre es ohnehin nur Lüge und Imitation, absolut sinnlos, sich um ein gutes Leben zu bemühen, denn wahres Leben und wahres Glück sind nicht möglich, es gibt nur Fassaden, die bröckeln, Träume, die sterben. Also scheiß drauf, zerstör dich durch Drogen und dummes Verhalten, weil sich so wenigstens eine Illussion erhalten lässt, was besseres gibt es hier nicht, keinen Weg für solche wie dich und die ganze blöde Ausprobiererei von Kleinigkeiten und den Kram, der für andere Leute Glück bedeutet ("Frauen/Männer, Beziehungen, Hobbys, Politik, Reisen oder was weiss ich") kann man sich schenken. Kann Super Mario "tun, was er schon immer tun wollte", nein, das ist unsinnig, er kann sich soetwas gar nicht erst ausdenken, was sollte Super Mario denn schon tun wollen? Extra weit springen?? - Geil...
Diese Interpretation kann natürlich wiedermal mehr aus meinem Hirn als aus dem Buch kommen, aber sie würde manches erklären.
Auch die Sache mit Yao. Es geht eben nicht darum, irgendwie mit allem zurechtzukommen und auch noch aus der blödsinnigsten Realität das Beste herauszuholen, sondern darum, dass es bei ihm eben "immer die gleiche Soße" bleibt, huldvoller ausgedrückt: dass er seiner Seele treu bleibt und unwandelbar ist wie ein Element... im Gegensatz zu Nikita, der nur als Produkt seiner Umstände dargestellt wird (ich geh jetzt einfach mal davon aus, dass der Typ in Epilog 2 "Nikita" ist). Als sie scheiße waren, hinterfragte er halt, als sie gut waren, wurde er ein doofer Lemming. Er hat keinen richtigen "Kern" im Gegensatz zu Yaominh.
Klar kann man einen solchen auch als "Behinderung" interpretieren, wenn man will, denn es ist eine Einseitigkeit, etwas fest Eingestanztes, das nicht überwunden werden kann, das Dinge vorgibt und erzwingt - während im Gegensatz dazu ein unbeschriebenes Blatt alle Möglichkeiten offen lässt. Man kann die Fähigkeit, sich an alles anpassen zu können und mit allem zurechtzukommen, als etwas Glorreiches hinstellen, als geistige Beweglichkeit, Ausnutzung aller Möglichkeiten. Und jemanden, der das nicht kann, als Krüppel - tja, wieder so ne Sache, wo mein Spruch herkommt, dass ich nicht an Argumente glaube ;)

Zu der Adoleszentophilensache, klar mag das juristisch nicht verboten sein, aber das Problem ist wohl weniger, ob die irgendwelchen Gesetzen zuwidergehandelt hätten, sondern dass da Zwang und Ausnützerei im Spiel gewesen wären, was schon arg diesen schönen Idealen, von denen die Gegenweltler so salbungsvoll geredet haben, entgegengestanden hätte.


... - 28.9.2006 um 04:05

Hallo, @MAUS, erstmal. Na endlich stößt in dieses verwegene Duett noch jemand hinzu.
Freue mich schon über die baldigen Gedanken von Dir dazu.
Lies´am besten nicht den ganzen Sermon, den wir bislang schon geschrieben haben, sondern schreib´erstmal Deine Eindrücke!

Ja, @Maria, insofern bietet das Ende ja dann auch mit den zwei Epilogen u.U. auch eine mehrdeutige Version.
Die eine etwas nihilistischere (die Dir ja bestimmt zusagt), dass es egal ist, wie man sich in der Welt verhält, man bleibt im Spiel fremdbestimmt, oder diejenige, die etwas praktischer denkt, nämlich, dass man auch unter den vorgegebenen Bedingungen was schönes aus dem Leben machen kann.
Aber auch die nihilistische Variante gibt ja etwas vor, nämlich, dass man Menschen um sich herum haben muss, die einmalig und unwiederbringlich sind.
Und das wäre mir dann doch zu wenig nihilistisch alles in allem.

Gegen Deine Interpretation würde aber auch sprechen, dass ein Super - Mario keine Freunde bekommt, wie sich Yao das Verhältnis zu Nikita vorstellt und letztendlich ist doch auch Yao in seiner Welt gefangen. Er bleibt auf der Suche. Auch in anderen Dimensionen.

Letztendlich hat er sich zwar eine andere Identität erschaffen, aber es gelingt ihm nicht aus seinen vorgegebenen Bahnen auszubrechen.
Insofern tun sich der vermeintliche Nikita und der Yao aus Epilog II eigentlich nicht viel.

Insgesamt ist die Version in Epilog II ja auch viel düsterer imo als die in Epilog I.
Im übrigen habe ich auch nicht so den Eindruck, dass der Leser als Hauptperson Yao annehmen soll. In erster Linie geht es nach dem Prolog um Nikita, Yao taucht erst später in seiner neuen Welt wieder auf.
Wenn ich jetzt von @Dians früheren Werken ausgehe, war da immer eine Person, die letztendlich den Handlungsstrang bildet, eine normale Person, die durch irgendwelche diffuse Umstände, meistens durch andere Personen, die sie mochten, in andere Situationen kamen und deren Leben dadurch aufgewertet wurde.

Diese Aufwertung des Lebens gelingt jedoch nur Nikita. (Und zwar mit dem Yao aus Epi I).
Nikita als Gegensatz zu Yao zu sehen, der nur das wird, was seine Umwelt aus ihmmacht, halte ich da schon etwas für unrealistisch, denn auch der Yao ist doch ein Paradebeispiel, dass er nur durch seine Umwelt (Markus und Demiro) zu etwas anderem wird, als der Yao, der in Epi I vorhanden ist.

Also, ich sehe das schon als etwas hoffnungsvollere Enden an, eigentlich ja auch für Yao, auch, wenn er seinen Nikita nicht mehr findet. Auch er macht doch eben ohne diese etwas (wie Du ja richtig sagt, mir etwas zu) romantische Freundschaft auch seinen Weg und akzeptiert, dass er eben alleine auf der Welt ist.

Letztendlich ist ja auch noch eine andere Interpretation möglich:
Nikita als Hauptperson hat wirklich nur einen langen Traum, in dem er von einer Person träumt, die ihn nachvollziehen kann. Der Yao aus Epi I (nennen wir ihn mal der Einfachheit halber der echte Yao) ist eben nicht der Supermann, den er sich wünscht und trotzdem hat er auch mit seinen Fehlern die gleiche Funktion wie der etwas durchgeknallte Yao aus Nikitas Traum oder Vorstellung oder der etwas anderen Realität.

Aber gerade das macht das Buch doch schön, dass uns @Dian hier eben mal nicht einen Weg vorgekaut hat, sondern irgendwie einen Weg gefunden hat, sich auch anders auszudrücken.

Ich schätze mal, dass @Dian auch selber lieber einen Yao hätte wie in der Geschichte, also den aus Epi II, aber da es den zumindest in der Realität, in der wir wohl leben nicht geben wird, wird auch Nikita glücklich mit dem echten Yao.

Ich neige mehr zu einer etwas hoffnungsvolleren Interpretation des Werkes.

Würde Dich ein hoffnungsvoller Ausgang dort eigentlich stören, @Maria?


Ina - 28.9.2006 um 09:28

Nö, wenn er gut gemacht ist, nicht.
Aber was fällt dir denn da noch an Hoffnung ein, aus der man einen Schluss machen könnte?
Die Gegenweltler und Engelskinder erkennen alle, wie schön die Welt ist und gehen wieder heim??
Oder die geheimnisvollen "Götter oder was auch immer" heben Yao und Nikita aus der "Super Mario - Dimension", weil sie das Spiel aus irgendeinem Grund durchgespielt haben und geben ihnen nen Planeten nach ihren Wünschen, wo man leben und sterben kann in unvorstellbarer Weise??

Einfach nur seine Träume auf die Realität runterzuskalieren erschiene mir halt ganz und gar nicht hoffnungsvoll.


Zitat
Aber auch die nihilistische Variante gibt ja etwas vor, nämlich, dass man Menschen um sich herum haben muss, die einmalig und unwiederbringlich sind.
Und das wäre mir dann doch zu wenig nihilistisch alles in allem.


Ach, @Arne, "nihilistisch" ist das nicht, was ich hier verzapfe. Mann, ich hab Sachen wie Liebe/Hass/Verbundenheit anerkannt, Dinge bewertet, Verbindungen zwischen ihnen hergestellt, sie in einen Zusammenhang zu bringen versucht, auch etwas wie einen schrägen Traum geträumt. Nichts daran ist nihilistisch.
Das ist ja gerade das Nette dran: dauerndes Zweifeln stellt irgendwann auch die eigenen Gefühle, die Vernunft und die Logik und damit letztlich auch die Zweifel selbst in Frage. Und dann ist wieder alles offen, jeder Traum darf wieder geträumt werden, jede Illussion ist erlaubt. Man kann sich in jedem Luftschloss einquartieren und die Aussicht aus jedem Fenster genießen - so lange man nicht wirklich versucht, dauerhaft drin zu wohnen, denn das würde einem die nötigen Voraussetzungen zerstören.


Zitat
letztendlich ist doch auch Yao in seiner Welt gefangen. Er bleibt auf der Suche. Auch in anderen Dimensionen.
Letztendlich hat er sich zwar eine andere Identität erschaffen, aber es gelingt ihm nicht aus seinen vorgegebenen Bahnen auszubrechen.


Was soll daran so schlimm sein? Der ist halt so.
Und so anders ist diese Welt ja nicht, der Unterschied ist da eher so wie das Upgrade von Mario World auf Mario64 - wenn überhaupt.
Ich interpretiere das eher so, dass Yao zwar nun in einer Welt lebt, die ihm wirklich zusagt, in der er was darstellt etc. - aber dummerweise hat er dadurch die einmaligen Freunde verloren, die er in der anderen Welt hatte, wo die Verbindung vielleicht nur deshalb so eng werden konnte, weil sie da "zusammenstehen mussten in ihrem Kampf gegen die Welt".
So könnte man dieses Ende vielleicht doch optimistischer interpretieren: es könnte aussagen, dass die Realität, in der Yao, Markus, Demiro etc. Aliens waren (also gewissermaßen "unsere Realität"), eigentlich doch die Beste war - weil nur sie die Voraussetzungen für die tiefe Verbindung zwischen ihnen bot, die einen Stellenwert hatte, den sie für Menschen, die in ihrer Welt gut zurechtkommen und an allem möglichen in ihr hängen, praktisch niemals haben kann.


Zitat
Nikita als Gegensatz zu Yao zu sehen, der nur das wird, was seine Umwelt aus ihmmacht, halte ich da schon etwas für unrealistisch, denn auch der Yao ist doch ein Paradebeispiel, dass er nur durch seine Umwelt (Markus und Demiro) zu etwas anderem wird, als der Yao, der in Epi I vorhanden ist.


Aber Yao in Epilog 1 ist doch kein Lemming! Genausowenig wie Nikita in dieser Dimension.
Die machen da doch beide "nix Vernünftiges", sind "Problemfälle in den Ämterstatistiken", sitzen in ihrer Bude rum, leben vom Jugendamt, kiffen und zahlen ihre Rechnungen nicht :D
Das ist schon ein bisschen was anderes als dieser perfekt angepasste "Nikita" aus Epilog 2 mit seiner rebellischen christlichen Rockmusik.
Nein, Yao kennt man nur mit seiner Vegangenheit als zerbombtes Kind aus dem Slum. Deshalb lässt sich schwer feststellen, was aus Yao unter glücklichen Umständen geworden wäre und er selbst kann sich ganz am Ende nur hoffnungsvoll einreden, dass er wirklich unter allem Umständen auf seiner Bahn bleibt. Du willst ihm ja genau das vorwerfen, aber diese Sturheit ist hier positiv dargestellt.


Klar kann letztlich alles außer Epilog 1 ein Traum von Nikita sein und Epilog zwei ist eben noch einer von Nikitas schrägen Träumen... Es könnte auch alles ein Traum von Dragon Yao sein, der ein bisschen wahnsinnig geworden ist, Realitäten und Stimmen halluziniert und deswegen irgendwelche komische Gegenwelten aufbaut und harmlose deutsche Jungs belästigt. Wenn wir aber bei den Traumtheorien sind, erschiene es mir am Realistischsten anzunehmen, dass das Ganze, Prolog 1/2 + Kapitel 1-42 + Epilog 1/2 ein Traum von Dian the Saint ist - na gut, eventuell könnten der, du und der ganze Rest auch ein Traum von mir sein *g*


MAUS - 28.9.2006 um 22:28

Zitat
Original von Maria
Hmm, @Maus, ich hab davon ein paar Nächte von finsteren Ruinen geträumt - war aber eigentlich ganz nett ;)

*g* ne bis in meine Träume verfolgt es mich nicht. aber es beschäftigt mich schon ganz schön.

Zitat
Original von Arne Kroger Lies´am besten nicht den ganzen Sermon, den wir bislang schon geschrieben haben, sondern schreib´erstmal Deine Eindrücke!

*g* zu spät.


... - 29.9.2006 um 03:37

Also, so hoffnungsvoll optimistisch soll das ja auch nicht gerade wirken, @Maria, dass die auf einmal die geborenen Spießer werden und keine Ansprüche mehr an sich und die Welt haben.
Epi I reicht mir da schon, dass alles etwas angenehmer darzustellen, als das vollkommene Auslöschen der Menschheit, wobei man auch dieses ja nun durchaus noch, verlässt man mal die dämliche menschliche Sichtweise, die wir haben, ja auch noch ganz hoffnungsvoll für das Universum zumindest sein könnte!

Also gut, da kann ich auch keinen Streitpunkt drin erkennen, wenn Du letztendlich sagst, dass die ja auch in Epi I einen ganz netten, nicht angepassten Weg gehen, der aber mit Sicherheit nicht so lebensintensiv sein wird, wie den, den sie in der anderen Realität eingeschlagen haben.
Aber hier so ein kleiner Verweis, der im übrigen in Unity II durch die letzte Traumszene ganz schön gemacht ist, wäre mir etwas lieber gewesen.
Hätten die beiden nicht wenigstens ein bisschen mehr so eine Symbiose von Gegenweltlern und Engelskindern sein können?
So kleine anarchische Aktionen planen, mal ´n Banküberfall begehen, oder sonst etwas, damit sie die Rechnungen dann bezahlen können?
Irgendeine Tussie vom Sozialamt als Geisel in ihrem Schrank haben können, oder sowas?
Eben so kleine anarchische Aktionen, die man viel zu selten erlebt, also so die Sachen, die ich selber noch nicht ausprobiert habe, aber auch mal gerne machen würde, damit das Leben noch ein bisschen unterhaltsamer wird.
So ein bisschen Janosch sollte in die beiden trotzdem reinfahren!

Wie gesagt, ich hätte ja auch gerne Markus und Benja ein Happy-End gegönnt. Oder zumindest so ein Butterfly - Ende, wo ein Happy-End möglich sein könnte, aber die Menschen wieder aufgrund ihrer eigenen Blindheit dies nicht wahrnehmen.
Geht man davon aus, dass es sich wirklich bei dem Lemming am Schluss um Nikita handeln würde, dann wäre das ja schon so ungefähr etwas in diese Richtung.

Ich komme aber immer noch nicht damit klar, warum der Yao aus Epi I und der Yao aus Epi II identisch sein sollen. Oder warum sie es nicht sein sollten?
Wieso hat uns da @Dian nicht den Gefallen getan und beide in ein und dieselbe Realität hineingeholt. Für mich ist der Yao aus Epi I eindeutig nicht der Yao aus der vorherigen Geschichte, sonst wäre er ja nicht verwundert über das, was Ihm Nikita da erzählt, was er von seinem (vermeintlichen) Traum alles erzählt.

Kann natürlich wirklich daran liegen, dass ich meine, dass selbst, wenn man von einer Dimension in die andere transformiert wird, meine Vorstellung besagt, dass eben auch das, was Bewußtsein ausmacht, transferiert wird. (Immerhin sind auch das nur ein paar biochemische Prozesse im Gehirn!)

Die Frage, die dann bei mir bleibt, ist, ob sich @Dian was dabei so in die Richtung gedacht hat, dass die beiden eben gar nicht so ähnlich sind, wie es sich Yao wünscht, denn sonst hätten sich doch beide die gleiche Realität ausgesucht.
War es für Nikita doch angenehmer, den schwachen, behinderten Yao um sich zu haben, als den starken aus der Geschichte?

Ich frage mich dass, weil ich ja nun auch meine Erfahrungen aus der Behindertenarbeit habe und immer wieder besonders bei Schwerbehinderten, die nicht mal sprechen können (oder wollen), sich bei mir immer irgendwann mal der Traum einstellt, wo ich mit denen rede. Den Traum habe ich regelmässig, wenn ich auf mir sympathische Bewohner treffe, wo diese Menschen ganz normal sind, keine Supermänner, aber zumeist erklären die mir in meinem Traum dann, dass sie ja eigentlich ganz normal wären und einfach diese Form des Lebens für sie bequemer ist und sie sich so nicht mit der bekloppten Welt da draußen rumschlagen müssten, wie wir vermeintlich Normalen das machen.
Ich komme da am Anfang der Geschichte nicht so ganz darüber hinweg, dass mich die Situation, die Nikita als 14jähriger mit Yao erlebt, mich ziemlich an diese Sachen erinnert, allerdings will ich diese Menschen auch nie unbedingt als drogenabhängige Supermänner sehen, obwohl einige dies wohl wären, wenn sie geistig keinerlei Behinderung hätten.

Naja, Du merkst, dass ich mich ziemlich intensiv mit den Charakteren immer auseinandersetze und eigentlich weniger mit dem Geschehen in einer Geschichte. Die Charaktere sind imo hier auch in Unity III so deutlich und vielseitig gezeichnet, dass es eigentlich gelingt, diese Menschen sehr schnell lebendig werden zu lassen. (Wobei ich zugebe, dass leider gerade die Engelskinder, bis auf D`Artagnan, ziemlich undeutlich gezeichnet sind.)

Glaubst Du eigentlich, dass in Epi II die Bewahrer letztendlich die Herrschaft über den europäischen Raum haben?
Fällt mir gerade so ein, als ich über die unterschiedlichen Gesellschaftssysteme nachdenke, die dort gezeigt werden!



Tja, @MAUS, dann leg´mal trotzdem los, was Dir so einfällt. Und laß`Dich von uns nicht stören!


Ina - 29.9.2006 um 19:14

Zitat
Naja, Du merkst, dass ich mich ziemlich intensiv mit den Charakteren immer auseinandersetze und eigentlich weniger mit dem Geschehen in einer Geschichte.


Bei Menschen interessieren mich höchstens reale Menschen - kommt aber nicht oft vor. Ansonsten interessieren mich "Prinzipien". Gegenwelter, Engelskinder, Bewahrer - in dieser Geschichte sind auch einige Charaktäre Prinzipien: Cyrus, Benja, Janosch, Demiro irgendwie auch, Yaominh wär es zumindest gern. Eigentlich sind ja nur Markus und Nikita "richtige Menschen", findest du nicht auch? Na gut, vielleicht kommt das nur davon, dass man die beiden am Deutlichsten sieht.

Was noch die Sache mit den Yaos aus Epilog 1 und 2 angeht, mit der Theorie ist das eigentlich recht gut erklärbar: die sind einfach in verschiedenen Realitäten geboren, in denen aber ihr Leben bis 1990 gleich verläuft, sich aber dann anders entwickelt, weil in der einen Welt Nikita mit in den Westen geht und in der anderen nicht. Die haben gar nichts miteinander zu tun, wissen nicht voneinander, deshalb kann sich der eine nicht an das Leben des anderen erinnern. Dass da einer von ihnen irgendwelche komischen Dimensionssprünge macht, ist scheißegal, weil er ja nicht in die Dimension des anderen springt.
Und warum Nikita und Yaominh nicht in dieselbe Welt gegangen sind, naja, das "interdimensionale Chaos" war halt ein bisschen zu wild, als dass sie es geschafft hätten, zusammenzubleiben. Er verliert ihn ja aus den Augen, und hört nur noch vage seine Stimme, versucht "mit seinen Instruktionen irgendwie zu Yaominh durchzudringen" und vergisst darüber, sich groß um die Welt zu kümmern, in der er landen wird. Dass er in die Epilog-1-Welt kommt, ist eher ein glücklicher Zufall.

Aber für deine Möchtegern-Alternativentwicklungen ("Markus trifft Benja wieder", "Nikita und Yao machen ihre Privatanarchie" oder "Nikita und Yao landen in derselben Welt") ist nach der Theorie ja genug Platz, denn es wird schon so passieren, "irgendwo", "irgendwann" ;)



Zitat
Glaubst Du eigentlich, dass in Epi II die Bewahrer letztendlich die Herrschaft über den europäischen Raum haben?


Nun, ob die überhaupt "Herrschaft" brauchen...
Ich zitier mal Vogt:
"Solche billigen Tricks haben wir doch gar nicht nötig. Unter den bisherigen deutschen Spitzenpolitikern ist nur ein einziger echter Bewahrer gewesen! Alle anderen waren lediglich clever genug, den Weg einzuschlagen, der ihnen von uns und unseren Verbündeten geebnet worden ist... Alles ganz legal und demokratisch."

Der Bewahrerweg erscheint tatsächlich vernünftig. Allen geht es gut, alles ist geordnet und es gibt keine Rebellen mehr, weil es nichts mehr gibt, wogegen man rebellieren müsste. Der perfekte Ameisenhaufen, die vollkommene Gesellschaft.
Irgendwie fehlt zwar was und zwar ganz massiv, (man könnte dieses fehlende Element "Leben" nennen) aber niemand spürt das mehr. Vollendete Zivilisation. Stabil, effektiv, "glücklich".


... - 30.9.2006 um 02:34

Also, ich denke doch, dass hinter den beschriebenen Menschen auch reale Menschen stehen sollen.
Das hatte ich mal bei @Dians erstem Werk etwas kritisiert, dass da die bösen Charaktere nur als Klischee existierten und das hat er schon Unity II weiter verändert und hier sind mir eigentlich alle Charaktere relativ lebhaft vor Augen.
Wie gesagt, die Engelskinder bleiben mir etwas zu blass. Janosch bleibt auch immer ein (allerdings an sich sehr sympathisches) Rätsel (wobei ich sogar meine, dass @Dian ihn immer etwas zu ambivalent darstellt, als hätte er selber Angst vor ihm!).
Angst macht der mir am wenigstens, weil er konsequent ist und damit berechenbar imo.

Daher kann ich die dort beschriebenen Menschen schwerlich nur auf die Prinzipien reduzieren, die sie vertreten. In einigen Punkten, wie die Bewahrer ist das tatsächlich logisch. Bei Personen, die nur in einem Nebenstrang auftauchen wie Cyrus oder Nemo ist das auch entbehrlich. Aber ich denke, dass außer Nikita und Markus auch Benja, Yao, Demiro und natürlich Janosch klar erkennbare menschliche Konturen und Charaktereigenschaften haben. Natürlich ist die Story so angelegt, da die Hauptpersonen, faktisch die Erzähler Nikita und Markus sind, dass die auch am deutlichsten dargestellt werden, aber ich würde mich, gäbe es die Menschen real, auch für die anderen Charaktere interessieren.
Denn auch Prinzipien stehen für bestimmte Charaktereigenschaften, aus denen ich mir ein Urteil über einen Menschen bilde.
Markus z.B. hatte ein sehr starke schizophrene Phase, aus der er aber, wie bei jeder Krankheit, die man übersteht, mehr Kraft schöpft als die anderen imo. Auch bei Yao ist eine Behinderung imo der Anlass, dass er sich entsprechend entwickelt, auch, wenn ich ihn gegenüber Markus doch als eher schwächer in seinen Ausprägungen einschätze.

Machst Du das eigentlich auch bei realen Menschen, @Maria, dass Du in den Menschen immer nur das Prinzip siehst oder suchst, nach dem sie funktionieren?
Würde mir zum Beispiel bei Dir extrem schwer fallen, Dich irgendwo prinzipiell einzuordnen und käme wahrscheinlich auch nicht der Realität nahe, jemanden überhaupt nur als Prinzip zu sehen!:D


Und die Sache hat doch einen unlogischen Haken, so wie Du die Dimensionenverschiebung beschreibst, wenn Yao aus Epi I ein anderer Yao ist, als der aus Epi II:
Denn dann muss es ja vorher auch einen Nikita in der Dimension aus Epi I gegeben haben, denn sonst hätten die das ja nicht gemeinsam erlebt, was Nikita auf einmal einfällt.
Was wurde denn dann aus dem Nikita, der vorab in Dimension I lebte. Den muss es ja gegeben haben???
Na?? Erklär´mir das mal mit Logik!!!:p

Naja, dass die Bewahrerillusion schon alleine aus ökonomisch logischen Gründen nicht funktionieren kann, sollte man auch mal erwähnen, denn ohne Konkurrenzsystem, ohne Menschen, die mehr haben wollen, wie ein anderer, würde zumindest das ganze nur in Form einer Planwirtschaft funktionieren, und woher sollte dann der Antrieb noch kommen, dass die Leute überhaupt arbeiten oder etwas als Ziel haben außer zu sterben.
Das kommt auch nicht so ganz mit der menschliche Psyche hin. Da müssten die schon sehr selektiv alles, was einen IQ über 80 hat, auslöschen, was aber auch zu einem technischen Stillstand führen würde und global nicht funktionieren kann, solange es noch andere Maxime auf der Erde gibt.
Das wäre ein ähnliches Prinzip wie beim Kommunismus, das kann auch nur perfekt funktionieren, wenn die ganze Menschheit so handelt.
Ausgehend von Epi II wäre dann eine Bewahrerwelt schon lange von der aggressiveren Welt, über die Yao herrscht, schon lange erobert worden.


Ina - 30.9.2006 um 15:12

Zitat

Machst Du das eigentlich auch bei realen Menschen, @Maria, dass Du in den Menschen immer nur das Prinzip siehst oder suchst, nach dem sie funktionieren?


Was ich in Schubladen verpacken kann, ist eh nichts wert, "Prinzip" ist ein scheiß Wort, es geht um den herrschenden Gedanken bzw. das herrschende Gefühl, um den untersten Grund des Charakters.
Ich will eine "Seele" sehen, wenn ich mich mit einem Menschen befasse und nicht nur ein leeres Blatt, das irgendjemand bekritzelt hat.
Ich muss diesen inneren Kern gar nicht konkret lokalisieren können, geschweige denn eine Bezeichnung dafür haben, das wird auch fast nie gehen, aber ich muss merken, dass da neben mir etwas "Eigenständiges" ist, das nicht da wäre, wenn dieser Mensch nicht da wäre: ein fremdes, inneres Universum.
Die meisten Menschen haben so etwas, wenn überhaupt, dann nur ganz schwach, sind mehr oder weniger eine zufällige Anhäufung von wenig ausgeprägten Eigenschaften, lästige Schattengestalten, die mich behindern und die kaum Präsenz für mich haben, geschweige denn, dass ich Interesse für sie aufbringen könnte.
Und ich sehe die "Engelskinderseele" und die "Bewahrerseele", ich sehe Janoschs und Benjas und Yaos "Seele", aber Nikitas Seele sehe ich kaum und bei Markus sehe ich sie erst richtig, als er alt geworden ist.


Zitat
Was wurde denn dann aus dem Nikita, der vorab in Dimension I lebte. Den muss es ja gegeben haben???
Na?? Erklär´mir das mal mit Logik!!!


Ach, Arne, das kann ich nicht, aber das hatten wir doch schon. Schau doch da nach.
Ich hab doch schon gesagt, dass ich damit auch meine Probleme habe und die ganze Sache nur halbwegs brauchbar erklärbar ist, wenn man sowas wie eine Seele (also jetzt nicht im metaphorischen Sinn, wie ich oben davon rumgelabert habe, sondern ganz konkret) und eine entsprechende Dynamik annimmt.
Sonst müsste der da jetzt tatsächlich irgendwie doppelt sein.


Zitat
ohne Konkurrenzsystem, ohne Menschen, die mehr haben wollen, wie ein anderer, würde zumindest das ganze nur in Form einer Planwirtschaft funktionieren,


Wer hat gesagt, dass die Bewahrer den Wettbewerb abschaffen wollen?
Und wer sagt, dass dieses Europa nicht nach außen vor Waffen strotzt?
Es geht ja eher darum, für die große Masse ne Art Zoo einzurichten, sicher, reglementiert, ordentlich strukturiert. Da lässt sich effektiv produzieren. Klar scheint es da ne Grundsicherung zu geben, aber das heißt ja nicht, dass man nicht beliebige Reichtümer anhäufen könnte. Und es heißt sicher nicht, dass es keinen Wettbewerb mehr gibt und keine Hierarchie. Und die Leute "an der Spitze", die Zoowärter sozusagen, werden sicher nicht solche Schafe sein, Macht treibt dem Menschen die Schafsmäßigkeit bekanntlich schnell aus.


Zitat
Das kommt auch nicht so ganz mit der menschliche Psyche hin. Da müssten die schon sehr selektiv alles, was einen IQ über 80 hat, auslöschen, was aber auch zu einem technischen Stillstand führen würde


Also da widerspreche ich dir jetzt vehement. Guck dir mal nen durchschnittlichen Einser-Abiturienten an, und du weißt, was ich meine. Brav und blöd, aber leistungsbereit und aufnahmefähig für alle Programme.
Ich habe außerordentlich intelligente Menschen kennengelernt, die es echt drauf hatten und trotzdem alles andere taten, als unkonventionell zu denken. So frühgeförderte Kinder scheinen gern sowas zu werden. Denen hat man immer zu viel angeboten, die hatten nie echte Langeweile, die hatten nie Leere im Kopf, die sie irgendwie selbst hätten füllen müssen. Deren Hirn funktioniert wunderbar - innerhalb der Bahnen, die man ihnen angelernt hat. Und was den technologischen Stillstand angeht: aus denen lassen sich super Forscher machen - klar, die entwickeln nicht sowas wie die Relativitätstheorie, aber die bei uns so erwünsche anwendungsorientierte Forschung ist bei solchen in den besten Händen. (Die kriegen da auch was zustande, wahrscheinlich mehr als die Gestalten, die an irgendwelchem Naturgesetzkram interessiert sind und finden, dass es bescheuert ist, neue Handys zu entwickeln, weil es doch schon viel zu viele alte gibt.)
Solchen Verhalten verstärkt sich, weil es Lob und Anerkennung einbringt. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass die von ihrem Weg abkommen.


... - 1.10.2006 um 03:46

Naja, über Yao werden wir uns wohl nicht einig werden. Da sehe ich zumindest nicht mehr "Seele", wie Du es nennst, als bei Nikita.
Ich seh´maximal, dass @Dian eben die Story aus den Blickwinkeln von Markus und Nikita erzählen lässt.
Da ist dann wenig Platz für eigene Bewunderung. Yao wird später mehr und mehr von Nikita bewundert, allerdings kann man auch kaum erkennen, warum und wieso. Die beiden kennen sich zwar ewig, aber Yao hat sich ja doch etwas verändert und nach ein paar Stunden könnte ich auch niemanden eine so starke Rolle in meinem Leben zuschreiben, wie es Nikita bei Yao macht. Zumal mir der Yao immer etwas zu spontan erscheint.
Meine Erfahrung mit Menschen, die ich etwas anhimmele, ist eigentlich immer die gewesen, dass sie bei genauerer Betrachtung gar nix sind, und das könnte ich mir auch gut vorstellen, wäre eine Konsequenz aus einer längeren Beziehung zwischen Yao und Nikita gewesen.
K.A., ob das daran liegt, dass ich so Yao - Haudegen schon oft genug kennengelernt habe (und so um die 20 bis Mitte 20 fand ich die auch bewundernswert), aber zumeist haben die sich auch immer nur als Typen mit zu viel Watte im Kopp herausgestellt. Mag ´ne persönliche Erfahrung von mir sein, ich weiss nicht, warum ich da eher skeptisch reagieren würde, zumindest skeptischer auf den, als auf Typen wie Nikita und Markus.

Tja, bitte, und ich sag´ja, entweder gibt es zwei Yaos und zwei Nikitas oder eben nur jeweils einen von den beiden und eine Traumwelt von Nikita, in der sich ein anderer Yao präsentiert.
Eben ein Traum, kein echter Mensch.

Und so wie Du habe ich aber die Bewahrertheorie nicht verstanden.
Da werde ich nochmals nachlesen, aber die ganze Sache hörte sich doch eher danach an, dass die Menschen ALLE zufrieden sind und dies gelingt nur durch hierarchiefreie Räume. Oder mindestens durch solche Hierarchien, in der jeder aufsteigen kann.
(Ist im übrigen auch eine Horrorvorstellung von mir. Es könnte auch wirklich so sein, dass alle Bildungschancen gerecht verteilt sind und auch alle von ganz unten nach ganz oben kommen können. Die kleinen Aufsteiger sind wirklich immer die schlimmsten, wenn sie oben sind. Die verändern nix.)

Und zu den Abiturientensachen und denen mit den guten Noten kann ich Dir mit 40 schon was ganz anderes erzählen als Du es Dir jetzt vorstellen kannst.
Es mag da einige geben, die es schaffen, damit auf gute Positionen zu kommen, wo sie nicht viel über ihre Grundlagen nachdenken müssen und wenig reflektieren müssen, aber der größte Teil ist dann doch irgendwann mal wieder ganz unten.
Zum einen werden diese Menschen auch alt und manchmal krank und die haben wirklich nie gelernt, mit Situationen, die völlig spontan und unberechenbar sind, klar zu kommen.
Dafür fehlt den meisten dann doch wieder jegliche Kreativität.
Und in der heutigen Wirtschaftslage werden die genauso wegegspült demnächst von kreativeren Köpfen, wenn man mal Kreativität braucht und die versauern dann auch in einem Labor oder Büro und bringen nix zustande.
Eine Veränderung im Privatleben (z.B. Partner läuft weg) oder eine Veränderung in der beruflichen Situation wirft die ziemlich schnell aus der Bahn, weil die in ihrem Lerneifer wirklich vergessen, sich und ihre Umwelt reflektiert zu beobachten und dann völlig unerwartet auf die Schnauze fallen.
Einige von denen, die ein viel besseres Abi wie ich machten , sind heute verfettete Hausfrauen oder Kneipiers, andere eher die Kunden der Kneipiers und wieder andere schon durch Selbstmord aus dem Spiel ausgeschieden. Weiss zwar wirklich für letzteres nicht die genauen Gründe, aber sehr zufrieden klingt das alles nicht für mich.

Also, da mach´Dir mal keine Sorgen. Ebensowenig wie zumindest dieses Buch hat auch das Leben nie ein Schild, wo es mal "Ende" heisst und alles bleibt wie es ist.
Mit 40 wirst Du einige wiedertreffen, die zumindest scheintot sind und sich wundern, warum es Dir z.B. besser gehen wird als denen.
Da bin ich mir aber ziemlich sicher!


Ina - 1.10.2006 um 15:06

Ach hat er das weggemacht? Also in meiner Version steht noch fett "ENDE" am Ende :D

Und scheintot waren da manche schon mit 19.
Gut geht es denen auch nicht. Aber die halten die Maschinerie halt am Laufen und in der Regel tut die Maschinerie dasselbe für sie.


Zitat
über Yao werden wir uns wohl nicht einig werden. Da sehe ich zumindest nicht mehr "Seele", wie Du es nennst, als bei Nikita.
Ich seh´maximal, dass @Dian eben die Story aus den Blickwinkeln von Markus und Nikita erzählen lässt.
Da ist dann wenig Platz für eigene Bewunderung.


Es geht nicht um Bewunderung, es geht um das Maß, indem die Handlungen und Gedanken einer Person von den Umständen abhängen.
Klar, vielleicht sieht man diese Umstände bei den Erzählern Nikita und Markus nur besser und hat deshalb dort diesen größeren Eindruck von "Fremdbestimmung", als bei Benja oder Yao.



Zitat
ich sag´ja, entweder gibt es zwei Yaos und zwei Nikitas oder eben nur jeweils einen von den beiden und eine Traumwelt von Nikita, in der sich ein anderer Yao präsentiert.
Eben ein Traum, kein echter Mensch.


Klar klappt das, Träume erklären alles, aber ich würde halt den Epilog 2 irgendwie gerne als "real" ansehen.


Zitat
aber die ganze Sache hörte sich doch eher danach an, dass die Menschen ALLE zufrieden sind und dies gelingt nur durch hierarchiefreie Räume. Oder mindestens durch solche Hierarchien, in der jeder aufsteigen kann.


Oder durch entsprechende Konditionierung...

Es wird doch in dem Buch öfter davon geredet, dass die Rebellen eine aussterbene Spezies sein sollen. So verstehe ich eben den Plan der Bewahrer: die Rebellen ausrotten zugunsten einer nahezu perfekt funktionierenden Gesellschaft.

Ein bestens geordnetes, banales Leben und Menschen, die banal genug sind, um damit völlig zufrieden zu sein. Einfach weil sie anderes nicht mehr zu Gesicht bekommen, bzw. das nur noch als Abschreckung dient, indem man bei der kleinsten diesbezüglichen Anwandlung anfängt, "asiatische Verhältnisse" zu befürchten.

Meinst du nicht, dass die Menschheit so zähmbar ist?

Wir haben doch schon genug Lemminge, die zeigen, dass sowas geht.
Klar fliegen die heute noch auf die Fresse, kommen mal unter die Räder, aber ebene denen immer und überall den Weg, sorg dafür, dass sie über nix mehr reflektieren müssen und immer ausreichend Aktivitäten und Vergnügungen zur Ablenkung haben, richte das Leben voll und ganz auf die aus, und lass das Ganze ein paar Generationen laufen.

Lass die Eltern vielleicht noch in nicht allzuferner Zukunft ihre Kinder wunschgerecht aus ihrem Erbgut zusammenschneidern, und überleg mal: was werden die da gerne wollen? Ein psychisch labiles, rebellisches, aggressives Problemkind will wohl niemand... (bzw. wer sowas will, der tut diesem, seinen Kind wohl kaum das Leben an).
Klar, Gene sind nicht alles - aber traktiere dann diese Kinder mit immer ausgefeilteren Erziehungsmethoden, mit einer voll durchorganisierten, effektiven, reibungslos funktionierenden Pädagogikmaschinerie - ich glaube nicht, dass da ne nennenswerte Anzahl noch auf die Idee kommt, dass anderes möglich sein könnte - geschweige denn wünschenswert.

Du findest, diese Gesellschaft würde von einer aggressiveren einfach geschluckt? Aber aus Leuten, die keine innere Welt entwickelt haben, lässt sich so ziemlich alles machen - laber ihnen was von nem Feind vor, mach ihnen Angst, heroisiere dann den Heldentod fürs Vaterland und mit ner entsprechende Ausbildung kriegst du gute Soldaten zur Landesverteidigung, die sich dabei sicher besser anstellen als ein ungeordeter Haufen Anarchisten.


... - 2.10.2006 um 03:43

Also, bei mir steht da auch durchaus noch "Ende".
Aber ich meinte das eher im übertragenden Sinne.
Zum einen lebe ich eben solange in einem Buch, bis ich es zu Ende gelesen habe und dann beginne ich erst, mir darüber Gedanken zu machen und eventuell den Inhalt weiterzuspinnen. Insofern hat auch das Buch kein Ende für mich, sondern funzt irgendwie in meinem Kopf weiter. Da brauche ich schon mehrere Wochen für, oder ein neues Buch, um das alte abzulegen. Das wird hier auch noch ein paar Tage dauern, denke ich. (Ist auch bei Filmen nicht anders. Ich warte immer noch auf "Twin Peaks - The Next Generation"!)
Das hat eben etwas damit zu tun, dass meines Erachtens das teuflische am Leben ist, dass es erst mit dem Tod endet und nicht mit dem (Happy -) End, was sich der Autor ausdenkt!

Warum Du jetzt gerade den Epilog II als wahr ansehen möchtest, versteh´ich nicht ganz.
Vielleicht sollten wir mal anfangen, Yao, soweit es überhaupt geht, zu charakterisieren.
Mir bleibt er fremd.
Er ist überhektisch und somit nicht gerade jemand, mit dem ich gerne Zeit verbringen würde, das mag an meinem stoischen Charakter liegen und an meinem Job, wo man gut daran tut, alle Hekticker auf ein normales Maß herunterzuholen. K.A.
Typen, die auf einmal losrennen, um alles kurz und klein zu schlagen, habe ich oft genug auf der Arbeit. Sind zwar schon die sympathischeren Bewohner, aber auch die arbeitsintensiveren. (Und auch leider diejenigen, die häufig schnell gedopt werden, sprich: Mit Psychopharmaka ruhig gestellten, und das macht ein Yao ja wohl schon freiwillig bei sich, was ich auch nicht für ganz lebensecht halte.)

So, und jetzt nochmal zur Gesellschaftsform der Bewahrer:
Wo siehst Du denn da die Unterschiede zu der heutigen Zeit noch?
Wir haben eigentlich ein Bildungssystem bis vor kurzem gehabt, wo alles mehr oder minder integriert wurde und wo nur angepasste Spießer auf kurz oder lang rauskamen.
Das klappt seit einiger Zeit nicht mehr hier in der BRD. Ich weiss natürlich nicht, wie das in Österreich ist, aber hier wehren sich zumindest die Blagen aus den unteren Schichten, weiterhin die Klasse zu spielen, die von vornerein nur für die niederen Arbeiten vorgesehen ist. Die sind zwar zumeist saudumm, und machen das auch nicht aus revolutionärem Eifer, sondern aus reiner Lust und scheitern infolgedessen sofort, wenn es um irgendetwas geht, dass man solidarisch angehen müsste, aber sie wehren sich zumindest noch dagegen, gleich für den Rest ihres Leben in die Tonne "Hartz IVler" gesteckt zu werden.
Ansonsten klappt das gleiche System mit der Mittelschicht doch wunderbar. Man hat den kleinen Aufsteigern schon zu sozialliberalen Zeiten hier Tür und Tor geöffnet, so dass sich die mittelständigen Eltern freuen konnten, dass auch ihre Blagen bald Abitur machen könnten. Macht heute zwar jeder und heißt nix mehr. Die Kollegen mit Abi, die ich schon hatte, wissen auch nicht mehr, wo ein Komma hingehört, aber sie haben eben Abi.
Das stellt ruhig. Ansprüche sind da nicht zu erwarten.
Und wenn es doch mal zu kleinen Revolutionären kommen sollte, dann werden die einfach integriert, indem man sie korrumpiert.
Das habe ich ja selber wunderbar gesehen, während meiner politischen Karriere, wo auf einmal die fetten Revoluzzer zu Ministern auftstiegen, sich an der sog. Macht beteiligen konnte, diese zwar dafür an das Kapital abgeben mussten, aber dafür wenigsten Dienstwagen und Geld bekamen. Und das Recht, ihr Umfeld mit den immer knapper werdenden Jobs versorgen zu können.
Das ist der Deal heutzutage.
Wo ist der so unterschiedlich von der Bewahrergesellschaft?
Aus den unteren Schichten wird nix mehr kommen, die einigen sich von deutscher Seite mal irgendwann darauf, alles, was fremdländisch wirkt, zu hassen und zu lynchen und von islamischer Seite auf das Gegenteil und somit sind die erstmal befriedigt.
Die paar, die denken, werden korrumpiert, damit die nicht mehr möppern.
Und nur die paar, wie wir, die eben nicht mal Lust darauf haben, sich durch so´n materialistischen Scheiß korrumpieren zu lassen, bleiben außen vor. Das sind aber nun wirklich extrem weniger. Und ein wirklicher Bewahrer hätte es auch nie nötig, sich mit so völlig unwichtigen Personen wie Nikita und Yao auseinander zu setzen. Das ist was für die korrumpierten Brückenköpfe, die als Polizeibeamte o.ä. ihren Kopf fürs Kapital hinhalten müssen und dabei glücklich sind.

Insofern, @Maria, müsstest Du doch eigentlich das System der heutigen Gesellschaft lieben, oder?


Ina - 2.10.2006 um 10:11

Natürlich liebe ich unsere Gesellschaft :D
Das wird in dem Buch ja auch so dargestellt, dass die Ideologie der Bewahrer am Gewinnen ist und solche wie wir immer weniger werden.
Und der Unterschied: Es ist heute schon schwer genug, sich auszuklinken, dabei bleiben genug auf der Srecke, bzw. versuchen es erst gar nicht und krepieren dann sowieso. Aber es ist noch möglich. Und vor allem: die Kontrolle über die Menschen ist noch nicht so weit gereift, dass sich praktisch keine Freaks mehr entwickeln können. Es kommt noch oft genug beim Genpoker irgendwas raus, das psychisch anders funktioniert als der Rest und bei dem unmaßgeschneiderte Erziehung dann zu allem Möglichen führen kann. Bzw. es passiert auch sonst noch viel Hässliches, das die Menschen - falls sie davonkommen - verdammt stark und verdammt anders machen kann. Und es gibt noch genug Scheiße, die zu leicht zu sehen ist.

Das Witzige an unserer Gesellschaft ist, dass wir trotz allem noch zu nah dran sind. Wir können deshalb alles mögliche in ihr sehen: Einerseits eine tolle pluralistische Welt, in der man viel mehr darf als früher, andererseits ein von den Massenmedien so verblödetes und gleichgeschaltetes Volk, dass ein paar "Aufklärer" gar nicht wahrgenommen werden.
Man kann in ihr die größtmögliche Verwirklichung der Chancengleichheit sehen, wo es auch ein Arbeiterkind zu 4000€/Monat bringen kann, oder ein zähes, überbürokratisches Gebilde mit so idiotischen Regeln, dass da alles abgewürgt wird, was nicht von kleinauf auf das Leben darin gedrillt und rechtzeitig zurechgestutzt worden ist.
Man kann sie als die Beste aller möglichen Welten empfinden, nur noch leicht beeinträchtigt durch so unausrottbare allzumenschliche Mängel wie übertriebener Ehrgeiz etc, aber im Wesentlichen frei und human - oder eine grausame Maschinerie in der es nur der Gierigste und Rücksichtsloseste zu was bringt und der Rest unter den Rädern bzw. in der Sklaverei landet.
Man kann sagen, dass die Kinder verhätschelt und kontrolliert werden wie noch nie - oder dass man sie verhungern lässt, ohne dass der Nachbar was mitkriegt, sie entführt und systematisch an Kinderschänder verhökert. Und falls doch eins das Jugendalter erreicht, wird es durch gewalttätige Filme und Videospiele so negativ beeinflusst, dass es im nächstbesten Drogensumpf versinkt, der sich vor ihm auftut. Sollte es den sogar überleben, ist es später zu blöd für ne Ausbildung, während die Betriebe doch händeringend nach Jugendlichen suchen, die intellektuell und moralisch ausreichend qualifiziert sind...

Es kommt darauf an, wie man das sieht, dementsprechend lokalisiert man die Misstände, die auszurotten sind. Manche würden die ganze Maschinerie am liebsten in die Luft fliegen sehen, aber für die meisten ist immer noch zu viel Sand im Getriebe, der beseitigt gehört.

Zurück zur Geschihte: was Yao angeht, verstehst du jetzt irgendwas falsch. Ich hätte keinen Bock, den zu heiraten oder so. Ich würde auch kein Engelskind heiraten :D
Darum gehts hier nicht, ich bin in der Beobachterrolle.
Und selbst wenn nicht - zusammen in die Luft starren, während jeder in seiner eigenen Welt lebt, eventuell mal ein Stück davon sehen im anderen. Mehr ist eh nicht drin, wäre wohl auch längerfristig gar nicht zu ertragen

Aber starten wir doch ne kleine Sammlung "Traumtheorien zur Gegenwelt":

a) Alles vor Epilog 1 ist ein wirrer Traum von Nikita. Epilog zwei träumt er die Nacht darauf. Ist zwar ein bisschen komisch, weil er sich in eine Person hineinträumt, von der er die Nacht zuvor geträumt hat, sich letztlich sogar mit ihren Stimmen und Problemen konfrontiert sieht, während er sich selber in einer anderen Dimension als dummer Lemming sieht, wobei er nichtmal weiß, ob er das echt ist - aber im Traum geht ja alles.

b) Alles außer Epilog 2 ist ein wirrer Traum von Dragon-Yao, dem aufgrund ausschweifenden Drogen- und Geschichtsbücherkonsums irregewordenen Sohn des Yakuza-Bosses im Jahre 2135 - die ganze Geschichte ist sein schizophrenes Gespinst. In seinem Wahn meint er, aus dem Jahr 1993 gekommen zu sein, baut irgendwelche Gegenwelten auf und fliegt durch die Welt um jeden zu belästigen, der irgendwie Ähnlichkeit mit seinen Wahngestalten aufweist. Er wird natürlich regelmäßig enttäuscht, aber er hat ja seine Stimmen. - Das wäre sogar wirklich logisch.

c) Ha, ich hab noch was. Real ist Kapitel 1, 2, und der Anfang von 3. Die Wirklichkeit geht weiter am Ende von Kapitel 42. Alles dazwischen hat Nikita im Moment des Todes phantasiert. Epilog 1 spielt in einer anderen Dimension, in der er seltsamerweise die Erinnerung an ein "früheres" Leben im Traum auf seiner "Festplatte" ausgegraben hat - nur seltsam, dass er da die Erinnerung an einen Traum mit seinem "realen" früheren Leben nahtlos verbindet. Aber vielleicht ist diese Moment-des-Todes-Kapitel 3-42 -Phantasie ja auch kein Traum, sondern eine Erinnerung an ein Leben in noch einer anderen Dimension gewesen, die er im Augenblick des Todes in sich entdeckt und an sein Leben angestückelt hat. Ja, ich hab zwar das Gefühl, dass niemand versteht, was ich meine, aber das klingt auch ziemlich logisch und niemand muss doppelt sein oder einen "Dimensionstransfer" überleben. Bloß was machen wir in dieser Version mit Epilog 2? Na gut, der Yao da könnte auch so eine Erinnerung im Traum ausgegraben haben - ja, "in Wirklichkeit" sind sie beide krepiert, als die Maschine anging, alle sind krepiert bis auf die Engelskinder und noch ein paar. Aber die Ereignisse wurden abgespeichert auf Yaos und Nikitas "Festplatten", irgendwie - tja, scheiße, um den Seelenkram kommt man net drumrum - und wurden in ganz anderen Realitäten plötzlich zufällig wieder präsent. Nun sucht jeder nach dem anderen. Nikita hat dabei das Glück, das die dortige Yao-Version in der Nähe ist, Yao hat dieses Glück nicht und muss sich an die Stimmen halten.
Ja, würde Sinn machen. Aber wenn du verstanden hast, was ich meine, bist du gut.

To be continued... ;)


... - 3.10.2006 um 02:58

Der Reihe nach!

Also, ich denke schon, dass unsere Gesellschaft zumindest auf so einen Zustand, wie Du ihn meinst, von den Bewahrern propagiert bekommen zu haben, zusteuert.
Es kann sich zur Zeit in zwei Richtungen entwickeln.
Entweder werden wirklich die meisten Menschen verelenden in dieser Welt, oder es wird wieder ein neues Korruptionsmodell gesucht, wo die Verelendeten doch noch besänftigt werden.
Das halte ich durchaus für möglich. Bei der nächsten Wahl wird es nur noch knapp für eine SPDCDUCSU - Koalition reichen und anschließend werden eventuell wieder irgendwelche Methoden aufgegriffen, die dafür sorgen, dass es nicht zu einem Besitzstandswechsel kommt. Dann kommt eben das Grundeinkommen auf höheren Niveau wie jetzt Hartz IV, die PDS oder in Austria die KPÖ helfen brav dabei, dass alle wieder glücklich und zufrieden sind. Die Besitzverhältnisse ändern sich trotzdem nicht, aber die letzten paar, die noch was anderes im Kopp haben, als sich einer nur dem Wohlstand preisenden Welt hinzugeben wie wir, werden noch weniger.
Oder die nächste Generation findet das, was es jetzt gibt, alles supertoll und da wir wohl kaum Kinder bekommen werden (und selbst wenn, hätten die keine Lust, so rebellisch zu werden wie ihre blöden Eltern), wird es nur noch die Zufriedenen geben.
Kritik wird nicht mehr laut an den Prämissen einer solchen Gesellschaft, sondern nur noch an der Beteiligung am Wohlstand.
Für die meisten, die noch andere Werte mal im Kopf haben als materialistisches Denken, sind ja schon die Nischen in z.B. Esoterik, Tierrechten und Religion geschaffen, wobei Religion ja auch sowieso wieder in Esoterik fällt. Da darf man auch mal spirituell denken, aber nichts mehr grundsätzlich in Frage stellen.
Fehlt eben nur noch de absolute Erforschung unseres Gengutes, um auch die letzten Abweichler kaltzustellen.

Wir sind eben noch an einer Übergangsphase, aber ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir schon zu den letzten unserer Art gehören, die noch reflektieren, was mit ihnen geschieht. Das wird irgendwann aber auch so besiegt sein.
Die Bewahrer haben schon lange gewonnen, meine ich.


So, jetzt zu den Traumtheorien:
Ja, ich verstehe das fast, was Du meinst. Stimmt, den Absatz mit dem wiederauftauchen der Eisenbahnszene hatte ich ganz vergessen. Das wäre natürlich auch möglich.
Das wäre aber auch wieder ein sehr nihilistisches Ende.

Also, korrekt ist, das weiss ich ja glücklicherweise selber, dass es absolut kein Zeitempfinden gibt, wenn man mal klinisch tot ist. Korrekt ist auch, dass man an denjenigen denkt, der einem am meisten bedeutet. Warum das der echte Yao aber sein sollte im Moment des Todes von Nikita, würde mir nicht unbedingt einfallen.
Allerdings habe ich auch eben eine Szene beim Nachlesen des Abschnittes entdeckt, der wieder auf die Theorie abfahren könnte, dass es zumindest sauviele Universen gibt, denn es taucht auch kurz ein Universum auf, wo wohl die Erde zwei Trabanten hat. Die sehen zwei Monde zeitweilig.

So, wo ich Probleme habe, Dir zu folgen, ist bei der Gleichsetzung Festplatte = Seele.
Das kann daran liegen, dass ich eben nur an eine Seele glaube, die entsteht durch einige biochemische Reaktionen im Gehirn und statt Seele maximal den Begriff "Bewußtsein" gelten lassen würde. Übertragen heißt das aber auch, dass auch unsere "Seele" nur Software ist.
Denn (Achtung, nun kommt der Pädagoge):
Das Bewußtsein eines Menschen entwickelt sich erst in den erste Lebensjahren, oder hast Du Erinnerungen an die Zeit, wo Du geboren wurdest?
Die hat man nicht, weil man sich noch nicht als einzelner Mensch auffasst. Das bemerkt man erst später, dass man ein "Ich" hat. Das geht los mit der ersten Trotzphase, wo sich ein Bewußtsein entwickelt, wo das Kind begreift, dass seine Welt nicht die der Bezugspersonen ist, und die Trotzphase ist dann eben die Phase, wo das Kind mitbekommt, dass auch sein Wille nicht identisch ist mit dem Willen seiner Umwelt.

Kann jetzt sein, dass ich, der sich ja mit so´m Kram wie Entwicklungspsychologie den ganzen Tag beruflich auseinandersetzen muss, ein sehr dogmatisches Bild entwickelt habe, dass Dir eventuell jegliche Hoffnung raubt, ein einmaliges Stück des Universums zu sein, aber da bin ich auch genauso stur wie Du bei den bijektiv abbildbaren Mengen.

Oder Du müsstest noch mal erläutern, was Du mit der Festplatte meinst!


Ina - 3.10.2006 um 10:33

Du, ich glaube strenggenommen weder an "Seelen" im metaphysischen Sinn, noch an diese "Festplatten" aus der Geschichte, wo Spuren unserer "früheren" Leben irgendwie drauf sind. Und dass ich zumindest nach meiner Erfahrung ein ziemlich einmaliges Stück zu sein scheine, kotzt mich gelegentlich arg an.
Ich hab nur versucht, die Geschichte innerhalb ihrer eigenen Voraussetzungen zu interpretieren, du hast wohl den Einschub "tja, scheiße, um den Seelenkram kommt man net drumrum" überlesen ;)
Und die Theorie mit den Träumen widerspricht ja nicht der mit den "sauvielen Relitäten", im Gegenteil. Sie widerspricht auch nicht der Sache mit der Dimensions-Maschine bzw. Waffe - nur sind sie dummerweise in der kosmologischen Anomalie, die sie verursacht hat, beide krepiert und nirgendwo hingekommen, wo sie nun doppelt sein müssten.
Nikita und Yao träumen in den "Epilogwelten" halt von was, das ihnen "woanders" passiert ist. Braucht halt diese "Festplatte" dafür.
Wenn nämlich nur Nikita "ganz aus dem Nichts" von diesen Dingen träumt und Yao nie was anderes ist als sein behinderter Mitbewohner, habe ich keine runde Erklärung für Epilog 2 (es sei denn, Epi 2 wäre das "einzig Wahre"). Und diese hochromantische Sache mit diesen beiden, die "über alle Realitäten" nacheinander suchen, wäre deutlich abgeschwächt.

Trotzdem - um zurück zur "Seele" zu kommen" - denke ich, dass es zumindest manchmal an den Menschen etwas gibt, das "Hardware" ist und durch Erziehung kaum verändert werden kann, irgendeine (genetisch oder durch ganz frühe Einwirkungen) festgelegte, ganz individuelle Chemie und Verdrahtung im Kopf.

Ja, und manchmal glaube ich auch an Magie und dass unseren dummen, metaphysischen Metaphern etwas entsprechen könnte, das weder streng "wahr" noch total unwahr ist und das trotzdem "da" ist - obwohl dieser starre Begriff hier nicht angebracht ist.
Weißte, ich darf das, denn ich fühle mich nicht genötigt, vernünftig zu sein. Warum auch? Weil Gott die Wahrheit ist?? *lol*
(Um so zu "glauben", ist die Voraussetzung natürlich, dass man "im Grunde" an gar nichts glaubt - aber das ignorieren wir jetzt mal einfach - warum auch nicht :D )
Na egal.

Und was die Bewahrer angeht, sind wir uns ja doch weitgehend einig. Dass wir hier rumlabern zeigt, dass wir diese Gesellschaft noch nicht haben, aber die Entwicklung dorthin ist bestens möglich - wenn nicht doch vorher alles zusammenbricht.


... - 4.10.2006 um 03:55

Also, eigentlich bin ich @Dian ja auch dankbar, dass er die Sache so geschrieben hat, dass wir jetzt schon seitenlang darüber rumsülzen können, wie was eigentlich möglich ist, gemeint war und welche Interpretationsmöglichkeiten es eigentlich gibt.
Früher waren mir nämlich gerade Unity I und II viel zu leicht durchschaubar und realistisch gemacht.
Jetzt sitzt man wirklich lange dran und überlegt, was es bedeuten könnte.

Aber wir können ja mal versuchen, dass ganze aus der Sicht von @Dian zu betrachten, vielleicht werden wir dann fündig.

Eine Sache an Unity III ist wieder typisch @Dian, alle Hauptpersonen und auch alle maßgeblich handelnden sind männlich. Zwar erlaubt er uns jetzt mal ausnahmsweise auch Mitglieder der alten Gegenwelt und der Engelskinder, die weiblich sind, aber die lässt er dann doch wieder recht blass erscheinen. Die Geschichte der Frau bei den letzten Engelskindern hätte mich auch mal interessiert und ich meine auch, dass er wenigstens D´Artagnan, der ja eigentlich nur eine Nebenrolle spielt, wenigstens mal weiblich hätte sein lassen können.
Aber das hatte @Dian mir schon bei den vorigen Büchern erzählt, dass Frauen da irgendwie deplatziert wirken in seinen Welten. ´N weiblicher Yao oder ´n weiblicher Nikita würde auch sofort die Geschichte mit all zu romantischem Liebesgesülze imo überlasten.
Da ist mir die kleine Andeutung, dass da was ähnliches war zwischen Markus und Benja schon lieber. Ist auch unkonventioneller und entspricht auch mehr meinem sexuellen Geschmack!:D

Irgendwie werde ich aber auch den Eindruck nicht los, dass @Dian mit dem Yao sich selber so´n Liebespart geschaffen hat, wie damals Karl May es mit seinem Winnetou gemacht hat. Ich kann mir zwar relativ wenig von den Äußerlichkeiten von Yao vorstellen, aber das ist auch ganz gut, weil man dann eben seiner Phantasie freien Lauf lassen kann und den sich so malen kann, wie man will.
Nur leider stehe ich nunmal überhaupt nicht auf Asiaten! (Die Winzigkeit asiatischer Schwänze wird nur noch von Indern übertroffen!) Und mir einen behinderten Asiaten mit langen Haaren und edlen Klamotten vorzustellen, ist wirklich wohl zuviel für mich.
Aber ich vermute mal stark, den hat er sich aus seinen Chinafilmen irgendwie zusammengestellt.
Auch ´ne Leidenschaft, der ich nie ganz folgen konnte.

Aber ich denke schon, dass er uns den Yao auch als sympathisch verkaufen wollte, auch wenn es eben zumindest bei mir nur in Teilansätzen gelingt, dafür habe ich eben leider zur Genüge solche Haudegen kennengelernt und bin von deren doch zumeist wesentlich geringerem Selbstvertrauen, als es auf den ersten Eindruck scheint, enttäuscht worden.
Und irgendwie deutet das @Dian ja auch selber an durch die Drogenabhängigkeit, die Yao besitzt, dass dieser Mensch eben doch alles andere als perfekt ist.

Aber was mir ganz unklar bleibt, ist eigentlich, warum Yao dann noch in der zweiten Welt nach Nikita sucht.
Letztendlich ist er ja auch nicht besonders gut mit ihm umgegangen, als er noch in der ersten Realität war. Wenn Du mal neben so einem Spinner im Auto gesessen hast, der meint, er könne Autofahren und Dich mit hundert Kilometern und quietschenden Reifen durch die Stadt fährt, dann weisst Du eigentlich auch nur, der Typ ist von so geringem Selbstwertgefühl umgeben, dass es ggf. ein leichtes wird, den für welche Zwecke auch immer für Dich einzunehmen.
Okay, das kann ein Nikita noch nicht erkennen, weil ihm dazu die Erfahrung wohl auch fehlt mit Menschen, aber trotzdem hätte ihn das zum Nachdenken anregen müssen.

Mag sein, dass es an meinem Alter liegt, aber mir sagte auch schon Unity II am ehesten Janosch zu. Janosch ist irgendwie eigentlich ein logisch handelnder Mensch, der seine Aufgabe erfüllt und dies auch vollkommen konsequent tut.
Ich wüsste eigentlich wenige Punkte, wo ich anders als Janosch handeln würde (ich meine jetzt den echten, nicht das schizophrene Hirngespinst von Markus).

Aber Du hattest ja schon geschrieben, dass Dich die Engelskinder (welche eigentlich? Die alten oder die neuen) faszinieren.
Die alten empfinde ich als extrem führungsbedürftig btw dargestellt. Die sind in allem auf Janosch angewiesen. Die neuen bleiben ja relativ unklar in allem

Ach, im übrigen:
Dass Gott die Wahrheit sein soll, ist eine der Thesen, die die Leute aufstellen, die Feuerbach widerlegen wollen. Das erinnert mich dann wieder an @Jacks Theorie, .


Ina - 4.10.2006 um 11:00

Eigentlich gehts ja eher drum, ob die Wahrheit Gott ist.

Deine Spekulationen erscheinen mir aber jetzt ehrlichgesagt weitgehend sinnlos. Wenn du wissen willst, wie Dian was gemeint hat, dann frag ihn doch einfach.

Klar wird er sich keine Hauptpersonen zusammenbasteln, die er nicht leiden kann. Aber ich glaube nicht, dass die Größe von Yaos Schwanz da das ausschlaggebende Kriterium ist.
Und Yao wird an Nikita schon irgendwie vorher nen Narren gefressen haben, drum ist er ja am Vorabend der Apokalypse zu ihm gekommen. Nikita war halt vermutlich damals im Krankenhaus das einzige menschliche Wesen in seiner Umgebung.

Ist ja auch so ne Theorie von mir, dass Künstler u.a. auch deshalb erst nach ihrem Tod berümt werden, weil sie sich dann nimmer gegen irgendwelche kruden, tiefenpsychologischen Deutungen ihrer Persönlichkeit und Interpreten, die ihnen zu Nahe treten, wehren können.

Aber wenn wir schon dabei sind, kann ich mir etwas von der Sorte auch nicht verkneifen: Eine Frau die Hauptperson sein lassen, das kann Dian wohl einfach nicht.
Er ist ja nicht der erste, der nicht weiß, "wie Frauen ticken", aber 100% heterosexuelle Männer mit starken Trieben müssen sich da halt doch noch bemühen, wenn sie mal zum Schuss kommen wollen. Doch wenn das wegfällt: warum sich den seltsamen Weiberplaneten antun?
(Wenn ich z.B. die "Vouge" oder die "Elle" durchblättere, kapier ich auch bloß noch Bahnhof, obwohl ich im Gegensatz zu einem beliebigen Mann eigentlich die genetischen und hormonellen Voraussetzungen habe, um das Zeug zu verstehen.)

Und Unity 2 war irgendwie nie so mein Fall. Ist ziemlich linear, plakativ, wenig fragwürdig. Ich glaube, damals ging es Dian einfach zu gut :D . Auch Janosch ist da so. Gut, er hört französische Chansons, wenn ich mich recht erinnere, aber das war es auch schon mit seiner Ambivalenz.


... - 5.10.2006 um 03:10

Also, dass @Dian mit ´nem Schwanzvergleich in dem Roman anfängt, hatte ich auch nicht erwartet. Das sollte eher meine materialistische Einstellung bei solchen Sachen noch einmal untermauern!:D

Und ansonsten ist es doch auch langweilig, wenn man einfach den Autor fragen kann, was er sich dabei gedacht hat.
Kennst Du das wunderbare Dönneken von Gerhart Hauptmann, der gefragt wurde, was er mit dem Stück "Und Pippa tanzt" eigentlich aussagen wollte?
Er hat darauf ziemlich sauer geantwortet:
"Wenn ich das wissen würde, dann hätte ich das Stück nicht geschrieben!!!"

Mehr sollten Autoren oder Regisseure oder sonstwie Künstler sowieso nie zu ihren Werken sagen, denn ist doch auch so:
Wenn @Dian ´ne andere Möglichkeit gehabt hätte, die Eindrücke zu verarbeiten, die er aus welchen Gründen auch immer gehabt hat in letzter Zeit, dann hätte er das Buch auch nicht geschrieben.

Tja, und ich vermisse logischerweise Frauen darin auch weniger. Fällt mir auch gerade auf, dass die einzigen Bücher in denen Frauen auch ein bedeutenderer Teil zugemessen wird, zumeist Bücher sind, wo man die Frau auch ohne Schwierigkeiten durch ´nen Mann ersetzen könnte.
Kannst Du Dir ´ne Yaomine vorstellen, die sich dermaßen machomässig benehmen würde?
Oder ´ne Nikitine, die sich so ohne großes Aufsehen vor ´nen Zug schmeißen würde, ohne die ganze Welt vorher darüber zu informieren, dass die ganze Welt doch so schlecht und böse ist? (und sich nicht wenigstens eine halbe Stunde noch vorher Gedanken machen würde, was sie beim Selbstmord anziehen soll?)

Naja, sorry, Du bist ja wohl ´ne Frau, wenn Du uns bislang nicht alle verarscht hast!

Die Gedankenwelten liegen aber wirklich immer sehr weit auseinander. Fällt mir jetzt auch wieder im Team auf. Da sind wir zwei Männer und zwei Frauen und wir Männer machen das alles über die rationale Ebene und zumindest eine Frau kommt immer mit irgendwelchen emotionalen Punkten an, die wir Männer kaum nachvollziehen können.
Du machst da für eine Frau schon einen erfrischend logisch denkenden Eindruck!

Naja, back to topic!
Obwohl ich gerade überlege, ob wir überhaupt etwas noch nicht angesprochen haben!
Mir fällt wenig ein, ich könnte mich nur wiederholen.

Jetzt wird es aber mal wirklich Zeit, dass unsere anderen "Unityisten" mal nachkommen und ein paar neue krude Gedankengänge einbringen, oder fällt Dir jetzt gerade noch was ein, was man mal noch genauer untersuchen könnte?


Ina - 5.10.2006 um 09:11

Zitat
Und ansonsten ist es doch auch langweilig, wenn man einfach den Autor fragen kann, was er sich dabei gedacht hat.


Ja, du hast halt mit dem Zeug ("aus Dians Sicht betrachten") angefangen.

Zitat
Er hat darauf ziemlich sauer geantwortet:
"Wenn ich das wissen würde, dann hätte ich das Stück nicht geschrieben!!!"


Na also ich bin von Autoren, die der Öffentlichkeit ihren unausgegorenen Schmarrn hinknallen, nicht wirklich begeistert. Es kann ja beliebig undurchsichtig sein oder ein Traum wie ein Lynch-Film, aber ich bin der Meinung, wenn man ein Buch schreibt und der Welt präsentiert, sollte man schon wissen, warum man das tut. Sonst soll man sein Zeug doch bitte für sich behalten und bestenfalls seinem Therapeuten zeigen.



Zitat
Kannst Du Dir ´ne Yaomine vorstellen, die sich dermaßen machomässig benehmen würde?
Oder ´ne Nikitine, die sich so ohne großes Aufsehen vor ´nen Zug schmeißen würde, ohne die ganze Welt vorher darüber zu informieren, dass die ganze Welt doch so schlecht und böse ist?


Also direkt vor dem Selbstmord die Welt über ihre Beschissenheit zu informieren ist ausgesprochen dämlich. Da kann man sich gleich selber in die Klapse einliefern. Das tut niemand, der sich ernsthaft umbringen will, egal ob männlich oder weiblich.
Und dieser Abschiedsbrief, den der da verzapft, der könnte durchaus von ner Frau sein, insofern, diese Nikitine klappt.
Yaominhe, nee, aber das machomäßige Gehabe ist ja wohl echt nicht das Beste an ihm.


Zitat
Du bist ja wohl ´ne Frau, wenn Du uns bislang nicht alle verarscht hast!


Tja, das kannst du jetzt natürlich nicht wissen :D

Und dieses Gesabbere von Logik...mein Gott. Also wenn die jemand übermäßig verherrlicht, ist es ja für mich meist ein Zeichen, dass sie ihm irgendwie abgeht.
Oder dass er vielleicht echt nicht merkt, wie beschränkt die ist.
Logik ist ja ganz nett, aber ziemlich eindimensionals. Es braucht schon künstliche Konstrukte wie die Mathematik, wenn daraus echt was Interessanteres werden soll.


Zitat
Du machst da für eine Frau schon einen erfrischend logisch denkenden Eindruck!


Ich kann dir schon sagen, woran das liegt. Den Männern fallen bloß die Tussen auf, denn nur die machen diesen schwachsinnigen Aufwand mit ihrer Schönheit. Kein halbwegs logisch denkendes Wesen verbringt Stunden im Bad, wenn es nicht vorher in ne Jachegrube gefallen ist oder sowas.
Klar wollen Männer intelligente Frauen, behaupten sie immer. Aber intelligenter sein als er, das darf sie keineswegs. Sie muss nur gerade klug genug sein, um SEINE überragende Intelligenz angemessen bewundern zu können. Naja, und da es mit der männlichen Intelligenz meist viel weniger weit her ist, als sie selber meinen, ist ganz klar, dass die dümmsten Weibchen die besten Chancen haben.
Ihr züchtet das weibliche Geschlecht seit Jahrtausenden auf Blödheit und beschwert euch dann drüber. Aber dann noch was von logischem Denken labern, oh *lol*.

Tja, wir versteigen uns in sexistische Diskussionen, dieser Arne&Maria-Chat braucht jetzt echt ein bisschen Frischblut.


MAUS - 5.10.2006 um 10:38

Zitat
Original von Maria
Zitat
Du machst da für eine Frau schon einen erfrischend logisch denkenden Eindruck!

Ich kann dir schon sagen, woran das liegt. Den Männern fallen bloß die Tussen auf, denn nur die machen diesen schwachsinnigen Aufwand mit ihrer Schönheit. Kein halbwegs logisch denkendes Wesen verbringt Stunden im Bad, wenn es nicht vorher in ne Jachegrube gefallen ist oder sowas.
Klar wollen Männer intelligente Frauen, behaupten sie immer. Aber intelligenter sein als er, das darf sie keineswegs. Sie muss nur gerade klug genug sein, um SEINE überragende Intelligenz angemessen bewundern zu können. Naja, und da es mit der männlichen Intelligenz meist viel weniger weit her ist, als sie selber meinen, ist ganz klar, dass die dümmsten Weibchen die besten Chancen haben.
Ihr züchtet das weibliche Geschlecht seit Jahrtausenden auf Blödheit und beschwert euch dann drüber. Aber dann noch was von logischem Denken labern, oh *lol*.

Großartig lol lol lol, besser hätte ich das nun auch nicht auf den Punkt bringen können!


Was meine Beteiligung an der Diskussion angeht... echt, ich hab jetzt mehrmals angesetzt, aber irgendwie komm ich mir dabei wie ein Leichenfledderer vor, bin einfach noch zu tief im Buch.


... - 6.10.2006 um 03:26

Das mit dem unausgegorenen Scheiß stimmt sogar auffallend bei Hauptmann, zumindest bei seinen Spätwerken. Da ist der aber in der Epoche nicht der einzige. Mir fällt noch zu der Zeit vor allen Dingen noch Hesse ein. Den kann ich ja gar nicht ab.
Fand´ich im übrigen sehr schön jetzt an dem Buch, dass @Dian jetzt vollständig, auch in der Darstellung von romantischer Freundschaft von dem schwulen Hessestil ganz weg ist. Da war in dem Buch nix mehr von zu finden.
("Schwul" ist hier als herabwertend gemeint!:68: Hat nix mit Sexualität zu tun!)

Tja, was ist denn an Yao denn okay für Dich?
Da bin ich immer noch nicht hinter gestiegen, @Maria!


Naja, Frauen und Logik:
Kann mir als schwuler Mann (jetzt im Sinne von Sexualität gemeint!!!) an sich bis auf meine Bi- Elemente ziemlich wurscht sein, allerdings hab´ich in der Penne immer dann versagt, wenn ich eine Frau in Mathe oder Naturwissenschaften als Lehrerin bekam.
Ich denke, dass hat was bei mir damit zu tun, weil ich das von zu Hause aus damals so gewohnt war, weil meine Mutter und Logik - zwei Welten begegneten sich.
Und die Mädels, die bei uns im Mathe-LK waren, die konnte man wirklich knicken.
Die waren alleine schon ´´n Grund schwul zu werden!
Ich weiß nicht, ob das heute anders ist, aber die Individualität und die Selbstbestimmtheit der Mädels, die gut Mathe oder NW konnten, ging zumindest damals noch in den siebziger, Anfang achtzigern gegen 0.
Sorry, ich hoffe, dass das heute anders ist.
(Und wenn Du doch weiblich bist, @Maria, gibt es zumindest eine Ausnahme!)
Und bei mir ist das zumindest so, dass das einer der Gründe war, warum ich zu Frauen nie so ganz den Draht fand. Entweder sind sie unlogisch oder langweilig gewesen!
Wobei Logik auch kein Argument für mich für ´ne Beziehung wäre, aber so ein bisschen möchte ich mich schon in einer Beziehung verstanden wissen. Und da gibt es wohl kaum Frauen, denen ich das damals zugetraut hätte.

Aber da könnt Ihr Frauen eh nix für. Bei geistig behinderten Bewohnerinnen ist mr immer aufgefallen, wie herzerfrischend anders die sind, weil die gar nicht wissen, dass sie weiblich sind und sich infolgedessen wohl einen feuchten Kehricht um ihre Rollenerwartung innerhalb dieser Gesellschaft kümmern.
Die sind nicht anders als geistig behinderte Männer und hauen Dich auch einfach unangespitzt in den Fußboden, wenn ihnen danach ist.
Das mag ich!

So, genug Chauvinismus verbreitet.

Ja, @MAUS, dann nimm´doch wenigstens mal zu dem Streitpunkt Yao Stellung, wie der auf Dich gewirkt hat. Und ob Du eine Idee hast, was Realität hier ist, was Realität woanders ist und was ein Traum ist!
Oder erzähl´was zum Mann - Frau - Logik -Schwul werden - Problem!


Ina - 6.10.2006 um 15:15

Nur um was klarzustellen, ich hab nie behauptet, die Gegenwelt sei "unausgegorener Scheiß" oder diese ganze Diskussion hier wäre überflüssig, weil man zu allem Dian fragen sollte - nö, das wäre ja langweilig, es ging nur plötzlich damit los, dass du mit "aus Dians Sicht betrachten" angefangen hast und das kam mir ziemlich aberwitzig vor, weil das so klingt, als wäre er seit 200 Jahren tot.
Geht ja hier um unsere Sicht.

Ich bin tatsächlich weiblich, aber dein Chavinismus geht mir trotzdem weitgehend am Arsch vorbei - sorry an alle Mitleserinnen da draußen, die finden, dass ich mich da nicht genügend solidarisiere.
Was mich aber trotzdem befremdet, ist, wenn man nur aufgrund eines doofen Chromosoms, das man jetzt halt doppelt hat, in irgendne Schublade gesteckt wird - und das von Wesen, die sich für aufgeklärt halten und meinen, sie würden selbstständig denken.
So in der Art: es gibt Menschen (=Männer), die können alles mögliche sein - und dann gibt es noch Frauen.

Was Yao angeht, naja, hauptsächlich konnte ich seine zynischen Sprüche ganz gut leiden.

Und @Maus, sieht ja so aus, als könnte das ganz interessant werden, was du dann zu sagen hast.


... - 7.10.2006 um 01:28

Nä, das mit dem unausgegorenen Scheiß bezog sich doch auf Gerhart Hauptmann, nicht auf @Dians Werke, wie kommst Du denn jetzt darauf???

Zum Chauvinismus:
Ich rede ja nur von den Schulerlebnissen, die ich als kleiner Junge (so also mit 6 oder 20 hatte), und da war es eben so, dass ich in den Leistungen schlechter wurde, wenn ich in NW oder Mathe ´ne LehrerIN hatte.
Dass das reichlich blöd von mir ist, weiss ich auch. Ist aber damals eine entwicklungspsychologische Macke gewesen, die ich aus meinem Elternhaus habe.

Und das ich bei Männern weniger wählerisch bin als wie bei Frauen, hat wohl auch eher was mit meinen sexuellen Vorlieben zu tun als mit einer grundlegenden Abneigung gegen Frauen.
Um ehrlich zu sein, genieße ich das sogar manchmal Frauen eben nicht nach sexuellen Vorzügen beurteilen zu müssen. Letztendlich hat es doch Vorteile, die Menschheit da anders einstufen zu können, als wie es die meisten Männern machen.

Allerdings gebe ich auch ganz ehrlich zu, dass ich bei Männern, die es intellektuell nicht so drauf haben, keine besondere Anstalten machen würde, mit denen in einer Beziehung zu enden. So wichtig ist Sex nun auch wieder nicht imo.

Ansonsten beurteile ich Frauen und Männer eigentlich gleichermaßen, zu 95 % haben beide mehr Watte als was anderes im Kopp.

War das denn bei Euch, oder ist das denn heute anders, was die Mädchen in Mathe - LKs anbelangt.?
Weil da waren diejenigen, die männlich waren ZUM TEIL besser drauf. Allerdings sage ich auch mal, außer drei Leuten in meinem Mathe - LK (darunter auch eine Frau im übrigen, die war da aber nicht so besonders gut drin), waren da die meisten voll daneben.
Wenn, dann geht es mir eher darum, zu sagen, dass die meisten Typen eh voll den Hammer haben, aber aus irgendwelchen Gründen sind mir diejenigen, die ich aus meinen NW - Kursen kennengelernt habe, oftmals besonders bräsig gewesen.
Kann ich auch nichts für.
Und entspricht ja auch ungefähr dem, was Du von Deinen Kommilitonen erzählt hast, oder?


Ina - 7.10.2006 um 15:37

Ich weiß nicht, was "bräsig" heißt, ich fand die einfach nur uninteressant. Ich war über 2 Jahre da und vermisse noch immer keinen von denen. Und denen gehts mit mir nicht anders.

Im Mathe-LK waren aber schon die Mädels die Besseren. Auch in den Physik-Prüfungen waren die besten Arbeiten überanteilig oft von Mädchen geschrieben (na gut, die angehenden Lehrerinnen waren dafür meist besonders schlecht). Ein Mädel sucht sich sowas i.d.R. halt nur aus, wenn sie's echt drauf hat - es sei denn, sie will bloß Lehrerin werden.
Allerdings muss ich zugeben, dass in der richtigen Überhochbegabtenklasse fast nur Männer vertreten sind. Es gibt da doch diesen Bundes-/Landeswettbewerb-Mathe-Kram in der Schule und da wird man irgendwann in ein Seminar eingeladen, wo dann echt die Freaks der Nation dabei sind. Die richtigen Genies, also diese Halbautisten, mit denen man unmöglich reden kann und wo man auch nix versteht (weder akkustisch noch inhaltlich), wenn sie was reden, die aber schier übermenschlich Mathe können, das waren fast ausschließlich Jungs. Da war einer, dem konnte man fast keine neuen Aufgaben stellen, der ratterte zu jeder Namen+Jahreszahl runter, also wann von wem dieses Problem das erste Mal gelöst wurde.
Sich so einseitig auf eine Sache versteifen und es da zu einer derartigen Perfektion bringen, scheint eher ne Männerangelegenheit zu sein.
Vielleicht liefert man solche Mädchen vorher in die Klapse ein :D

Zitat
Nä, das mit dem unausgegorenen Scheiß bezog sich doch auf Gerhart Hauptmann, nicht auf @Dians Werke, wie kommst Du denn jetzt darauf???


Das hatte jetzt mal zur Abwechslung nichts mit dir zu tun.
Ich fand nur, dass ich mich missverständlich ausgedrückt hatte.


... - 8.10.2006 um 05:15

Also, an der Fachkompetenz der weiblichen Absolventen meines Matheleistungskurses habe ich nie gezweifelt, nur waren das eben alles so verschrobene Damen, die man wirklich eventuell gerne mal was zu völlig unwesentlichen Gleichungen fragen wollte, aber niemals zu einer irgendwie gearteten Diskussion über Politik, Philosophie oder etwas anderem hören wollte.
Das waren so Fälle, die eben nicht mehr zu sterben brauchten, um nicht weiter zu leben. Da war irgendwie damals schon vorprogrammiert, dass das beste, was denen noch passieren kann, Ärztin oder sowas zu werden oder eine stinklangweilige Mathe/Physiklehrerin, verheiratet (mit einem ähnlichen Langeweiler), 2 Kindern und einem dieser schrecklichen von Dir schon mal beschriebenen Eigenheime.
Menschen eben, die sich die Bewahrerfraktion niemals vornehmen müsste, weil da wirklich jegliches kritisches Denken ausschließlich auf die vorgegeben Aufgaben bezog und wo niemals die Logik in andere Bereiche des Denkens vordringen würde.
Eine einzige, die aber auch etwas mehr nachdachte als die anderen, habe ich mal wieder gesehen (die anderen evtl. auch, nur habe ich die bestimmt nicht mehr erkannt, so unscheinbar waren die schon damals), die war eine dicke Kneipenwirtin mit unehelichem Kind geworden, das Ihr Mann in sein Heimatland, irgendwo nach Taku-Tuka-Land entführt hatte.
Na bitte, geht doch!

Aber das war bei den Männern auch nicht besser. Da kenne ich nur noch einen von, mit dem ich damals schon ganz gut befreundet war, der Versicherungsmathematik später studierte und dann doch lieber Reptilienhändler wurde.

Btw.: Versicherungsmathematik muss wirklich schwer sein, das haben mir schon einige erzählt. Kann ich mir persönlich gar nicht vorstellen, weil es doch in erster Linie nur Statistik sein kann.

So, jetzt sind wir wenigstens an einem Punkt angekommen, wo es nichts mehr mit Unity III zu tun hat.


Ina - 8.10.2006 um 12:05

Kommt drauf an, wer das erzählt, also wenn das ein Mathematiker sagt, kannst du es glauben, wenn dagegen irgendein BWL-ler oder so dieser Ansicht ist, dürfte sie Unsinn sein, der ist halt einfach bloß zu blöd dafür.

Zitat
nur waren das eben alles so verschrobene Damen,


Ich hab bei einer von der Sorte 2 Jahre lang versucht, hinter dem, was ich für ihre Fassade hielt, irgendwas aufzufinden. So wie sie sich präsentiert hat, dachte ich immer, da müsste doch noch mehr sein, das sie unter Verschluss hielt. Wenn ich näher mit Menschen zu tun habe, will ich ja dämlicherweise an irgendwas Besonderes in ihnen glauben. Bloß ist das meistens gar nicht da. Denn mittlerweile glaub ich echt - auch aufgrund der Reaktion auf meinen Ausstieg - dass das echt keine Maske bei ihr war, die war so "unvollständig".
Aber die Männer waren auch nicht besser. Die interessanten Leute wurden auch da bald aussortiert: ich hatte im Hauptstudium eigentlich fast nur noch mit denen zu tun, die das Vordiplom nicht gepackt hatten, da waren noch ein paar erträgliche Leute dabei, die nicht allen Scheiß geschluckt haben und mit denen man zwischendurch so richtig schön über alles ablästern konnte.
Naja, ich bin ja jetzt auch "aussortiert", zwar nicht gerade über Prüfungen, aber durch "sozialen Druck", oder wie immer man das nennen will, wenn sie einem langsam den vorgezeichneten Weg und die Form, in die man sich pressen lassen soll, in ihrer ganzer Abartigkeit enthüllen.

Das hat ja fast wieder was mit der "Gegenwelt" zu tun :D


... - 9.10.2006 um 02:59

Och, das sind wir doch die ganze Zeit, denn wir sind doch über die Bewahrer überhaupt erst in die Richtung MathestudentInnen gekommen.

Und der Typ, der Versicherungsmathematik studiert hatte, der hatte schon Ahnung. Der war in 13 im Lk wesentlich besser als ich in Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Und der hat extra was aus der Wirtschaftsmathematik studiert, weil er eben keinen Bock hatte, irgendwann als Lehrer zu enden, oder mit irgendwelchen Lehramtsstudenten zusammen zu studieren.

So, jetzt wird es aber Zeit, dass mal ein bisschen frisches Blut hier reinkommt.
Was sollen wir denn für kleine Andeutungen machen, damit mehr das Buch noch lesen?

Sollen wir behaupten, es wären tolle Fickszenen in dem Buch?
Ich denke, dass glaubt uns kein Mensch bei @Dians Werken.
Also, was dann?

Wir könnten ja behaupten, dass das Buch eine Lösung für alle Probleme der Welt aufzeigt.
Stimmt ja auch fast.
Wenn die Maschine des Profs wirklich die gesamte Menschheit dematerialisiert hätte, dann wären die meisten Probleme der Welt gelöst. (Zumindest der Erde dieses Universums!)
Ich warte schon seit Jahren auf eine Hobbytheksendung, wo mir mal Jean Pütz erklärt, wie man eine kleine Neutronenbombe baut, um alle Probleme dieser Erde zu lösen.
Leider habe ich den Mechanismus der Neutronenbombe bis heute nicht verstanden.

Oder was kann man tun, damit mehr der User hierzu was schreiben?


MAUS - 9.10.2006 um 08:24

Lesen passiert ja durchaus schon bei einigen Leuten (habe allerdings bei meinen Weiterempfehlungen angeregt, mit Unity I anzufangen), ob die dann wirklich auch was schreiben... klappt bei mir ja auch irgendwie so gar nicht. Schriftliche Buchinterpretationen waren noch nie mein Ding, ich bevorzuge ja eh direkte Kommunikation. Und je mehr Ihr nun darauf wartet, daß ich auch endlich meinen Senf dazu gebe, um so weniger fällt mir eigentlich ein, seufz.


... - 10.10.2006 um 09:13

Och, @Maria und ich haben ja nicht gerade eine FAZ - Literaturkritik vorgelegt, sondern eher ein bisschen die Eindrücke ausgetauscht und rumgeschwallt.
Das bringt sowieso besser die Empfindungen rüber als jede literarische Betrachtung!


Ina - 11.10.2006 um 14:59

Och @Maus, kein Stress.
In nem halben Jahr habens vielleicht noch drei Leute mehr gelesen und dann bringts auch was, wenn du was schreibst.

Zitat
Sollen wir behaupten, es wären tolle Fickszenen in dem Buch?


Naja, bloß wenn man auf so Sado-Maso-Vergewaltigungs-Folterkram steht.
Oder auf Hirnfickszenen ;)

Zitat
Wir könnten ja behaupten, dass das Buch eine Lösung für alle Probleme der Welt aufzeigt.


Ach nö, denn das wird ja nicht in dem zynischen Sinne aufgenommen, in dem es ja irgendwie stimmt, sondern in so einem dämlich-spirituellen und ich würde kein Buch lesen, von dem so Werbung gemacht wird - höchstens, um es zerkloppen zu können, aber das nervt mich i.d.R. selber am meisten.


... - 12.10.2006 um 04:24

Ich lass´mir die Tage mal ´ne Signatur einfallen, wo ich irgendetwas blödsinniges über das Buch behaupte und hoffe, damit Werbung machen zu können dafür!

Am besten so richtig blöde Werbesprüche, die nichts mit dem Buch zu tun haben.
Das kommt immer am besten!


MAUS - 13.10.2006 um 13:26

Zitat
Original von Maria
Och @Maus, kein Stress.
In nem halben Jahr habens vielleicht noch drei Leute mehr gelesen und dann bringts auch was, wenn du was schreibst.

LOL gute Idee, wenn ich es bis dahin nicht verarbeitet habe, sollte ich mir dann aber echt Gedanken machen :D


dian - 7.11.2006 um 14:07

Zitat
Es spielt von Zeiten vor der österreichischen Besatzung der spanischen Niederlande (leider fälschlicherweise dort Belgien schon im Buch genannt, so hieß das damals noch nicht)

Ich habe doch ausdrücklich geschrieben "da lebte im HEUTIGEN Belgien, das damals noch unter dem konservativen Einfluss der spanischen Krone stand". Hab mich nämlich schon ein wenig über die Herrschaftsverhältnisse der damaligen Zeit informiert. Aber mir stand jetzt wirklich nicht der Sinn danach, den Leser ausführlich über die belgische Geschichte zu informieren, sondern ich wollte das möglichst in einem Satz abhaken. (Ursprünglich hatte ich das ja auch in Holland spielen lassen wollen, aber das hätte vom historischen glaub nicht so gepasst, weil die Holländer ja auch damals schon relativ weltoffen und tolerant waren und sich vielleicht nicht ganz so sehr über das Treiben von Cyrus und seinen Kumpanen aufgeregt hätten.)

Zitat
So, wenn Yaominh gar nicht so perfekt ist, dann deutet das schon darauf hin, dass sich @Dian wohl wirklich weiter gegen den Supermann, der alles perfekt macht, wehrt. Das zieht sich in diesem Falle ja auch fast durchs ganze Buch.

Zitat
Wobei mir bei Yaominh noch auffällt, dass insbesondere in den späteren Kapitel öfters auf seine soziale Herkunft hingewiesen wird. Dass er natürlich als jemand aus einem doch etwas unterentwickelteren Land nicht ganz so auf Rosen gebettet war, wird gegen Ende imo immer mehr dargestellt.

Als ich mit dem Schreiben angefangen hatte, hatte ich wirklich nur so ein Bild von einem eher eindimensionalen, ultracoolen Superhelden vor mir, wie Yaominh in Nikitas trunkenen Augen in der Szene auf dem Bahngleis erscheint. Einfach deshalb, weil ich die Idee reizvoll fand, dass einer, von dem man es nie erwarten würde, unter dem Einfluss der Gegenwelt zu etwas völlig anderem mutiert.
Aber dann dachte ich mir: Es gibt Menschen, die drehen schon wegen weitaus weniger heftiger Kindheitserlebnisse als die, die Yaominh hatte, völlig durch... da kann er nicht einfach ein vernünftiger, redegewandter Gegenweltler ohne jegliche Widersprüche sein. Von der Dritten Welt in die erste, und von dort weiter in die Gegenwelt... das muss einfach Spuren in der Psyche hinterlassen. Also ließ ich ihn im weiteren Verlauf der Geschichte zunehmend fragwürdiger und innerlich zerrissener erscheinen.
Und dann, beim zweiten Epilog, als Yao zu sich selbst spricht und nach einer Antwort auf den Sinn des Lebens sucht... da verwischt die Grenze zwischen dem Autor und seinem Protagonisten. Yaominh hat einen ganz anderen Weg hinter sich als ich.. aber am Ende sind wir eins in unseren Zweifeln und Hoffnungen.
Deshalb würde ich auch nicht sagen, wie irgendwo von einem von euch erwähnt, dass Yao etwas blass bleibt und eher eine Nebenfigur wäre.
Mit Nikita fängt die Geschichte an, aber allein mit Yao hört sie auf... und die letzte Seite eines Romans sagt doch in der Regel mehr aus als die erste. Zumindest bei mir.

Zitat
Wie empfandest Du eigentlich die Szene in der Kirche, in der der Gegenweltler Vogt behauptet, dass Markus ein alter pädophiler Sack sei (was gar nicht stimmen könnte in dem Falle, es wäre maximal ein adoleszentophiler bei dem Alter von den beiden!).
Es hätte nicht zu @Dians Büchern gepasst, wenn sich dort auf einmal eine Wendung ergeben hätte, aber zumindest nachdenken musste ich schon, warum diese Möglichkeit dort auf einmal eingebaut wurde.

hmm... das waren mehrere Gründe..
1.) ich habe irgendwas gebraucht, um Nikita mal so richtig an seinen neuen Freunden zweifeln zu lassen.
2.) in "Heroic Bloodshed" habe ich so ein paar richtig widerliche Klischee-Kinderschänder als Bösewichte verwendet, wie sie sich die BILD-Zeitung oder die NPD nicht besser hätte ausdenken können.
Das hat gut zu der damaligen Geschichte gepasst... es sollte aber nicht der Eindruck entstehen, dass meine Meinung zu diesem Themenkomplex dermaßen eindimensional wäre.
Klar gibt es üble Typen, die ihren Schwanz in viel zu kleine Öffnungen stecken und es auch noch geil finden, ihre Opfer leiden zu sehen... aber genauso gibt es auch viele, die zu Unrecht beschuldigt werden.. die zwar sexuell auf Jugendliche fixiert sind, aber wo das auf gegenseitigem Einverständnis beruht und nur die Gesellschaft dem dann den "Missbrauchs-Stempel" aufdrückt, weil sie 13- oder 14jährige ja noch nicht für reif genug hält, um selber entscheiden zu können, ob sie gern mit einem notgeilen alten Sack in die Kiste hüpfen wollen oder nicht.
Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass Markus wirklich so ein notgeiler alter Sack wäre. Ich habe es lediglich angedeutet, aber es wird weder eindeutig bestätigt noch eindeutig verneint. Und das aus gutem Grund: Ich weiß es nämlich selber nicht. Ich könnte mir beides vorstellen, und überlasse es ganz dem Leser, sich dazu eine eigene Meinung zu bilden.

Zitat
Zumindest erscheint es sonderbar, warum sich nur jüngere dort bei Markus einfinden und das auch im ganzen Buch und in der Gegenwelt immer so eine Überhöhung des Kind-seins erfolgt.
Ich persönlich kann eigentlich nicht sagen, dass ich ich als Kind soviel glücklicher gefühlt hätte als heute. War ganz nett, aber man hat doch immer Erwachsener gespielt. (Irgendwie mache ich das ja auch noch heute!)

Ich gehe da ja eher davon aus, dass dieser Zustand, den die meisten als "erwachsen" bezeichnen, nichts als eine psychische Krankheit ist. Also älter werden wir natürlich alle, machen unsere Erfahrungen mit dem Leben und unseren Mitmenschen.
aber dieses Sich-Anpassen, Gehorsam sein, auf Tischmanieren und korrekte Kleidung wertlegen, für die Rente sparen, etc... all das halte ich für eine Krankheit, von der die meisten Menschen irgendwann im Alter zwischen 15 und 30 befallen werden, und von der sie dann oft bis zu ihrem Tod nicht mehr loskommen. Und vor diesem Hintergrund erscheint es mir eben weitaus plausibler, ein paar verlorene Jugendliche für die Ideale der Gegenwelt begeistern zu können, als ältere Leute, die schon eine ganze Weile im Erwachsenenleben drinstecken und es bis zu einem gewissen Grad auch schon als unabänderlich akzeptiert haben.
Da spielen natürlich auch meine eigenen Erfahrungen während meiner Schulzeit eine Rolle, wo ich schön beobachten konnte, wie alle im Lauf der Oberstufe völlig andere Interessen entwickelt hatten und sich manchmal um 180-Grad drehten, während ich auch beim Abi noch immer nahezu die selben Ansichten und Träume hatte wie früher als 15jähriger. Eigentlich bin ich heute noch so, nur dass halt im Lauf der Zeit ein gewisses Interesse an gesellschaftskritischen und philosophischen Gedankengängen und etwas mehr sprachliche Ausdrucksfähigkeit hinzugekommen sind.
Aber ich würde heute, wenn ich noch in der Schule wäre, noch immer die Kreide verstecken, um den Beginn des Unterrichts möglichst lange hinauszuzögern. Die meisten meiner Altersgenossen hingegen würden heute dem Lehrer persönlich die Kreide überreichen, weil sie ja mittlerweile erkannt haben, dass Schule wichtig ist und ihrer Karriere dient.
Und wenn ich an manchen Stellen das Jungsein und die Kindheit verherrliche, dann meine ich damit nicht zuletzt diese trotzige Einstellung gegenüber der Gesellschaft und der bestehenden Weltordnung, die leider vielen im Lauf der Jahre völlig abhanden zu kommen scheint.

Zitat
Was die Adoleszentophilensache, die der Bewahrer behauptet, anbelangt, kann dies natürlich so sein, dass das eben eine Anspielung auf solche bürgerlichen Konventionen ist, die versuchen würde, eine Beziehung von einem alten Sack mit zwei Jugendlichen so zu interpretieren. Ist zwar richtig, ist aber nicht strafbar.
Da gibt es gerade in Schwulenkreisen ´ne ganze Menge von diesen Typen, die nur noch einen hochkriegen, wenn sie junges Fleisch sehen. Insofern auch alles etwas unlogisch, wenn gerade dieses als Straftat dargestellt wird, was in keinster Weise in unserer Gesellschaft verboten ist und dennoch zwar misstrauisch beäugt wird, aber eigentlich keinen Grund zu einem exekutiven Eingreifen geben würde.

Da wäre ich mir jetzt mal nicht so sicher.
Als Markus auf Demiro und später auf Yao trifft, sind die beiden vielleicht 14 oder 15 Jahre alt. Yao befindet sich juristisch gesehen vermutlich in der Obhut des Staates, und Demiro hat einen Vater, der seinen väterlichen Besitzanspruch mehr als deutlich macht.
Irgendwie glaube ich nicht, dass man da einfach tatenlos zusehen würde, wenn ein "alter Sack" zwei Jugendliche aus ihrem sozialen Umfeld reißt und mit denen auf Nimmerwiedersehen verschwindet...

Soweit erstmal meine Gedanken zu euren Gedanken.
Wenn noch Fragen sein sollten... ich bin ja jetzt da.


... - 8.11.2006 um 04:36

Jau, danke. Manchmal ist es auch ganz nett, den Autor direkt fragen zu können, wobei @Maria und ich ja auch schon rätselten, ob Du überhaupt alles so durchblickt hast, dass es alles in nur eine Richtung interpretierbar sein kann.

Also, bei der Belgien-Sache hatte mich etwas mehr gestört, dass gerade da zu der Zeit der Herrscher von spanischen zum österreichischen Königshaus wechselte. ich weiss gar nicht, wie die Leute damals solche Wechsel verarbeitet haben, ob die evtl. meinten, jetzt wird alles besser oder so. Nur in solchen Zeiten haben eben auch oft die Machtverhältnisse sich insofern geändert, dass mal ein paar neue Köpfe im System auftraten. Wurde mir später erst klar, dass man da natürlich schon schön hätte zeigen können, dass die "Bewahrer" immer die gleichen Köppe bleiben.
Ja, und war schon gut, dass Du da nicht NL genommen hast. Die waren eigentlich damals noch in erster Linie mit Seeraub beschäftigt und damit, dadurch ihr Land zu einem der reichsten der Erde damals zu machen.
Außerdem wäre das für den deutschen Leser etwas verwirrend geworden. Die Niederländer haben auch ihre Bewahrer, aber die müssen mindestens schwul und/oder Kiffer sein, sonst haben die nicht die geringste Chance von den Niederländern als ernstzunehmender Mensch anerkannt zu werden.
Solche Bewahrer hätten dann doch den deutschen Leser zu sehr irritiert.

Tja, dass sich Yao als Person entwickelt, erklärt da einige Widersprüche. Da hätte ich auch mal selber drauf kommen können, dass sich ein Autor mal das Recht heraus nimmt, seine Figuren weiter zu entwickeln.
Da hatte ich zwei Probleme mit, zum einen ist die Rahmenhandlung ja ein relativ kurzer Zeitabschnitt von einer Nacht, so gesehen. Und nach dem ersten Auftreten von Yao in der Nacht hatte man eben den Eindruck, dass er eben der Supermanntyp sein soll, der öfters in Deinen Büchern auftaucht.
Dass Du diesmal auf einmal Lust bekommst, die Person charakterlich genauer zu zeichnen, hätte ich zuerst gar nicht vermutet.
Zum anderen war für mich der Prototyp des zerrissenen Charakters Markus, der für mich auch aufgrund dessen, dass sein Leben ja eigentlich am ausführlichsten beschrieben wurde, auch der Identifikationscharakter war (und ich fand 's ja auch so gemein, dass Du dem nicht zusammen mit Benjamin nochmal das Los von Philemon und Baucis beschieden hast. :52: ).

Und es stimmt schon, dass man auch mal solche Probleme mit Adoleszentophilie oder Pädophilie mal durchaus aus 'nem anderen Blickwinkel sehen kann, wobei, wenn ich die Storys von den Satanistenclans höre, Du eher noch im ersten Werk maßlos untertrieben hast, was da alles so abgeht.

Und was das Kindsein anbelangt, kenne ich das ja auch, nur eben aus dem Blickwinkel der geistig behinderten Menschen, die mir erstmal wieder klar gemacht haben, dass man etwas egoistischer und rücksichtsloser sein sollte, um halbwegs happy zu werden. Vielleicht hab' ich selbst schon als Kind mich zu stark von meiner Umwelt beeinflussen lassen, als dass ich das jetzt extrem interessant gefunden hätte und mich faszinieren eben eher die archaischen Denkweisen von Menschen, die noch ein Stück unter dem Kindsein liegen.
Nun ja: Geschmackssache!

Zum letzteren kann ich Dir nur aus Berufserfahrung sagen, dass es in dieser Gesellschaft offiziell ja so sein mag, dass man da noch mit Strafen rechnen muss, aber da ich selber ja jetzt in einer Gruppe arbeite, wo ich die Behinderten dazu bringen muss, dass die mal alleine leben können in 'ner eigenen Wohnung, da muss ich Dir einfach sagen, wir wären bei manchen sehr froh, wenn sich da mal ein alter perverser Sack auf die stürzen würde und sich denen annehmen würde, sonst sehe ich bei einigen nämlich schwarz, wenn die nicht irgendjemanden finden, der sich um die kümmert.
Und nebenan von uns ist noch das Kinderheim, was sollen die erst sagen?
Wir können ja für die geistig Behinderten wenigstens noch ein paar Stunden in der Woche beantragen, wo jemand vorbeikommt und sich mal anschaut, ob die alles hinbekommen. Das bekommen die Blagen von nebenan nicht. Und die sind, auch ohne geistige Behinderung manchmal sozial noch geschädigter. In der Realität sind die auch happy, wenn sich, bevor die alleine zurechtkommen müssen, sich mal irgendwer, aus welcher Motivation auch immer, sich mal um die kümmert.


Offen bleibt für mich immer noch, warum Yao in den Epilogen zweifach existiert und Nikita nur einfach, es sei denn, der Typ aus Epilog II sollte wirklich ein Nikita sein, was ich ja nicht ganz glaube.


dian - 8.11.2006 um 12:34

Zitat
und ich fand 's ja auch so gemein, dass Du dem nicht zusammen mit Benjamin nochmal das Los von Philemon und Baucis beschieden hast.

Wer sind Philemon und Baucis? Ein litauisches Stricherpärchen?

Zitat
Offen bleibt für mich immer noch, warum Yao in den Epilogen zweifach existiert und Nikita nur einfach, es sei denn, der Typ aus Epilog II sollte wirklich ein Nikita sein, was ich ja nicht ganz glaube.

Ich würde vermuten, es gibt Yao zweimal, weil der Autor einfach nicht in der Lage war, sich für EIN Ende zu entscheiden.
Ich wollte unbedingt dieses eher bodenständige Ende von Epilog 1 haben, weil ich den Leuten sagen wollte: "Hey, ihr müsst nicht irgendwelche Superhelden sein und in einem Comic leben, um das zu verwirklichen, was euch wichtig ist!"
Andererseits... dieses bodenständige Ende allein, ohne den zweiten Epilog, wäre ja dann wieder fast so ein bisschen wie das Ende von Unity 1gewesen. So nach dem Motto: "War ja eh alles nur geträumt..." Aber das wollte ich dann auch wieder nicht, also musste noch irgendetwas passieren.
Das naheliegendste war da für mich, einfach die Begegnung von Yao und Nikita unter völlig anderen Voraussetzungen zu wiederholen. Der "neue" Nikita (bzw. Olaf) aus Epilog 2 (ob dieser Typ nun wirklich Nikita ist oder nicht, sei mal dahingestellt..) hat es einfach nicht mehr nötig, so eine bedingungslose Freundschaft zu Yao aufzubauen... genau so, wie es die allermeisten Menschen heutzutage nicht mehr nötig haben, ihre "Freunde" über bestimmte, klar abgesteckte Grenzen hinaus in ihr Leben eindringen zu lassen...
Das war so ein Gedanke, den ich selber auch schon oft hatte, wenn Menschen, die ich eigentlich sympathisch fand, sich mir gegenüber nicht gerade besonders offen gezeigt haben. Dann dachte ich mir auch: "Ja, warte nur.. wenn du metertief in der Scheiße stecken würdest und meine ausgestreckte Hand die allerletzte Hoffnung für dich wäre... dann würdest du gierig danach greifen und sie nie wieder loslassen wollen..."
So in etwa fühlt sich Yao in dem Moment auch. Und er kann nichts dagegen tun, außer es zur Kenntnis zu nehmen und dann Gott oder wen auch immer angepisst nach dem WARUM zu fragen.

Wenn du jetzt mehr an den technischen Details interessiert bist, warum es Yao zweimal gibt, kann ich dir leider auch nicht weiterhelfen. Das Fachsimpeln über elfdimensionale Würfel überlasse ich dann doch lieber Maria.
Aber so wie ich das sehe, ist einfach folgendes passiert:
Jeder Mensch lebt unzählige Leben in verschiedenen Dimensionen zur selben Zeit. Wie das gehen soll, weiß ich nicht... aber wenn es so etwas wie eine Seele und verschiedene Dimensionen gibt, warum soll es dann nicht auch "gleichzeitig" mehrere Seelen von uns geben, die in unterschiedlichen Welten unabhängig voneinander ihre Arbeit verrichten und sich irgendwann wieder zu einem großen Ganzen zusammenfügen?
Durch das Einreißen der Dimensionsgrenzen im Finale auf dem Staudamm wird Nikitas momentane Seele mitsamt all ihres Wissens in Nikitas Körper aus Epilog 1 transferiert... vermischt sich dort dann mit dessen alter Seele, denn er hat ja dann die Erinnerungen an beide Leben gespeichert.
Der Yao von Epilog 1 dagegen hat von all dem Gegenweltkram nichts mitbekommen, denn Yao's Gegenweltler-Seele ging nach dem Finale direkt in Epilog 2 über, und vermischte sich dort mit der Seele eines zukünftigen (und dennoch parallel existierenden) Yakuza-Yao, der jedoch ein völlig anderes Leben hatte und am anderen Ende der Welt lebt.
Klingt doof, ist aber so. :D


... - 9.11.2006 um 05:05

Ich glaube, dass mit den technischen Details lassen wir wirklich mal besser.
Da hatten wir schon drüber diskutiert und da ist @Maria noch romantischer veranlagt wie ich, denn an eine Seele, die nicht materialistisch sein soll, kann ich nun wirklich beim besten Willen nicht glauben, egal, welche Dimensionen es alles gibt.
Das haben wir ja auch gerade in dem anderen Thread hier diskutiert.

Da gefällt mir die Antwort, dass der Autor sich nicht entscheiden konnte, schon besser.:D

Eigentlich wäre es dann 'ne tolle Möglichkeit gewesen, den kleinen Yao aus Epi I genauso groß erscheinen zu lassen wie der Yao aus Epi II.
Yaos Charaktereigenschaften aus der Erzählung und aus Epi II einfach in den immer noch leicht verkrüppelten Yao aus Epi I einbauen.
Das wäre doch dann ein Ende mit allem gewesen, mit der romantischen Freundschaft, die es auch überlebt, wenn einer eben etwas krüppelig ist und dennoch das gleiche Selbstbewußtsein an den Tag legen würde, als wäre er es nicht.
Die beiden in der Form von Epi I, aus denen könnte ein toller Fortsetzungsroman entstehen, die ähnliches erleben wie die Geschichten, die da Markus, Benjamin, Gegenwelter und Engelskinder erlebt haben.

Und Philemon und Baucis sind ein Pärchen aus der griechischen Mythologie (taucht btw auch in "Faust II" auf, um mal kurz den großkotzigen Bildungsbürger raushängen zu lassen :24: .)
Und die hatten einen Wunsch bei den Göttern frei. Und sie wünschten sich, zur gleichen Zeit sterben zu dürfen und dann als Baum und Strauch nebeneinander weiter zu existieren.
Und so ein Schicksal hätte ich eben gerne Benjamin und Markus gegönnt, da mir Markus eben der sympathischste war, aber ich mochte ja auch schon Janosch in Unity II.

Also, wenn Du mal wieder Bock auf Schreiben hast, dann hast Du ja u.U. Möglichkeiten, irgendwie wieder an die Unity III - Geschichte anzuknüpfen und mal was ganz romantisches daraus zu machen.


Hansi - 27.11.2006 um 00:42

so leute, hab in den letzten 3-4 tagen unity 1 + 2 gelesen. jetz mach ich mich an unity 3 heran und dann kann ich hier endlich mit posten :D.


... - 27.11.2006 um 05:02

Das dauert aber ein bißchen länger meinen Erfahrungen nach.

Aber trotzdem
Viel Vergnügen und gute Unterhaltung!


Hansi - 27.11.2006 um 07:39

ja, das denk ich auch, trotzdem danke.


JeanneDamianDracul - 30.1.2007 um 08:05

So.... damit nicht dauernt deutsche Geschichte oder der Aktienkurs von anno dazumal zu lesen ist,werde ich mal ganz langsam mein Notizzettelchen zu Unity 3 abarbeiten
Numero uno: Im Epilog 2 redet Yao mit einer Stimme die er später mit Markus anspricht,ich habe zuerst gedacht das dies der Geist von Markus ist,was aber nicht sein kann weil sie IN Yaos Kopf in erscheinung tritt und ja auch nicht von einer physischen Erscheinung die Rede ist.
Eine eingebildete Stimme im Rauschzustand kann es auch nicht gewesen sein,da Yao ja erst danach den Joint raucht.
Außerdem ist der Schreibstil viel weicher geworden als in den vorangegangenen Werken.
Reicht erstmal für heute,Fortsetzung folgt


Hansi - 30.1.2007 um 18:11

ok, wenn ihr das jetzt hier auswerten wollt muss ich diesen thread wohl oder übel ignorieren *augenzumach. ich muss unity 3 endlich ma durchlesen, wenn da nich diese faulheit zu gar nix wäre *rotwerd.


MAUS - 30.1.2007 um 18:14

Fang einfach an, dann kannste eh nicht mehr aufhören, ob de willst oder nicht :D


Hansi - 30.1.2007 um 18:17

eben doch, dass problem is, ich bin irgendwie bei kapitel 18 oder so hängen geblieben. bei mir das problem, wenn ich schon ma n buch lese, dann will ich das möglichst an einem stück tun um nich aus der handlung zu kommen, weil wenn ich dann unterbreche is die gefahr es nich mehr anzufassen imens (egal wie spannend es is). bei mir siegt immer faulheit :D


... - 31.1.2007 um 03:02

Wie kann man denn gerade in Kapitel 18 aufhören, @Pantheist?
Das war das Kapitel, wo die gerade von den Nazis gestellt wurden, hab' ich nachgeguckt.


@JeanneDamianDracul:
Also, dass die Menschen da ab und an mal Selbstgespräche führen, irritierte mich weniger. Das machte Markus ja auch, auch als er als Janosch auftrat, immer wieder mit Benjamin.


Hansi - 31.1.2007 um 03:10

@arne: ne war nich 18, war 16 ^^. hab grad den zettel gefunden wo ich mir das aufgeschrieben hab.


... - 31.1.2007 um 04:48

Ist auch das einzige Kapitel, wo der Spannungsbogen evtl zum 17.Kapitel nicht ganz so genial ist.
Okay. Lohnt sich aber weiter zu lesen, geht jetzt erst richtig los.


Benway - 14.4.2007 um 10:05

Tja, jetzt habe ich es auch gelesen und muss schon sagen, ich bin ziemlich begeistert. Der Schreibstil hat im Vergleich zu "Unity II" noch mal einen großen Sprung nach vorne gemacht, man wird längst nicht mehr so oft daran erinnert, dass man eigentlich einen verkappten Film am Bildschirm liest und va Gesprächssituationen wirken auf mich jetzt viel flüssiger als noch in Unity II.
Aber viel wichtiger: der Text funktioniert für mich einfach. Unity 1 und Unity II waren für mich in weiten Teilen eher "Bedarfsdeckungsliteratur", soll heißen ich wusste eigentlich die meiste Zeit über ziemlich genau, was ich zu erwarten hatte und hab mich dann gefreut, wenn es eingetreten ist. Bei Unity III war es andersherum...da hat der Text mich mitgerissen, mit mir verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, wie sich eine Gegenwelt vielleicht verwirklichen ließe und jedesmal wenn ich mir sicher war, jetzt erkannt zu haben, worauf das ganze Buch abzielt, brach wieder eine scheinbare Gewissheit einfach so weg und man steht wie Yaominh am Ende ziemlich verlassen da.
Man könnte jetzt schreiben, Unity III wäre das "reifste" Werk, das dian bisher zustandegebracht hat...aber so eine Einschätzung würde der ganzen Unity-Ideologie natürlich böse zuwiderlaufen ;)...und ganz richtig wäre sie sowieso nicht. Unity III ist durchdacht, aber nicht durchkonstruiert. Man merkt auf jeder Seite, dass eine Menge Herzblut in dem Roman steckt, dass die Figuren als Menschen (und gefallene Engel ;)) aus Fleisch und Blut angelegt sind und meistens auch so rüberkommen, dass nicht nur irgendwelche theoretischen Gedankengebäude durchgespielt werden, sondern Ideen mit einer enormen Bedeutung für den Autor (und für die meisten Leser hoffentlich auch)...deswegen kann am Ende auch nicht einfach resigniert werden, sondern es wird weitergekämpft, obwohl dian natürlich auch keine Lösung anbieten kann...Feuer brennt eben.
Unity III hat ein wenig von dians Magnum Opus, die Essenz von Unity 1+2 ist darin auf jeden Fall enthalten und noch viel mehr...1+1=3 oder so...dass am Ende doch keine Lösung für alle Möchtegern-Gegenweltler präsentiert werden kann, ist so natürlich auch doppelt enttäuschend...
Jetzt muss ich aber dringend noch Kritik anbringen, nur Schleimen geht nicht, sonst wird das noch zur schlechten Angewohnheit: wie in Unity 1 und II wirken manche Abschnitte nicht wirklich häufig überarbeit und korrekturgelesen, manches liest sich sogar wie nachträglich noch hinzugefügt, so dass sich der Text stellenweise doch arg wie Flickwerk anfühlt (Frage an den Autor, wenn der mitliest: war der Bewahrer-Handlungsstrang von Anfang an Teil des Plans?) und manches wird dem einen oder anderen Leser auch unnötig vorkommen...mir zum Beispiel die drei Kapitel, in denen Kemal/Demiros Weg in die Gegenwelt geschildert wird...also ich hätte den auch so respektiert und die Freundschaft/Bruderschaft zwischen ihm und Yaominh auch anerkannt, ohne über seine schwere Kindheit Bescheid zu wissen...und die philosophischen Ergüsse von Markus in diesen Kapitel waren im direkten Vergleich was im Buch sonst so geliefert wird auch nicht so prickelnd. Von diesen Kritikpunkten gibt es im Buch noch einige, aber die werden sowieso für jeden Leser unterschiedlich sein, deswegen lohnt es sich eigentlich nicht, darauf gesondert einzugehen, vor allem, weil Unity III für mich trotzdem ein geschlossenes Ganzes und einen der coolsten Texte darstellt, den ich die letzte Zeit über lesen durfte.
Ein wenig neidisch bin ich auf jeden Fall, weil mir ein erzählender Text, der einen dermaßen starken Sog entwickelt, noch nie gelingen wollte. Unity 1 und II waren für mich unterhaltsam und leidlich spannend, Unity III ist mitreißend. Fünf von Fünf Sternen also als Fazit, aber die gelten nur, wenn dian jetzt nicht anfängt, serienmäßig solche Texte zu verfassen, dann bin ich beleidigt, verzieh mich mit Hermann Hesse in den Wald und übergieße die Unity-Fans in Zukunft nur noch mit elitärem Spott. In Unity IV darf es wegen mir also ruhig mal wieder ein wenig mehr Körperteile und ein wenig seltener Geistesblitze hageln, das Wichtigste für die nächsten fünf Jahre Unity-CommUnity dürfte in "Gegenwelt" auch gesagt worden sein. Vielleicht schreib ich noch mal eine (in beide Richtungen) objektivere Mini-Rezension, wenn ich den Text in ein, zwei Monaten noch mal gelesen hab...
Schade, dass Maria grade nicht erreichbar ist, aber will sonst vielleicht noch wer über Unity III labern? Werden außer Arne ja hoffentlich auch noch andere hier gelesen haben...hier nur mal ein Zitat, um zu zeigen, dass es sich lohnt:
[QUOTE]Steine, Holzsplitter und Teile von Erwin und Kalle wirbelten durch die Luft...[/QUOTE]
"Grrrrräslich schön" würde Reich-Ranicki da sagen :D


... - 15.4.2007 um 01:31

Also so eindeutig vorhersehbar fand ich das überhaupt nicht in Unity II.
Mir war Major von Stahl zwar sehr sympathisch, aber ich wusste nicht so genau, ob es meine Sympathie für preußisches Pflichtbewußtsein war oder was es war.
Als Janosch hat er dann ja irgendwie die preußische Disziplin mit seinen Idealen verbunden.

Die Geschichte von Kemal fand ich btw nicht so ermüdend, sondern auch ganz interessant, aber Du hast was angesprochen, was in mir auch losging.
In Unity III denkt man wirklich daran, wie man selber was machen kann.
Und das ist das Schöne daran.


dian - 15.4.2007 um 11:36

Zitat
Frage an den Autor, wenn der mitliest: war der Bewahrer-Handlungsstrang von Anfang an Teil des Plans?

Teilweise. So weit ich mich erinnern kann, waren Stauffer und Vogt ursprünglich mal ein und die selbe Person. Irgendwann habe ich dann zwei draus gemacht. In der ganz alten, damals noch als "Unity 4" betitelten Fassung, gab es tatsächlich nur Stauffer. (Im Finale standen sich damals auch nur die Gegenweltler und die Engelskinder gegenüber.) Das mit den Bewahrern habe ich also erst später eingefügt... vielleicht merkt man das an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig. Aber rein musste das auf jeden Fall. Nicht nur aus spannungstechnischen Gründen, sondern vor allem auch, weil ich die Idee, dass ein cleverer Haufen Anarchisten wie die Gegenweltler nicht gegen einen normalen, leicht beschränkt denkenden Karrierenazi kämpfen muss, sondern gegen einen ebenso cleveren und weitsichtigen Gegenspieler, dann doch irgendwie reizvoller fand.
Und man kann ja von "unseren" Gegnern in der realen Welt auch nicht gerade behaupten, dass die wirklich komplett alle nur manipuliert und verblendet sind... sondern da gibt es ja auch viele, die wie Bewahrer agieren und die ihre zweifellos vorhandene Intelligenz und ihr Charisma nur dafür einsetzen, dass die Welt, so wie sie ihnen von ihren Vorfahren übergeben wurde, in ihren Grundfesten bestehen bleibt. Diesen Grundkonflikt konnte ich nur durch die Figur des Bewahrers richtig herausarbeiten.
Dass das manchmal ein wenig nach "Flickwerk" aussieht, ist aber auch durchaus beabsichtigt gewesen. Ich habe mich erst gar nicht großartig darum bemüht, ein und den selben Stil den ganzen Roman über beizubehalten, sondern hab einfach so geschrieben, wie es mir gerade in den Sinn kam. Und dabei kann es dann eben auch vorkommen, dass sich eine Passage wie beispielsweise der Teil mit Demiro und dem alten Markus ein wenig anders liest als der Rest.
Wenn man diesen Erzählstrang weggelassen hätte, wäre die Handlung natürlich genauso verständlich gewesen... aber es war mir schon wichtig, das Innenleben der Gegenwelt und die Verbindung zwischen Markus und den beiden Jungs etwas genauer zu beleuchten. Außerdem wollte ich unbedingt noch einige Kommentare zu den typischen "Stressern", sprich zum Phänomen der jungen, ausländischen Möchtegerngangster abgeben, von denen es ja zweifellos viele gibt, und die ich jedesmal, wenn mir in der Realität einer begegnet, auch am liebsten mal zu Markus oder Janosch in die "Therapie" schicken möchte. ;)


Benway - 15.4.2007 um 12:41

Arne schrieb:

[QUOTE]Also so eindeutig vorhersehbar fand ich das überhaupt nicht in Unity II.[/QUOTE]

Ich hab auch gar nicht gemeint, dass alles direkt vorhersehbar gewesen wäre, es war mehr so, dass ich mir immer sicher war, dass dian keine Ende à la "Und sie sahen ein, dass sie Max nicht mehr helfen konnten und überlebten diese finstere Zeit als nach außen hin brave Internatsschüler" servieren würde, sondern dass alles auf das obligatorische Bullet Time-Gemetzel hinsteuert...und insofern war ich mir quasi die ganze Zeit sicher, von Unity II "bestätigt" zu werden.
"Gegenwelt" ist da anders - da wird mit der klassischen Gegenwelt eine sympathische Utopie und mit der Welt der Engelskinder eine nicht weniger sympathische Dystopie aufgebaut...letztlich aber erweisen sich beide als verfehlt und man steht als Leser sehr ratlos da...es scheint nichts zu geben, für das es sich in dieser Welt zu kämpfen lohnt....wie du schreibst, man muss sich selbst was suchen...oder damit zufrieden sein, dass Feuer eben nicht anders kann als zu brennen.


Benway - 15.4.2007 um 12:42

dian schrieb:

[QUOTE]Aber rein musste das auf jeden Fall.[/QUOTE]

Da wird niemand widersprechen. Gegenwelt ist weitläufig genug angelegt, dass dieses
<>
auch richtig zur Geltung kommt.


[QUOTE]Und man kann ja von "unseren" Gegnern in der realen Welt auch nicht gerade behaupten, dass die wirklich komplett alle nur manipuliert und verblendet sind... sondern da gibt es ja auch viele, die wie Bewahrer agieren und die ihre zweifellos vorhandene Intelligenz und ihr Charisma nur dafür einsetzen, dass die Welt, so wie sie ihnen von ihren Vorfahren übergeben wurde, in ihren Grundfesten bestehen bleibt. [/QUOTE]

Ja, ganz selten trifft man mal Menschen, die sich vollauf bewusst zu sein scheinen, in welchem Spiel sie da mitspielen, die die Gesellschaft im Grunde durchschauen aber dabei zu ganz anderen Schlüssen kommen als "wir". In meiner Altersstufe erkennt man sie häufig noch an ihrem romantischen Faible für Nietzsche, wenn sie dann mal älter geworden sind, legen sie das wahrscheinlich auch ab.
Naja - es wäre schön, so einen klaren, geschlossenen Gegner zu haben. Leider gibt es den nicht bzw man muss ihn sich konstruieren (wie Yaominh das in der IMO besten Szene des ganzen Buchs, als Vogt ihn in Kapitel 36 gründlich verunsichert, klar ausspricht) - aber dann gibt es ihn nicht weniger, als wenn er sich dessen selbst bewusst wäre und sich selbst in einem jahrhundertealten Geheimbund formiert hätte.


[QUOTE]Diesen Grundkonflikt konnte ich nur durch die Figur des Bewahrers richtig herausarbeiten.[/QUOTE]

Außerdem sind die Bewahrer einfach ein extrem cooler Gegner ;), hat mich ein wenig daran erinnert, wie die Agenten im ersten Matrix-Film dargestellt wurden.

Dass Demiro auch als Platzhalter für eine Generation von Nachwuchsgangstern herhalten muss, das hab ich schon auch gecheckt...vielleicht hätte ich die drei Kapitel weniger unnötig gefunden, wenn ich selbst betroffen wäre, also schon irgendwelche richtig üblen Erfahrungen mit solchen Leuten gemacht hätte oder in so einem Milieu aufgewachsen wäre.