The Unity Archiv

wer hat euch verändert?
dian - 7.8.2005 um 13:45

Was mich mal interessieren würde:
Gibt es einen (oder mehrere) Menschen, von dem ihr sagen würdet, dass er euer Leben grundlegend verändert hat? (Also ich meine jetzt Menschen aus eurem Umfeld, die ihr persönlich kennt. Nicht, dass mir jetzt einer mit Jesus kommt.. *g*)
Irgendwer, ohne den ihr nicht der wärt, der ihr heute seid... jemand, der euch entweder als Vorbild oder vielleicht auch als ein abschreckendes Beispiel gedient hat...

Bei mir war das vor allem ein Typ, mit dem ich Zivildienst gemacht habe.
Bis ich ihn kennengelernt hatte, war ich zwar auch schon anders als der Rest und hab vieles auf der Welt gehasst... aber erst durch ihn ist mir so richtig klargeworden, was ich eigentlich will im Leben.
Davor habe ich mich relativ ziellos durch mein Leben durchgemogelt, habe mich oft gelangweilt und keinen wirklichen Sinn darin gesehen. Erst, als ich ihn getroffen habe und mich so ein bisschen mit ihm angefreundet hatte, begriff ich, dass es in erster Linie so eine richtig innige, tiefe Freundschaft war, die mir in meinem Leben immer gefehlt hat.
Ich versuchte, eine solche Freundschaft aufzubauen... mit ihm, und danach noch mit manch anderem...
doch es gelang nicht. Meine Vorstellungen von Freundschaft deckten sich nicht mit denen der anderen Leute in meinem Alter. Ich begann zu fragen,warum das so ist...warum diese Oberflächlichkeit? Wieso dieses coole Gehabe in vielen Cliquen, wieso gibt es so viele Enttäuschungen und Verrat?
War ich verrückt, weil ich vieles anders sah als die anderen? Oder wurden die meisten anderen jungen Leute einfach nur falsch erzogen? Wachsen sie vielleicht in einem System auf, das ihnen von Kindesbeinen an die falschen Werte eintrichtert?

Ich war nie politisch. Ich habe zuvor nie lange über soziale Gerechtigkeit oder so irgendwas nachgedacht... und hätte man mir als 15- oder 16jähriger 100 Mark gegeben, damit ich vor der Kamera den Hitlergruss mache, hätt ich das sicher sofort gemacht.
Ein einzelner Mensch hat in mir eine Wandlung ausgelöst. Dadurch, dass er einfach nur da war und mich an irgendetwas erinnert hat, das wohl tief in mir drin geschlummert haben musste, doch von mir lange Zeit über nicht richtig wahrgenommen wurde.
Irgendwie bin ich ihm heute noch dankbar dafür, und doch hasse ich ihn auch ein wenig, weil er nie das war, was ich damals in ihm gesehen habe. Aber er hätte es sein können...

So, das war meine Story zu dem Thema. Was habt ihr zu erzählen?
Irgendwer, der euch "verändert" hat?


Seneca - 7.8.2005 um 19:00

Bei mir ist das eine ziemlich komplexe Sache, da ich trotz meines bisher kurzen Lebens sehr unterschiedliche Lebensphasen durchlaufen habe. Im allgemeinen ist es so, dass mein persönliches Umfeld immer etwas auf mich abgefärbt hat. Das hat an sich nichts mit dem Verlust von Individualität zu tun, aber wenn man sich auf die Menschen, die einen umgeben einlässt, ist es ganz einfach so, dass man eben mit denen viel zu tun hat und daher auch von ihnen "lernt". Mal abgesehen von den Menschen, die einen immer verändern (Eltern etc.) gab/gibt es ein paar Menschen in meinem Leben, die mich nachhaltig und stark geprägt haben. Ich liste sie hier der Reihenfolge nach auf.

1. Mein Lateinlehrer
Man sollte es nicht glauben, aber manchmal sind Lehrer an der Schule doch zu etwas gut. Besagte Person war schon ziemlich alt, Fächer: Latein, Griechisch, Religion, Aussehen: Anzug und Krawatte. Um es kurz zu machen: Offensichtlich ein konservativer alter Sack, auf den ein junger Mensch nicht hören sollte. Aber so war der eigentlich gar nicht. Er is viel in der Welt rumgekommen, hat schon so ziemlich alles ausprobiert, hat sich für alles interessiert, die Schüler geschützt und die Kollegen auf die Schippe genommen. Und dann haben wir immer angefangen moralische/Vernunftsdiskussionen zu führen und darüber zu reden was im Leben falsch und richtig ist. Bis heute merke ich allein daran wie ich heute über den Sinn des Lebens denken würde, dass diese Person mich geprägt hat.

2. Einer meiner besten Freunde. Das ganze hat folgenden Hintergrund:
Mein Freundeskreis hat bisher eigentlich immer nur aus Leuten bestanden, die zwar wirklich in Ordnung waren, sehr gute Freunde. Aber dennoch waren sie wie soll ich sagen, ein bestimmtes eng abgegrenztes Spektrum von Menschen, die sich mehr oder weniger geähnelt haben. Mit anderen hatte ich eigentlich wenig zu tun und so hat sich das auch auf Jahre festgefahren. Ich bin also von diesen Freunden beeinflusst älter geworden und hab mich eigentlich nicht verändert. Und irgendwann hatte ich irgendwie Probleme mit mir selbst und mit allem eigentlich. Es lief einfach nicht mehr. Dann habe ich mich mit jemand neuem angefreundet, mehr oder weniger zufällig, der anders war. Er hat einfach an sich ein anderes Leben geführt als die anderen und mir dadurch, wie soll ich sagen, eine Einsicht in eine neue Facette des Lebens eröffnet. Das hat mich dazu bewegt nachzudenken und mich selbst und mein Leben umzugestalten, sodass ich wieder zufrieden mit mir sein konnte. Das hat mir echt geholfen.

3, Last but not least: Theunity
Ich kann zwar nicht behaupten, dass dieses Forum hier mich jetzt total umgekrempelt hätte oder esseziell für mein Leben gworden wäre, aber das Nachdenken und diskutieren tut gut und hilft.


dian - 7.8.2005 um 23:16

Du wirst lachen, aber auch an mir hat mein ehemaliger Lateinlehrer so seine Spuren hinterlassen...
Der Typ war der totale Freak. Er kam oft mit Anzug und Krawatte in die Schule, und dazu trug er immer einen blauen Strandhut. Er war ein Fan von dem Dichter Hölderlin, und seine Wohnung bestand nur aus Bücherregalen und einem Bett.
Zwischen mir und ihm bestand immer so eine Art Hassliebe, die schon ein wenig über die normale Lehrer-Schüler-Beziehung hinausging. Einmal war er bei meinen Eltern zu hause, weil er sie unbedingt dazu überreden wollte, dass sie mich auf ein Internat schicken. (das wäre gut für meine Entwicklung, meinte er...) Ach ja, und er hat damals schon zu mir gesagt, dass ich mal ein Künstler werden würde, obwohl ich damals nur drüber gelacht habe, weil ich mich zu dem Zeitpunkt weder für Musik noch fürs Schreiben interessierte.
Was er in mir verändert bzw. gefördert hat, war dass ich von ihm viel über die Kunst des Philosophierens und Miteinander-diskutierens erfahren habe. Er war sehr darauf bedacht, seine Schüler mitentscheiden zu lassen. Irgendwann mal haben wir zum Beispiel eine dreiviertel Stunde lang darüber diskutiert, ob wir die Abstimmung, die darüber entscheidet, ob die Abstimmung über das nächste Ausflugsziel in geheimer oder öffentlicher Wahl durchgeführt werden soll, geheim oder öffentlich durchführen sollen.
Wie gesagt, der Mann war ein Freak...
Leider ist er wenige Jahre später gestorben, sonst hätte ich ihn garantiert längst besucht und mit ihm mal ausführlich über meine Werke und Ideen geplaudert. Er hätte wahrscheinlich das meiste völlig anders gesehen als ich... aber er hätte mich nicht dafür verurteilt, sondern hätte erst mal versucht, es auszudiskutieren. Oder erst mal darüber diskutiert, ob wir es wirklich ausdiskutieren sollten.
Er war schon was besonderes. Nur Latein hab ich irgendwie nicht bei ihm gelernt, denn dazu kamen wir im Unterricht viel zu selten. ;)


... - 8.8.2005 um 03:34

Also, ich kann mich nur wage daran erinnern, daß es mal ´ne Zeit gab in meinem Leben, wo ich darauf hoffte, irgendjemand kennenzulernen, der mein Leben verändern würde.
Ich hatte von vornerein immer gute Freunde, da haben meine Elztern imer drauf geachtet. Ich durfte zwar nicht auf der Straße mit den Kindern spielen, die bei uns wohnten (die waren meinen Eltern zu proletarisch oder sowas), aber schon im Kindergarten wurde das von meinen Eltern gelobt, als ich da meinen ersten festen Speilkameraden hatte.
Das war eben so ´ne bildungsbürgerliche Scheiße, das man gute Freunde zu haben hat. Das wurde von denen dann positiv sanktioniert . Ich kenn´das auch gar nicht anders. Aber es gab immer wieder Leute, die ich angehimmelt habe in meiner Jugend, die ich total toll fand, allerdings haben die nie in mein Leben eingegriffen. Je besser ich sie kennenlernte, stellte ich fest, daß die genauso sind wie ich. Die konnten mir meistens selten was geben.
Okay, gut, die richtig guten Freundschaften ware schon ein geenseitiges Geben und Nehmen. Seit der 5 . Klasse hatte ich einen besten Freund und wir beide klebten zusammen wie Pech und Schwefel, noch lange auch nach dem Abi. Aber als der mal ein Jahr Austauschschüler in den Staaten war, suchte ich neue, die fand ich auch, aber irgendwie war das alles ganz gut was zum Spaßhaben, wurde aber nie so intensiv wie mit dem Freund. Als er dann zurückkam aus den Staaten, da waren wir so 17, hatte der ´ne Freundin. das änderte aber nix an unserer Beziehung. Ich stellte nur auf einmal fest, daß seine Freundin extrem eifersüchtig auf mich war und kurz danach machte der auch Schluß mit der. Ich hab´mir da auch nix besonderes gedacht, aber es war wohl schon ein Zeichen von ihm, daß ich etwas mehr war als nur sein bester Freund. Geändert hat der mich aber nur in einer Beziehung. Der konnte mich eben wie Glas durchschauen und schenkte mir dann zu meinem 18.Geburstag ein Buch von Martin Walser "Ein fliehendes Pferd.". Und da war genau die Situation drin wiedergegben, die ich öfters schon zu diesem Zeitpunkt hatten. Zwei Ehepaare treffen sich, der Erzähler ist ein ruhiger genußsüchtiger gemütlicher Bildungsbürger und der andere so ein Tausenddessa, der viel Sport macht, erfolgreich ist usw. Am Ende entpuppt sich aber alles als Gegenteil dessen, was es zu sein scheint. Und das war dann genau die Situation, die ich kenne, wenn ich mal Menschen für bewundernswert hielt.
Ich kann ´ne ganze Latte an Leuten aufzählen, über die ich mich sehr freue, daß ich sie kennengelernt habe, aber da war nix so direkt drunter, daß sich mein Leben dadurch veränderte.
Wirklich verändert hat mich mein Kontakt in meiner Zivizeit, wo ich das erste Mal mit geistig behinderten Menschen zusammenarbeiten mußte. Deren bdeingungsloses Vertrauen (klar, die haben ja auch keine andere Wahl), das war was, was ich bis dato noch nicht erlebt hatte, deren Egoisimus, deren absolutes Ignorieren aller gesellschaftlicher Normen, auch zwischenmenschlicher Natur, das war was, was mir imponierte. Allerdings können die da auch nix für. Aber die haben mir wirklich was gebracht. Ohne die wär ich nicht der, der ich heute bin, sondern viel verklemmter und wahrscheinlich auch unglücklicher.


Killing Joke - 8.8.2005 um 16:30

Schwer zu sagen, wer mich verändert hat... Ich muss sagen, dass es im Großen einer war: Ich.
Wäre ich nicht in ein totales seelisches Loch geraten, wäre ich vielleicht niemals zum Nachdenken gekommen. Ich war schon immer eher ein Schweiger, der sich insgeheim komplexe Gedanken macht, die schwer in Worte zu fassen sind, und eben diese Gedankengänge ausgelöst durch langes Alleinsein und Abschotten haben mich sehr verändert. Der stille Hass, der sich in mir entfaltete, hat sich zu einer sachlichen und realistischen Objektivität gewandelt. Durch das Internet bin ich vor langer Zeit hierher gestoßen und wusste, dass ich mit meinen Gefühlen nicht allein bin.


Blacklight - 9.8.2005 um 10:56

Hmm...Also ich kann nicht grade sagen,dass mich jemand geändert hat...
Aber im großen und ganzen ist es mein jetztiger Freund gewesen...Seit ich mit ihm zusammen bin gibt er mir das Gefühl jemand zu sein.
Bis jetzt habe ich nur sehr ausgeschlossen gelebt...Mit meinem Gedanken alleine...Habe mir von anderen alles gefallen lassen...Nie gewagt etwas wogegen zu sagen...
Doch dank ihm bin ich lebendiger geworden...Ich wage mich mehr und bin Selbstbewusster geworden....


algiz - 9.8.2005 um 21:31

darüber möcht ich garnicht nachdenken.
sonst erschieß ich mich womöglich, falls ich auf einen wunden punkt treffe.
sorry.


nachdenki - 14.1.2006 um 19:32

Welch schönes Thema, erwecke ich es mal zum Leben.

Mir fällt so direkt keine Person ein, die mein Leben komplett geändert haben könnte.
Natürlich haben mich mehrere Menschen in meinem Leben geprägt, aber niemand in so großem Maße, dass ich es erinnern könnte.
Es gibt nur jemanden im Internet, der meine Entwicklung beeinflusst / beeinflusst hat. Ich hab ihn auch schon im realen Leben getroffen.
Er war der Erste, den ich "getroffen" habe, der eine ähnliche Einstellung zum Leben und zur Gesellschaft hat wie ich. Ich wäre warscheinlich heute etwas anders wäre ich damals nicht so ausgiebig mit ihm ins Gespräch gekommen.
Ich weiß nicht genau in wie fern ich mich durch ihn enwickelt hab oder verändert habe, aber ich glaube seit dem habe mehr Erkenntnis dadrüber wer oder was ich bin, und sehe es teilweise positiv "anders" zu sein, als die Mehrheit.


dead_virus - 14.1.2006 um 19:45

Eine bestimmt Person fällt mir spontan jetzt nicht ein, gibt es glaube ich auch nicht.
Es gab einige Menschen die mich in gewisser Weise beeinflusst haben, aber viel mehr indem sie sich in meinen Augen falsch verhielten und ich mir dachte, das ich so nicht sein will.
Was mich aber wohl mehr verändert hat war die Abwesenheit von irgendwelchen Menschen. Wenn man niemand hat an dem man sich orientieren kann ist man gezwungen nachzudenken und das hat mich sicher auch verändert, denk ich mal.


... - 15.1.2006 um 05:17

Die Frage ist ja auch öfters, fällt mir so gerade auf, was verändert Euch gerade, in diesem Augenblick?
Mir ist das schon mal aufgefallen, wenn Leute so etwas ältere Thrads ausgraben, daß ich da manchmal Sachen lese von mir, die ich schon manchmal ein paar Monate später, nicht mehr so schreiben würde.
Hier in dem Falle habe ich aber malnachgeguckt, das würd´ich auch noch heute so schreiben.Soviel verändert mich wahrscheinlich im Moment gar nicht.


hopeless - 15.1.2006 um 16:02

ich hab ja seit n paar monaten das vergnügen, mich in nem neuen menschlichen umfeld bewegen zu können. da kann man sich mal wieder "ausprobieren"; im westen, wo alle viel oberflächlicher und poliert sind. die these hat sich für mich aber noch nicht bestätigt. vielleicht bin ich dafür zu oberflächlich oder zu desinteressiert? ;)
ansonsten beeinflussen mich die leute denke ich wie immer.. spornen mich an, um unliebsame wesenszüge slalom zu leben oder in der nächsten klausur besser zu sein als dieser zweifellose schnellschwätzer.
die "alten freunde von zu hause" haben da denke ich schon mehr einfluss, einfach weil die jetzt auch anfangen eigene (also verschiedene) wege zu gehen und man so ein stück lebenserfahrung teilen kann.


quaid - 16.1.2006 um 01:47

naja. ich würde ja "niemand" sagen. aber wenn ich mehr drüber nachdenke, dann wäre es wohl dian, den ich nennen müsste.

ich bin damals zur unity gekommen und hab jene als einen ort angesehen wo ich mich mal so richtig freischreiben konnte und leute finden, die sich das dann durchlesen und einen verstehen können.
daran teilzuhaben ist mir schon sehr viel wert. und ich wüsste auch sicher nicht, wie es für mich heute aussehen würde, wenn ich nie auf die unity gestoßen wäre.


Yue - 29.8.2006 um 21:59

Jede Person die ich jemals in meinem Leben getroffen habe
ist wichtig für mich .
Ohne jeden Einzelnen würde ich jetzt nicht hier sitzen .
Viele Menschen haben mir auch schmerzen zugefügt aber ich bin dankbar und
glücklich das sie das getan haben .


roccologic - 29.8.2006 um 22:40

Mein cousin

Eines tages als ich gerade in die 2 klasse volksschule ging hatte ich ein gespräch mit meinem cousin, er brachte mein weltbild das mir meine mutter eingetrichtert hat durcheinander. Er hat mein bis dahin fixes christliches gottbild aus der bahn geworfen, seitdem kann ich nicht mehr an einen christlichen gott (gott als person) glauben.
Am nächsten tag im religionsuntericht hab ich zum lehrer gesagt das ich nicht mehr an gott glaube. :D Danach hat er mich folgelabert :12:


Soulmirror - 30.8.2006 um 11:42

hmpf wieso ist mir der thread nie aufgefallen :|

naja was solls... als ich den threadtitel gelesen hab, musste ich erstmal kurz überlegen und als erstes kam raus, dass man ja von jedem menschen irgendwo verändert wird. aber das will man ja net hörn :D
naja also zu den großen veränderern gehört wohl allen vorran meine mutter... zum schlechten zu wie zum guten. ersteres ist aber im moment angesagt :/

dann hat noch maike meine "seelenverwandte" ;) damals ziemlich mein leben verändert. sie war so die erste person mit der ich richtig reden konnte. eben nicht nur zuhörte sondern auch verstand was ich meinte. das hatte mich damals (war ich 16) schon ziemlich umgehaun. und da fing das mit dem nachdenken und hinterfragen erst richtig an weils eben fruchtbaren boden gab auf dem man sich austauschen konnte und neue gedankengänge erfahren hatte.

verändert hat mich sicherlich auch einer meiner besten freunde (die beim unity treffen in köln dabei warn, wissen wen ich mein: den kubaner hehe). er hat mir ein bisschen die gelassenere lebensweise vorgelebt und das man sich net immer nen kopp machen sollte.

zu guter letzt ist da wohl noch meine freundin zu nennen. sie ist so im moment eigentlich der einzige mensch mit dem ich mich auch wie man so schön sagt über alles unterhalten kann. die hat mich dadurch schon auch irgendwo ins positive verändert :)


nachtrag: [QUOTE]und hätte man mir als 15- oder 16jähriger 100 Mark gegeben, damit ich vor der Kamera den Hitlergruss mache, hätt ich das sichersofort gemacht.[/QUOTE] ich würd das heut noch machen :D


... - 31.8.2006 um 02:47

Stimmt, der Kubaner hätte gut eine Lebensberatung für depressive Menschen aufmachen können.
Der zeigte, wie man nicht depressiv wird!:65:


HëllRÆZØR - 31.8.2006 um 19:21

Da könnte ich viel zu schreiben, ich halt's aber kurz.

Menschen, die mich verändert haben:
- Meine Mutter (Individualismus, ein wenig Empathie und Werte, vor allem Ehrlichkeit)
- Mein Vater (Individualismus, soziales Verhalten, und vor allem logisches Denken)
- Meine große Liebe (ich hab' wahrscheinlich wegen ihr mit E-Gitarre angefangen)
- Einige Lehrer (eigentlich alle Latein-Lehrer und mein Oberstufen-Mathe-Lehrer)
- Meine Freunde, die ich nach der Schulzeit kennengelernt habe
- Die Mathe-Dozenten an der Uni (Naturwissenschaftliche Arbeitsweisen)
- Das Unity-Forum (Dinge, über die man sonst eher selten diskutiert und redet)

Menschen, die mich durch meine Abwesenheit verändert haben:
- Meine Gesammtschulklasse (War ich froh, als ich die nicht mehr täglich sehen musste, als ich auf's Gymnasium gewechselt habe. Ich weiß nicht, was sonst noch aus mir geworden wäre ^^)


... - 1.9.2006 um 02:17

Find´ich interessant, dass einige hier ihre Eltern angeben.
Ich würde bei meinen Eltern sagen, dass die mich geprägt haben, aber nicht, dass sie mich verändert haben.
Da ist noch ein riesiger Unterschied!


Keksguerilla - 21.10.2006 um 17:36

Veraendert... hm.
Da ist mein Vater, der mir die Sehnsucht nach Afrika eingeimpft hat. Wo ich uebrigens momentan auch bin und wo ich verdammt viel Zeit habe, um ueber genau solche Fragen nachzudenken. Da er mit seinen Geschichten einer der Hauptschuldigen an meinem Jahr in Ruanda ist und da dieses Jahr sicherlich tiefe Spuren hinterlassen wird bzw schon hinterlaesst, steht er ziemlich weit oben.
Ausserdem bin ich definitv durch die Phasen gepraegt, in denen seine Krankheit meine ganze Familie an ihre Grenzen getrieben hat.

Da ist Jan, der mit 10 an Leukamie gestorben ist und der der Grund fuer viele, viele Fragen ist, die mein ebenfalls 10jaehriges Gehirn beschaeftigt haben.

Da ist meine beste Freundin Nike ("nicht wie der Turnschuh sondern wie die Siegesgoettin" ;) ), die seit meinem dritten Lebensjahr daran Schuld ist, dass ich nie ganz dem Mainstream verfallen bin, der ich einen grossen Teil dessen, was ich an Selbstbewusstsein habe, verdanke, ohne die meine Kindheit verdammt viel schlechter gewesen waere und ueberhaupt. Ich will nicht wissen, wer ich heute ohne meine Rebellenfreundin waere.

Dann ist da mein erster und einziger Freund, der mich an einem schlimmen Tiefpunkt aufgefangen und mir sozusagen eine andere Welt gezeigt hat. Er hat mal gesagt, ich wuerde in einer Seifenblase leben, das trifft es eigentlich ganz gut. Seit wir uns kennen, werden die Waende stetig duenner. Er hat meine Musikkenntnisse revolutioniert, in tausenden Diskussionen meine Werte und Ueberzeugungen hinterfragt, bis hin zur Verzweiflung meinerseits. Er ist derjenige, der alle meine verqueren gedankengaenge kennt und zu dem ich groesstes Vertrauen habe, dem ich unglaublich viel Neues zu verdanken habe. Derjenige, mit dem ich mich schlimmer gestritten habe, als mit jedem anderen und derjenige, den ich hier gleiczeitig am meisten vermisse. Er hat mir die Extreme gezeigt.

Plus viele andere, fuer die meine Internetzeit aber nicht reicht.


Thiandra - 21.10.2006 um 19:23

Hmm, ich denke das jeder Mensch den ich bisher getroffen habe mein Leben beeinflußt hat.
Aber es gibt keinen den ich rühmen könnte diese Auszeichnung für sich auf großem Raum in Anspruch nehmen zu können.

Es war wohl eher so, daß ich bis vor einigen Jahren äußerst brav und pflichtbewußt war. Jedenfalls nach außen hin...
Doch irgendwann konnte ich es nicht mehr ertragen immer so zu handeln wie es von mir erwartet wurde und ich beschloß mir selbst verantwortlich zu sein.
Seither wachse ich an/aus mir selbst. ;)


... - 22.10.2006 um 05:44

Eyy, @Keksguerilla, da bist Du ja wieder.
Ich glaube, hier hatten Dich schon welche mal vermisst.
Du bist in Ruanda?
Das hört sich interessant an, wie der Rest auch, den Du da schreibst.

Wenn Du mal mehr Zeit für´s Internet hast, schreib´mal was dazu, wie Du dahin gekommen bist und was Du da machst. Das würde mich interessieren.


Keksguerilla - 22.10.2006 um 13:49

Hi Arne,
Viel Zeit ist diesmal auch nicht. Bzw Zeit schon, aber das Internet hier ist so lahm, ausserdem laeuft hier eben alles nach african way. Der Hauptspruch hier ist "Buhoro, buhoro", also "langsam, langsam".
Zu Ruanda in Kurzvariante:
Ich mache ein FSJ (ein nicht anerkanntes *grummel*) in Ruanda, ueber 13 Monate. Bisher war ich 3 Monate in einer Dispensaire, also einem Gesundheitszentrum mitten in der Pampa, 8 km von der naechsten Teerstrasse entfernt, wo ich Kinder geimpft, HIV-Tests registriert, Schwangere gewogen habe etc. Das alles ist spannend, geht aber an die Nieren, manchmal ist die Wut ueber die Ungerechtigkeit kaum auszuhalten, wenn ein Kind stirbt, weil ihm 30 Euro zur Behandlung fehlen etc.
Die restlichen 10 Moante werde ich teils in einem Witwenzentrum teils im Fluechtlingslager verbingen, mit ziemlich bunt gemischten Aufgaben. Wie ich hier hinkomme ist eine gute Frage...
Afrika fasziniert mich, seit ich klein bin, damals waren es eher die Loewen und Elefanten und Giraffen und heute sind es eben die Menschen, die Kultur, alles. Als ich in der 12. Klasse war, habe ich mich dann bei einer FSJ-Organisation beworben, die ins AUsland schickt mit Wunschziel Afrika, kurz danach habe ich eine Gruppe Ruander kennengelernt, einen Priester mit einer Jugendgruppe. Der Priester hat mir Kontakt zu seinem Bischof verschafft (der im Rahmen des WJT auch gerade in Deutschland war, und auch noch in Trier, wo ich herkomme) und in einer Spontanaktion habe ich einen Vertrag mit der Dioezese Byumba in Ruanda unterschrieben. Der Vertrag liess sich mit viel hin und her und etwas Mogelei meinerseits mit der Organisation koppeln, die mich auch angenommen hat, und die finanzieren jetzt alles. Erst bei dieser Geschichte hat mein Interesse fuer Ruanda eingesetzt.
Ruanda ist ein Land, das unheimlich stark in Bewegung ist, mit viel Energie danach strebt, seine Situation zu verbessern. Ich moechte jetzt nicht die Politik in diesem Land loben, hier laeuft viel falsch, aber dieses starke Streben nach Veraenderung hebt Ruanda meinr Meinung nach von vielen anderen Laendern hier ab. Es findet auch eine sehr intensive Verarbeitung des Genozids von 94 statt und es ist interessant zu sehen, welche Wege die Menschen hier dafuer gefunden haben.
Wo ich erst noch tiefer einsteigen werde, ist der Konflikt im Kongo. Im Fluechtlingslager, wo ich arbeiten werde, leben seit 10 Jahren 18000 Kongolesen, die momentan auf Veraenderungen in ihrem Land hoffen, wenn die Wahlen naechste Woche stattfinden. Ich schreibe alle 2 Monate Rundmails an alle moeglichen Leute, die zwar eher meine persoenlichen Erlebnisse beschreiben, aber wenns jemanden interessiert, kann er sich ja mal melden.
Das ist jetzt doch viel Text geworden...


hopeless - 22.10.2006 um 14:08

ich fänds auf jeden fall interessant, wenn du ab und an einfach auch hier her ein paar zeilen schreiben würdest.


... - 23.10.2006 um 05:14

Fänd ich auch.
Insbesondere wie Ruanda mit seiner Genozidgeschichte umgeht, würde mich mal interessieren.
Ist ja evtl. auch für Deutsche ganz lehrreich!


anapaest - 29.11.2006 um 19:36

Mein alter Lehrer.

Er hat sich immer nur vage an den Lehrplan gehalten und uns das vermittelt, was er für wichtig hielt. Der Unterricht unterschied sich enorm von den anderen Lehrern. Er hatte immer nur ein kleines Notizbuch und ein paar Stifte dabei, den Rest improvisierte er während der Stunde. Er hat uns wirklich selber denken lassen und man hatte das Gefühl, nicht stur das übernehmen zu müssen, was er uns vorgab.

Durch ihn lernte ich das Hinterfragen von Dingen. Er sagte immer für jede Wirkung gäbe es eine Ursache und diese müsste man herausfinden.

Die anderen hatten ihn gehasst, weil sein Stoff sehr schwer war und wir doppelt soviel lernen mussten wie in den Parallelklassen. Ich selbst war auch um eine Note schlechter in seinen Fächern, aber das nahm ich für den großartigen Unterricht gerne in Kauf.


Widar - 29.11.2006 um 23:10

Meine Eltern natürlich. Ansonsten lasse ich mich aber kaum beeinflussen. Es gibt noch so einige Leute/"Freunde", die es geschafft haben, mein Selbstvertrauen so weit zu verringern, dass ich eigentlich gar keines mehr habe. Ich bezweifle, dass ich es schaffe, nochmal etwas daran zu ändern. Immerhin hat das mittlerweile alles nachgelassen.


HëllRÆZØR - 29.11.2006 um 23:55

Oje, erinnert mich an meine Gesamtschulzeit, meine Klasse hat mich auch schwer was an Selbstbewusstsein gekostet. Zum Glück hab' ich nach der 7 'nen Schlussstrich gezogen und die Schule gewechselt, da hat man mich dann halbwegs in Ruhe gelassen. Meine ersten echten Freunde habe ich allerdings erst nach der Schulzeit kennengelernt.


MAUS - 30.11.2006 um 01:03

Zitat
Original von Widar
Es gibt noch so einige Leute/"Freunde", die es geschafft haben, mein Selbstvertrauen so weit zu verringern, dass ich eigentlich gar keines mehr habe. Ich bezweifle, dass ich es schaffe, nochmal etwas daran zu ändern.

Hallo, Widar, schön, daß Du zur Unity gefunden hast! :13:
Die Situation kenne ich sehr gut, hab ich schon oft durchgemacht. Jetzt gerade bin ich wieder mal in so einer Phase, in der mein Trotz langsam wieder zum Vorschein kommt, und ich mir mein schwer erworbenes und dann wieder systematisch von anderen Menschen zerstörtes Selbstbewußtsein/vertrauen zurückerobere (Rückschläge sind normal). Ich bin übrigens 35, schaff das also schon ne ganze Zeit länger, als ich jemals gedacht hätte. Wichtig ist natürlich, daß es jemanden gibt, der einen daran erinnert, daß Menschen, die so scheiße drauf sind, daß sie versuchen müssen, andere kaputt zu machen, es einfach null Wert sind, daß man für sie leidet. Sagt sich natürlich so leicht... weiß selbst, wie schwer das ist, hilft Dir nun vermutlich auch alles gar nicht weiter *seufz*, aber hier ist jedenfalls ein guter Ort, um es mal mit einen "Neuaufbau" zu versuchen, viel Glück, Erfolg, und was man sonst noch so braucht!


... - 30.11.2006 um 06:08

Mach' ruhig mal 'nen Thread mit dem Thema "Selbstvertrauen" auf, @Widar!
Mangelndes habe ich eigentlich nicht, aber das wird bestimmt interessant.


Hansi - 30.11.2006 um 07:24

das is eigentlich ne tolle idee @arne. dann kann man gerade @widars problem gut analysieren und lösen. aber ich finds schon gut, dass du dich hast breitschlagen lassen hier mit zu posten @widar ;). wir bauen dich schon wieder auf :).


Widar - 30.11.2006 um 16:33

Zitat
Original von MAUS
Zitat
Original von Widar
Es gibt noch so einige Leute/"Freunde", die es geschafft haben, mein Selbstvertrauen so weit zu verringern, dass ich eigentlich gar keines mehr habe. Ich bezweifle, dass ich es schaffe, nochmal etwas daran zu ändern.

Hallo, Widar, schön, daß Du zur Unity gefunden hast! :13:
Die Situation kenne ich sehr gut, hab ich schon oft durchgemacht. Jetzt gerade bin ich wieder mal in so einer Phase, in der mein Trotz langsam wieder zum Vorschein kommt, und ich mir mein schwer erworbenes und dann wieder systematisch von anderen Menschen zerstörtes Selbstbewußtsein/vertrauen zurückerobere (Rückschläge sind normal). Ich bin übrigens 35, schaff das also schon ne ganze Zeit länger, als ich jemals gedacht hätte. Wichtig ist natürlich, daß es jemanden gibt, der einen daran erinnert, daß Menschen, die so scheiße drauf sind, daß sie versuchen müssen, andere kaputt zu machen, es einfach null Wert sind, daß man für sie leidet. Sagt sich natürlich so leicht... weiß selbst, wie schwer das ist, hilft Dir nun vermutlich auch alles gar nicht weiter *seufz*, aber hier ist jedenfalls ein guter Ort, um es mal mit einen "Neuaufbau" zu versuchen, viel Glück, Erfolg, und was man sonst noch so braucht!

Hallo, MAUS. Dass ich hierher gefunden habe, habt ihr dian zu verdanken, und dass ich schreibe Pantheist. Aber das ist eine andere Geschichte. :13:
Ich kenne eigentlich so gut wie keine Menschen, die es genauso sehen. In der Schule sehe ich jeden Tag, wie andere niedergemacht werden und sich die Leute auf eine höhere Stufe stellen wollen. Mag aber auch sein, dass nur ich das zu eng sehe, da ich denke, dass ich Hypersensibel bin. Wenn jemand psychisch verletzt wird, ist es meiner Meinung aber egal, wie das nun gemeint war. Danke für die Unterstützung. :13:

Ich werde später wohl einen Thread dazu aufmachen. Dann kann ich etwas mehr erzählen und ihr analysieren oder so ähnlich.


Ina - 1.12.2006 um 01:00

Ja mach, ich freu mich immer, wenn man mir meine unerfreulichen Ansichten widerlegt :13:


... - 1.12.2006 um 04:06

Analysieren tun wir hier eigentlich nur Mathematik und Gesellschaftssysteme, aber wir labern eben gerne über unsere Ansichten.
Und hören auch gerne mal neue!


jan91 - 11.2.2007 um 21:52

obwohl mir jeder mensch in meinem leben ein signal gibt, habe ich einige bestimmte personen im kopf:

-mein vater; letzendlich hat er mich ehrlichkeit, motivation und lebensfreude ohne fernseh gelehrt und dass wichtigste: das ich zu dem stehe, was ich gemacht habe.

-mein (leider) ex-klassenleher; nachdem ich sehr schlechte ehrafhrung mit lehrern, der schule im allgeimeinen und dem bildungsstand in deutschland gemacht habe, hat er mit gezeigt, das es lehrer gibt, die nett sein können UND einem was beibringen können...danke, Herr Becker.

-dasselbe gilt für meinen (ex-) biolehrer, der immer alles mit humor genommen hat und bei dem etliche nur gute noten hatten...es gibt tatsächlich vernünftige lehrer...selbst an unserer schule

-meine mutter; hat mir beigebracht, das man netten menschen, wie meiner oma doch nicht trauen kann...lange, unintressante geschichte


Kebap - 12.2.2007 um 00:20

Jesus

und

so ungefähr alle Leute, von denen ich bücher las, die ich traf, mit denen ich irgendwann redete, feierte, tanzte, spielte und/oder schweigend u-bahn fuhr, die mir eine nachricht zukommen ließen und/oder dinge entwickelten, die ich jetzt unwissend benutze... haben mein Leben beeinflusst & verändert.


scaydcast - 12.2.2007 um 10:36

Hm, ich finde, die Frage hat etwas an sich, das mich nachdenken lässt. Ich bin grundsätzlich kein umgangsfreundlicher Mensch, hab mein eigenes Weltbild und lass mir da auch so gut wie kaum reinreden, es sei denn, ich will es so. Ich hab viel Scheiß in meiner Vergangenheit erlebt, der mich eigentlich ziemlich menschenscheu gemacht hat. Ich denke da nur an so einige Nachmittage in meiner Kindheit, in denen 3 Mütter von russischen Familien, die in dem Haus von uns gewohnt haben, ihre 7 Kinder zu mir ins Zimmer gebracht haben, mit dem Befehl, auf sie aufzupassen. Tja, und was macht man als 14jähriger dann mit 21 Kindern in seinem Zimmer, die allesamt kein Wort deutsch können und dich mit irgendwelchen russischen Kryptografien zunudeln während sie deine Schränke ausräumen? Man fängt an, sie zu hassen. Man fängt an, die Eltern zu hassen und ihre scheiß christlichen Prinzipien (Tu es für Gott). Man fängt an, sich immer weiter zurückzuziehen und das geht dahin, dass diese Damen irgendwann einfach vor meiner verschlossenen Tür standen und sehen mussten, wohin mit ihrer Brut. Das macht mich heute noch wütend, wenn ich daran denke.

Zu erzählen gibts da sicherlich noch vieles, was ich mit zu dem rechnen würde, das mich verändert hat. Z.B. mein Pastor, der mir inbrünstig gewünscht hat, mein Vater hätte mich auf die Straße gesetzt und mich armselig verrecken lassen, denn das wäre besser gewesen, als wenn er eine ungläubige Schwuchtel in seinem ach so heiligen Elternhaus hätte. Ob das die wahre Bedeutung von christlicher Nächstenliebe ist? Man weiß es nicht.

Ich bin in vielen Punkten ein ziemliches Arschloch. Bin jemand, der gern über andere herzieht, sich über ihre Dummheit lustig macht und gern dabei zusieht, wie die Menschheit an ihrer Blödheit verreckt. Ich denke mir immer: Es wäre so leicht, mal sein Gehirn anzustrengen und darüber nachzudenken, was dem andren besser gefällt: Eine liebe Bemerkung oder zutiefst empfundene Abscheu. Und dann heult mir jeder die Ohren voll, er hätte keine Freunde und so einen Scheiß. Die Menschen machen sich mit ihrem Verhalten so viel kaputt und haben mir damals auch alles kaputt gemacht, bis ich irgendwann begriffen habe, dass ich mein Leben in der Hand habe und eigentlich nicht auf andere angewiesen bin. Ich habe begriffen, dass sich vieles allein dadurch entscheidet, wie ich darüber denke und zu was ich es mache. Klar, ich komm mit vielem nicht klar, und dennoch habe ich eine Art zu leben gefunden, mit der ich sehr gut klar komme. Und die praktiziere ich und stoße dabei immer wieder auf Aggressionen, Wut oder andere Gefühlsausbrüche von Menschen, die das missverstehen.

Mein Freund sagte mir mal, es wäre hilfreich, ich würde eine Bedienungsanleitung für mich schreiben, weil man dann sicherlich sehr viel besser mit mir klar kommen würde. Ich bin der Meinung, dass das nicht unbedingt notwendig ist, weil man nur sein Gehirn etwas anstrengen muss und nicht gleich alles auf die falsche Kante kriegen, sondern in Ruhe darüber nachdenken, was gemeint ist und erkennen, dass man vor einem Streit die Möglichkeit hat, mich zu fragen, wie das gemeint war. Dann kommt man eigentlich immer sehr gut mit mir zurecht. Aber meinen Erfahrungen nach fallen die Leute viel lieber mit allen Waffen blut- und speichelleckend über meine Texte her, als ihrer Aggressionen Herr zu werden und die recht simple und einfache Frage zu stellen: Wie meinst du das?

Wer also hat mich verändert? Im Prinzip also eigentlich jeder Mensch, dem ich begegnet bin. Die meisten waren einfach nur ein Vorbild für etwas, das ich nie sein wollte und nie sein werde. Und einige wenige Ausnahmen haben mir gezeigt, dass mein damals radikales Denken über den menschlichen Abschaum doch nicht ganz so gerechtfertigt ist und man mit dem Wort "Mensch" doch noch etwas gutes assoziieren kann. War für mich damals undenkbar, weil ich mich nur an negative Dinge erinnere und nicht wüsste, was ich für positive Sachen in meiner Kindheit erlebt habe, denn überall war dieses miese, abscheuliche Gefühl dabei.

Gab aber auch Ausnahmen, wie mein Direktor aus Stuttgart, der auf mysteriöse Weise ein Stammleser meiner damaligen Homepage geworden ist und prompt - und auch richtig - auf einen Eintrag von mir reagiert hat, in dem ich schrieb, dass ich mich und dazu einige Herrschaften dieser Welt dem Leben entreißen wollte. Seither hat er sich eigentlich solange er dort Direktor war, immer gut um mich gekümmert und stand mir bei allen Entscheidungen mit oberster Autorität zur Seite.

Oder mein Vater, der - nach meiner Flucht von zu Hause in mein Paradies Berlin - endlich aus seinem väterlichen Koma aufgewacht ist und begriffen hat, dass ich ihn vorher eigentlich nie interessiert habe. Er hat auch das richtige getan, sich auf mein "Niveau" begeben und angefangen, mit mir zu chatten und mich dabei erst richtig kennengelernt. Daraus ist eine Freundschaft entstanden, die mittlerweile so fest ist, dass wir uns bei vielen Situationen nur noch in die Augen schauen und dann manchmal sogar wortgenau das aussprechen, was wir gerade denken.

Oder mein Freund, der im Leben viele Strapazen über sich hat ergehen lassen nur mir zuliebe. Er war immer für mich da. Hat auf alles verzichtet um meinetwillen. Hat für mich geblutet, für mich gekämpft. Und hat damit auch mein Herz erobert und das meiner Familie. Er lebt nur für mich, sagt er mir oft. Und dafür lasse ich gern die christlichen Ketzer auf unsre Familie niederregnen, weil das ein echter Freund ist. Einer, der ehrlich ist und das meint, was er sagt. Er hat mir gezeigt, dass man doch nachdenken kann, dass man zuhören kann, dass einem menschliche Gefühle der verletzten Art nicht scheißegal sein müssen.

Und nicht zuletzt dian. Jahre meines Lebens habe ich verbracht, um Leute zu finden, die mich verstehen. Die mich nicht gleich als assozialen Penner aus dem Bilde schieben oder aus anderen Gründen nichts mit mir zu tun haben wollen. Ich war vielleicht nicht immer so "böse", wie ich es heute bin. Ich war vielleicht nicht immer so zurückgezogen und unnahbar, ich hab nicht immer wild um mich geschlagen, sondern all das hat seine Gründe. Und in dian - und sicherlich (zumindest hoffe ich das) auch in dieser unity hier - habe ich Menschen gefunden, die genauso "nicht normal" sind, wie die Gesellschaft das gern hätte. Wenn ich in anderen Boards lese, lese ich meist nur Schwachsinn. Wenn ich hier einen Beitrag öffne, wundere ich mich oft, wie viel Niveau in einen Thread passt und dass dieses auch gehalten wird. Und genau das brauche ich irgendwie. Leute, mit denen man über nicht-alltägliches reden kann. Leute, die mir dabei helfen, mich selbst zu verstehen. Mein Leben besser zu leben. Oder die sogar Dinge in meinem Leben verändern. Dian hat das getan. Auch wenn ich das Ausmaß all dessen bis heute warscheinlich immer noch nicht begriffen habe, aber mein Dank ist ihm sicher.


... - 13.2.2007 um 03:12

Du hast ja schon einiges erlebt, @scaydcast!
Mach doch auch mal hier einen eigene Thread auf zu Deinem bisherigen Leben. Hört sich interessant an.

Was mir bei Deinem Posting noch auffiel, war die Geschichte mit dem Pastor.
In gewisser Weise hat mich mein Pastor nämlich auch geprägt.

Vielleicht sollte ich mal erzählen, warum ich gar nicht so kritisch der Kirche gegenüber bin wie andere und mir selber (fast) mal vorstellen hätte können, so was zu machen.

Nachdem wir zum Konfirmandenunterricht angemeldet wurden, da stellte unser damaliger Pastor beim ersten Treffen, wo auch die Eltern mitkommen sollten, folgendes den entsetzten Eltern von uns Konfirmanden vor.
Auf die Frage, was wir denn so machen würden in dem Konfirmandenunterricht, holte der 'ne Kiste farbiger Bauklötze hervor und gab jedem Schüler einen Bauklotz und sagte, mit dem können wir machen, was wir wollen.
Dann stellte er ein paar Bauklötze auf und sagte, dass jeder jetzt mal der Reihe nach seinen Bauklotz auf einen Turm dort stellen sollte, nur dürfe keine Farbe mehrmals auf den vier Klötzen vorkommen. Das ging bei vier oder fünf Farben ein, zwei Runden gut und dann kam wer dran, wo eben in allen Türmen die Farbe seines Klotzes schon vertreten war. Der saß ratlos da und mein Pastor, der auch 'nen Klotz hatte, schmiss seinen in die Mitte, so dass ein Turm zusammenfiel und somit wieder die Farben neu aufgestellt werden konnten.
Und das sagte er, wäre ein Beispiel von christlicher Solidarität gewesen.
Außerdem sollten wir uns abschminken, dass wir irgendwelche Bibeltexte da hören würden oder ähnliches. Und so lief auch wirklich der Unterricht eineinhalb Jahre ab.

Da hab' ich wenigstens gelernt, dass das ganze religiöse Gedöns auch wesentlich praktischer aussehen kann, als das blöde Predigen oder Jesusquaselei.
Der Typ hat zumindest, zusammen mit einigen sehr guten Religionslehrern, mein Bild von Religion deutlich beeinflusst. Und da bin ich auch nicht traurig drum.


HëllRÆZØR - 13.2.2007 um 05:27

:) Na sowas, da hat ja jemand das selbe Geburtsdatum wie ich - den halben Jesus bzw. den umgedrehten Nikolaus. ^^


Wegsucher - 13.2.2007 um 08:43

mein deutschlehrer hat mich dazu gebracht, darueber nachzudenken, welches wort zu benutzen waenrend 2 die selbe bedeutung haben,

mein philosophielehrer hat die fragen an die tafel geschrieben:
Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch? und sie uns einpraegen lassen.

meine british englisch lehrerin hat 'wissen' auf die eine seite der tafel und 'weisheit' auf die andere geschrieben.

mein opa hat vor einem oder zwei jahren angefangen mir ueber den weltkrieg zu erzaehlen, aus seiner sicht, von damals.

ein begraebnis, hier in einer gospel kirche in richmont, va, usa. das freundliche gesicht des pastors auch waehrend er zu orgel, chor und keyboard gesungen hat.

jede person. jedes wort. jede erinnerung. jeder augenblick. das ist was zaehlt.