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Autor Betreff: ein teil von mir
quaid




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Motto: their law

[*] Verfasst am: 2.1.2005 um 14:19
ein teil von mir



das hier ist ein beitrag, den man sich komplett, also nur dann durchlesen sollte, wenn man die zeit und lust dazu hat.

ein teil von mir


samstag abend. ich habe absolut nichts zu tun. ich sitze zurückgelehnt in meinem sessel, die arme hinter dem kopf verschränkt, und sehe mich im zimmer um, was man machen könnte. letztendlich komme ich am fenster an. mir fällt auf, dass der helle mond ausreicht, um den ganzen raum ausreichend auszuleuchten. 'beeindruckend' denke ich mit ernster miene. ich beschließe, meine jacke zu nehmen und rauszugehen. zum bahnhof, erstmal. ein bißchen spontanität kann ja nicht schaden.
mit den händen in den jackentaschen komme ich am bahnhof an. hier ist es so leer, dass man den berühmten staubball, den man aus western kennt, schon von der seite erwartet. wie ausgestorben, sozusagen. es ist ein eher kleiner bahnhof. ich gehe hoch auf den steig und lehne mich gegen den pfosten einer überdachung, während ich die sterne ansehe. ein klarer sternenhimmel bedeckt diese nacht. es dauert auch nicht lange, bis die bahn sich von weitem erblicken lässt. eine noch nicht so neue s-bahn, teilweise mit grafitti beschmiert, hält genau mit einer tür vor mir. ich gehe rein und fange an, mir zu überlegen, wo ich hin will. ich setze mich irgendwo zurückgelehnt hin, das rechts bein auf die anhöhung vor dem fenster, wieder nach draussen blickend. mir fällt aus dem augenwinkel auf, dass die bahn absolut leer ist.
die musik "talk show host" von radiohead würde jetzt perfekt in diese kulisse passen, wenn ich einen film drehen wollte, denke ich. das ist die begleitmelodie von der neuverfilmung von romeo und julia. hatte ich mir damals nur angesehen, weil ich die mixtur von alter sprache und neuer technologie interessant finde.
ich habe das gefühl, die zeit verfliegt mit der geschwindigkeit der bahn nur so. ich war so in gedanken versunken, dass ich nichtmal mitbekommen hatte, wie der zug sich in bewegung versetzt hatte. sogar das ertönen der türschlusssignale muss ich überhört haben.
jetzt hält die bahn das erste mal an. 'noch nicht weit genug für mich', denke ich. zwei mädels steigen ein. sie sehen sich kurz um, gehen dann in die andere richtung; setzen sich aber ohne groß weiter nach hinten zu laufen, sofort hin. eine von beiden so, dass sie in meinem blickfeld war. ich musse zwangsläufig überlegen, wo die beiden hin wollen. war es eines der typischen diskobesuche, die so oft in fremden betten landeten? oder sind es okultisten auf dem weg zu einem treff? nein, so sehen die beiden nicht aus. eigentlich kann man an deren klamotten gar nicht ausmachen, was die beiden vor haben. sie waren einfach zu 'normal' angezogen. zu sehr mainstream. immer noch mit ernstem blick starre ich unbemerkt rüber. das eine mädchen bemerkt das langsam, und bevor sie nach circa 10 sekunden stieren leicht anfängt, zu griemen, wendet sie sich schnell ab zurück zu dem blick ihrer begleiterin.
'was denkt sie sich eigentlich?' frage ich mich - und das nicht im bösartigem sinne, sondern im sinne der tatsächlichen frage, die dahinter steckt. ohne den gedanken weiter zu verfolgen stehe ich auf. ich weiß, das das nur zu weiteren überlegungen geführt hätte, und diese wären jetzt nicht angebracht. ich laufe den beiden entgegen. erst bemerken sie mich gar nicht. die streben an den seiten der bahn, die zum festhalten dienen sollen, werfen einen großen schatten auf den boden der bahn. es kommt mir vor, als laufe ich auf einer leiter.
plötzlich sieht das mädchen wieder zu mir rüber und kriegt auf einmal große augen und einen erstaunten blick, als ob sie mich erkennen würde. 'wer bist du', dachte ich. 'wer bist du', frage ich in gedanken, als ob ich die antwort nicht wüsste. noch bevor ich ihre nähe erreicht habe, gehe ich plötzlich nach links, drücke den knopf und verlasse die bahn als habe ich im unterbewustsein gemerkt, dass wir den nächste bahnhof erreicht haben.

warum habe ich das gemacht? warum bin ich überhaupt hier? und wo bin ich? drei fragen, die eigentlich nur eine waren: was ist der zweck?

das spielt alles keine rolle. denn das ist nie passiert ..


danke für die aufmerksamkeit
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krebskolonie






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[*] Verfasst am: 4.1.2005 um 00:00


gefällt mir. fands schön zu lesen.
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quaid




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Motto: their law

[*] Verfasst am: 4.1.2005 um 20:17


danke.
ist ne recht nette kleine kurzgeschichte geworden, wie ich finde. sich selbst mit dieser methode zu beschreiben und alles in metaphern zu verpacken macht im übrigen sehr viel spaß ;)
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krebskolonie






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[*] Verfasst am: 7.1.2005 um 23:29


das ist schön zu hören, ich warte auf weitere kurzgeschichten ;). es ist wirklich sehr angenehm geschrieben. es hat eine art leichtigkeit. und ich mag wie du beschreibst. um es mal ein wenig genauer zu beschreiben was mir daran gefällt. mach weiter.
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