The Unity Archiv

Ich bin soweit.
WeirdApparition - 1.3.2007 um 22:10

Hi zusammen,

seit kurzem bin ich hier nun registriert und habe mich immer wieder gefragt, wie ich den Einstieg in dieses Forum finden soll. Hab hier und da mal angefangen, was zu verfassen, war damit unzufrieden, hab kurzerhand wieder alles verworfen und neu begonnen. Doch glücklich war ich mit keinen, den von mir fabrizierten, Texten. Ich habe oft das Gefühl, von meiner ganzen Umgebung bewertet zu werden und kann mich deshalb bei fremden Leuten nicht frei entfalten und so sein, wie ich möchte und merke immer wieder, wie ich versuche, es allen anderen recht zu machen, auch wenn ich darunter leide.

Als ich mir dann dieses Forum hier näher angeschaut und auch intensiv über die Philosophie nachgedacht hab, fiel mir auf, dass es genau die Aussicht darauf war, die mich angezogen hat. Nämlich so sein zu dürfen, wie ich bin, ohne Zwänge, ohne Pflichten und ohne die ständige Bewertung meiner Taten.

Deswegen will ich hier mein altes Muster abstreifen und euch einfach nur mitteilen:

Ich bin hier und freue mich, eure Bekanntschaft zu machen. :)


jan91 - 1.3.2007 um 22:29

also dann in meinem namen herzlich willkommen.

hab keine angst, das beiträge nit ankommen, ich für meinen teil freue mich immer, wenn ich was zu lesen habe^^


Tzakahra - 1.3.2007 um 22:35

Hm so teilweise glaub ich zu verstehen was du meinst. Mal schaun. Jedenfalls herzlich willkommen hier, tob dich ruhig aus. *g*


Pig Pen - 1.3.2007 um 22:58

:38:


Kebap - 1.3.2007 um 23:02

weird, du musst hier niemanden beeindrucken, um akzeptiert zu werden.

wär natürlich trotzdem schön, also streng dich ma bisschen an! :D ;)


deep7 - 1.3.2007 um 23:05

Sehr sympathisch wirkst du auf jeden Fall. Aus welchem Bundesland kommst du?


Hansi - 1.3.2007 um 23:07

jo, dann schließ ich mich mal an, wilkommen in der unity.


WeirdApparition - 1.3.2007 um 23:17

deep7, ich komme aus Rheinland-Pfalz und Worms ist meine Heimatstadt. :)


MAUS - 2.3.2007 um 00:35

Hallo WeirdApparition!
Ein herzliches Willkommen auch von mir, und viel Erfolg beim abstreifen alter Muster! :13:
Zum Glück gibt es hier ne Menge unterschiedlicher Menschen, somit hast Du einige Auswahl an Meinungen zur Verfügung, und kannst es eh nie allen Recht machen, selbst wenn Du mal versehentlich in ein altes Muster zurückfallen solltest ;)


... - 2.3.2007 um 03:51

Und ich möppere sowieso gerne an allem herum.
Solange Du nicht mit irgendwelchen Fascho-Thesen ankommst, ist das alles erträglich, aber selbst dann solltest Du Dir keine Sorgen machen.

Ich möppere einfach gerne.

Ansonsten:
Hallo!


quaid - 3.3.2007 um 00:33

herzlich willkommen auch von mir.
ein bißchen erinnert es mich ja an meinen perfektionismus. es ist in etwa dasselbe.
aber irgendwo möchte man sich ja auch mal gemütlich zurücklehnen und sagen "das passt so".

in diesem sinne: fühl dich wie zu hause..


Pig Pen - 3.3.2007 um 01:09

Zitat
Original von Arne Kroger

Solange Du nicht mit irgendwelchen Fascho-Thesen ankommst, ist das alles erträglich
Hallo!


:42:

Zitat
aber selbst dann solltest Du Dir keine Sorgen machen.


öhm...???...@arne...oh doch, und wenn nicht dann mach ich mir welche....


... - 3.3.2007 um 03:41

Och, damit sind wir bislang immer fertig geworden.

Und vor verunsicherten Faschos hätte ich auch kaum Angst!


Soulmirror - 3.3.2007 um 11:26

tachchen auch von hier.

worms ist ja gar net weit weg von mir :)


Black Sunshine - 3.3.2007 um 14:58

Auch ein Herzliches Willkommen von mir!:)
Bleib einfach du selbst, es wird dich hier schon keiner umbringen :D;)


Pig Pen - 4.3.2007 um 01:15

Zitat
Original von Arne Kroger
Och, damit sind wir bislang immer fertig geworden.

Und vor verunsicherten Faschos hätte ich auch kaum Angst!


@arne..., OK, is genehmigt! *g*


... - 4.3.2007 um 04:50

Scheint ja schon wieder einiges loszugehen.

Wenn das so weitergeht, muss ich mir wohl 'n Zweitaccount für @Arna Krugerowa zulegen. :12:


WeirdApparition - 4.3.2007 um 16:30

Mal etwas mehr über mich:

Nachdem ich mit der Schule fertig war, hab ich Zivildienst in einem Krankenhaus gemacht und wollte mich während dieser 9 Monate für eine Ausbildung bewerben. Doch leider verstarb meine Mutter unerwartet in dieser Zeit und ich war, für (fast) jeden nachvollziehbar, nicht mehr in der Lage noch irgendwas diesbezüglich zu unternehmen. Anstatt mich in meiner Trauer zu begleiten, fingen meine Verwandten jedoch an, immer mehr Druck auf mich auszuüben, da ich mit 20 Jahren immer noch keine Ausbildung und ja noch nie gearbeitet hätte. Und ob ich mein ganzes Leben lang von meinem Vater leben wolle und was passieren würde, wenn er nicht mehr wäre. Ziemlich tröstlich, einem Halbwaisen die Aussicht auf den Tod des anderen Elternteils vor Augen zu führen.(er ist schon 70) Ich stand völlig neben mir und konnte gar nicht verstehen, was da überhaupt geschah. Ich hatte verdammt nochmal meine Mutter verloren und sollte mich gleichzeitig um mein Leben kümmern, was mir zu diesem Zeitpunkt völlig am Arsch vorbei ging.

Ich fühlte mich total unter Druck gesetzt, denn es verging nicht ein Tag, an dem ich keine neuen Bewerbungsvorschläge von ihnen bekam und die ständige Nachfragerei nach einem Resultat zerrte jedesmal an meinen Nerven. Mein Widerstreben wuchs proportional zu dem Drängeln der Verwandtschaft. Wenn wenigstens was Produktives von ihnen gekommen wäre, hätte die Sache vielleicht anders ausgesehen, aber die "Hilfe" bestand nur darin, mir zu sagen, wo ich mich bewerben soll. Auf die Idee zu kommen, sich mal mit mir hinzusetzen und eine Bewerbung zu schreiben oder mich moralisch aufzubauen, kam keiner. (Das kann ich zwar allein, aber es hätte mir gezeigt, dass man sich für mich interessiert und mir auch wirklich helfen möchte) Stattdessen wurde nur auf die fatalen Folgen hingewiesen, wie schlimm mein Leben werden würde, wenn ich keine Ausbildung bekäme. Die Leute redeten dann bei meinem Vater über mich, machten ihm Vorwürfe, warum er sich nicht mehr darum kümmern würde, und er ließ dann alles an mir aus. Ich sei faul, hätte keine Lust zu arbeiten und wolle ewig auf seine Kosten leben.

Dass ich noch immer unter Schock stand und mit dem Tod meiner Mutter nicht klar kam, habe ich nicht nur einmal gesagt, aber das war wohl keine Entschuldigung. Ich befand mich schon vor ihrem Tod in psychologischer Behandlung und alles Positive, was ich bis dahin aufgebaut hatte, wurde von diesem Ereignis wieder zunichte gemacht und die eigentlichen Gründe, wieso ich mich in Behandlung begab, wurden überschattet. Wahrscheinlich war ich für die anderen nur zum Spaß beim Psychologen, jedenfalls wurde das ganz unter den Teppich gekehrt und die Einnahme von Antidepressiva ist natürlich kein Grund zur Annahme, es könne mir vielleicht doch nicht ganz so prickelnd gehen.

Ich hasste die Leute dafür, dass sie die Dauer meiner Trauer für mich festlegen wollten und von mir verlangten, dass ich danach so tun sollte, als sei nichts geschehen.

Doch nicht nur meine nicht vorhandene Ausbildung war denen ein Dorn im Auge, sondern auch das Fehlen eines Führerscheins. Wenn es nicht darum ging, mir ersteres vorzuhalten, hatten sie immer noch die Füherscheinsache, die sie mir entgegenschleudern konnten.
Man hielt mich tatsächlich für zu dumm die Vorteile einen zu besitzen, zu erkennen, dabei war der einzige Grund dafür, ihn nicht zu machen, der ständige massive Druck und je mehr sie darüber redeten, desto weniger hatte ich Lust dazu. Sobald ich das Gefühl hatte, fremdbestimmt zu werden, habe ich alle Schotten dichtgemacht. Leider bin ich vom Charakter her eher schüchtern und hab zu all den Vorwürfen nie was gesagt, was die Leute dazu animiert hätte, damit aufzuhören und vielleicht war das auch der Grund für sie, fortzufahren.

Erst als ich mich selbst entschlossen hatte, den Führerschein zu machen, hat alles wunderbar geklappt. Ich erledigte alle nötigen Amtsgänge selbst, meldete mich in der Fahrschule an und hab nie eine Theorie- und Fahrstunde versäumt. Und bestand auf Anhieb.

"Den hättest du viel früher haben können" oder "Es wurde ja auch langsam mal Zeit" war die mir entgegengebrachte Anerkennung. Als ich diese Reaktionen gesehen hab, wurde mir nochmal bestätigt, dass es richtig war, erst etwas zu machen, als ich es selbst wollte. Ich denke, dass es sie einfach nur geärgert hat, dass ich überhaupt nicht auf sie hörte, sondern ganz allein erfolgreich war.

Von den ganzen Vorschlägen, wo ich mich bewerben soll, kam auch nie eine positive Rückmeldung.
Nachdem klar war, dass ich für 2006 keine Ausbildung mehr bekomme, bin ich dann zu einer Zeitarbeitsfirma gegangen, die mich prompt eingestellt hat. Zwar sind die Arbeitsbedingungen dort total mies, wie ich nach kurzer Zeit feststellen musste, aber ich halte mir immer vor Augen, dass ich mir das selbst ausgesucht und nicht auf meine "Familie" gehört habe und die daran keinen Anteil tragen, dass ich eine Arbeit hab. Ich muss niemandem dankbar sein, sondern hab alles aus eigener Kraft geschafft (sieht man mal von der super Motivation meines Freundes ab. :) Deswegen halte ich auch noch bis August durch, denn ich hab u.a. auch keine Lust, aufs Arbeitsamt zu rennen und mich mit denen rumzuplagen. Ich hab in meiner arbeitslosen Zeit auch nie irgendwelche Gelder beantragt, weils mir einfach zuwider war, mich mit den ganzen Anträgen etc. auseinanderzusetzen und ich das Gelaber der Arbeitsvermittler ohnehin für weltfremd erachte. Für die kurze Zeit wäre es auch blödsinnig, sich was anderes zu suchen, da die Ausbildung sowieso im August beginnt und das Ende der Zeitarbeit somit absehbar ist. Mir ist zwar bewusst, dass ich von einem Übel ins andere gerutscht bin, aber die Arbeit kann ich hinter mir lassen und noch bin ich nicht in der Lage, das auch von meiner Familie behaupten zu können. Dadurch, dass sie mir die ganze Zeit mein Leben schwer gemacht hat, ist es mir total wichtig geworden, dass ich behaupten kann, dass sie an den positiven Sachen in meinem Leben nicht mitverantwortlich sind.

Dass ich doch eine Ausbildung gefunden hab, erwähnte ich ja etwas weiter oben und zwar in dem Krankenhaus, wo ich schon Zivildienst gemacht hab. Hatte mich da schon für 2006 beworben, aber bekam eine Absage. Meine Hartnäckigkeit zahlte sich aber und dieses Jahr hat es dann doch funktioniert.

Vielleicht versteht ihr ja jetzt besser, warum ich mir das mit der Zeitarbeit antue, auch wenn ich im Grunde weiß, dass es die totale Ausbeute ist.

Es tut mir gut, mal von dem ganzen Mist was loswerden zu können, denn bisher hab ich vieles allein mit mir ausgemacht und bis auf mich und meinen Freund weiß eigentlich niemand so wirklich, wies in mir aussieht. Teilweise kann ich mir mein eigenes Verhalten selbst nicht erklären. Ich denke, ich werd jetzt immer mal wieder was von mir erzählen und lern mich vielleicht so besser zu verstehen.


Ina - 4.3.2007 um 21:48

Ach, man soll alles mögliche ausprobieren. Du sagst ja, du hättest zuvor noch nie gearbeitet. Da muss man sich das schon mal anschauen. Sonst kann man ja in gar keinem Sklaventhread mitreden ;)
Und dann guckt man sich mal die Ausbildung im Krankenhaus an - na gut, vielleicht gefällts dir dort ja wirklich. Ich verstehe voll und ganz, dass man nicht unbedingt vom Amt leben mag.

Ich kenne mich nicht aus, aber ist es nicht möglich, bei Zeitarbeit nur 20 oder 30 Stunden die Woche zu machen? Teilzeit sozusagen? Oder weigern die sich da?
Arbeit ist scheiße, aber nur die paar Stunden abzuleisten, die man halt für das Nötigste braucht, ist schon ertäglich. Dann ist es auch ziemlich egal, was genau man macht.

Was hat denn deine Verwandtschaft so geschwallt, was denn die ach so fatalen Folgen sind, wenn man keine Ausbildung hat? Also nicht, dass ich das Gelaber nicht kennen würde, aber vielleicht ist da ja deiner Sippe mal was Anderes eingefallen ;)


... - 5.3.2007 um 04:05

@WeiredApparition:
Was machste denn jetzt genau im KH für 'ne Ausbildung?
Krankenpfleger oder Krankenpflegerhelfer oder was?

Und bist Du mittlerweile über die Sache mit Deiner Mutter hinweg und welche Probleme hattest Du denn vorher, weil Du Antidepressiva nehmen musstest???
Ich muss das auch noch heute, nachdem ich mal 'ne Hirnblutung hatte, hab' aber Seretoninrückflußhemmer, die sind relativ neue Sachen und ziemlich harmlos und wirken auch, allerdings funktionieren die wohl auch nur gut, wenn die Depression 'n "Durchgangssyndrom" ist nach so 'ner traumatischen Sachen wie eben Hirnblutung.


dian - 5.3.2007 um 12:03

@ WeirdApparition:
Es macht mich immer wütend, wenn ich sowas lesen muss wie das mit deinen Verwandten.
Jeder einzelne von denen meint es wahrscheinlich nur gut... aber die kapieren überhaupt nicht, dass sie einen mit ihrem Geschwätz eigentlich nur unnötig quälen und einem das Leben noch schwerer machen, als es eh schon ist.
Ich kenn das vor allem von meiner Mutter. Die kann es auch nicht einsehen, dass ihre Lebensmaxime nicht automatisch auch die meinen sein müssen, und dass unterschiedliche Menschen eben auch unterschiedliche Prioritäten im Leben setzen.
Naja, irgendwann hab ich ihr dann jedenfalls, als sie mich mal wieder mit "Mach doch mal ne Ausbildung" genervt hat, klargemacht: "Es gibt auf dieser Welt nur drei Dinge, die aus mir werden könnten... Künstler, Gammler oder Terrorist. Also sei froh, dass ich zur Zeit ein Künstler sein möchte!"
Damit war das Thema dann erledigt, und seitdem hat sie mich auch nie wieder damit genervt. ;)


WeirdApparition - 11.3.2007 um 13:23

@Arne

Ich mache in der Krankenhausverwaltung eine Ausbildung zum Bürokaufmann.
Über den Tod meiner Mutter bin ich noch nicht hinweg, aber ich muss nicht mehr jede Minute meines Lebens daran denken, doch wenn ich das tue, tut es immer noch sehr weh. Irgendwie hat sich mein Zeitempfinden total geändert und ich ordne die Ereignisse in meinem Leben vor oder nach ihrem Tod ein. Bei Erinnerungen stell ich mir ständig die Frage, ob sie das noch miterlebt hat oder nicht. Früher haben wir oft Filme zusammen geschaut und ich weiß oft nicht, ob sie diesen oder jenen Film noch mitgeschaut hat. Mir kommen Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, welche Filme wir noch zusammen sehen wollten, das aber jetzt nicht mehr können.
Darüber hinwegkommen.. ich vergesse niemals den Anblick, wie ich sie tot auf ihrem Bett liegend gefunden hab und es gar nicht begreifen konnte. Sie selbst hat ihre Mutter auch tot aufgefunden, nur war es in diesem Fall Selbstmord durch Erhängen.. darüber ist sie nie hinweggekommen und wahrscheinlich auch psychisch krank geworden..in 13 Tagen ist es 2 Jahre her.

Antidepressiva nahm ich, weil ich überhaupt nicht mehr in meinem Leben klar kam und zu dieser Zeit alles auf einmal passierte. Die Entdeckung meiner Homosexualität, der Schulstress wegen Abitur, die familiären Probleme.. ich bekam das alles nicht mehr unter einen Hut. Bis ich einen Panikanfall hatte, bei dem ich dachte, ich müsste sterben. Mein Herz raste die ganze Zeit und ich bekam kaum richtig Luft. Bin also gleich zum Arzt gegangen, aber die Symptome waren nicht körperlich bedingt. Daraufhin verschrieb er mir Antidepressiva.


... - 12.3.2007 um 04:07

Also, zum einen:
Du bist Anfang zwanzig, wenn ich das richtig gesehen habe. Da ist ein gewisser beschleunigter Herzschlag nichts außergewöhnliches. Das hab' ich auch gehabt und das haben viele, insbesondere männliche Jugendliche. Da sind wenig körperliche Symptome messbar, aber das ist da und das nervt. ich hatte das auch und weiß daher, dass man da relativ leicht in Panik kommen kann. Ich bekam damals Beta-Rezeptorenblocker, die auch wunderbar wirkten.
Unter Umständen solltest Du mal Deinen Arzt fragen, ob das nicht besser wäre wie die Antidepressiva, die man aber auch nur sehr, sehr langsam absetzen kann. Ich kenn' das Zeugs ja auch.
Dieser beschleunigte Herzschlag ist im übrigen völlig harmlos, wenn Dich das beruhigt, andersrum ist schon gefährlicher, aber da kann nix passieren.

Tja, zur Sache mit Deiner Mutter kann ich Dir auch natürlich wenig weiterhelfen.
Ich kann Dir maximal erzählen, wie es bei mir war. Nur, meine Mutter war an die siebzig und ich war Mitte dreißig, als sie starb. ich hatte meinen Job, mein geregeltes Leben, meinen festen Freund (der auch wieder jetzt meine große Liebe ist, mit dem meine Mutter aber gar nicht klar kam). Und dann sind das schon andere Voraussetzungen, außerdem war mein Vater schon viel früher gestorben, da war ich gerade siebzehn.
Bei den Voraussetzungen, die ich hatte, kommt man natürlich leichter darüber hinweg.
Und obwohl ich auch schwul bin, war das Verhältnis zu meiner Mutter eher normal. Ganz im Gegenteil. Nach dem Tod meiner Mutter hab' ich erstmal nochmal angefangen, mich auch wieder für Frauen sexuell zu interessieren. Weiß ich nicht, ob das was mit dem Tod meiner Mutter oder mit den Umständen damals zu tun hatten, aber es kam in diesem Zusammenhang.

Aber Du hast doch einen Freund, oder?
Inwiefern kann der Dir denn jetzt in der Zeit weiterhelfen?
Wenn das 'ne gute Beziehung ist, sollte das ja schon so laufen, allerdings weiß ich auch, dass schwule Beziehungen meistens doch etwas komplizierter sind als die ganzen Hetensachen.
('N Grund btw, warum meine Mutter nicht mit meinem Freund klar kam, war der, dass die sich irgendwie vom Charakter her auch ähnelten, insofern glaube ich, dass man sich Beziehungen sucht, die die Elternbeziehung ersetzen.)

Bürokaufmann ist natürlich auch noch so'n Job, wo es kaum Beschäftigungsmöglichkeiten in Deutschland gibt. In NL suchen die krampfhaft Kaufleute, die auch deutsch können.
Aber in welchem Job findet man schon noch in der BRD 'ne annehmbare, halbwegs korrekt bezahlte Arbeit?


scaydcast - 12.3.2007 um 05:32

Der Freund bin ich.

Das Problem damals war schlicht und ergreifend das, dass Weird in Worms (Rheinland-Pfalz) und ich in Nidda (Hessen) gelebt habe und wir uns kaum mehr als 1x im Monat gesehen haben. Teils aus finanziellen Gründen, teils aus zeitlich bedingten Gründen. Als das passiert ist, war ich grade für ein paar Tage bei meinem Bruder in Stuttgart zu Besuch und konnte daher auch nicht viel weiterhelfen.

Dann ist das Gesamtproblem dieses, dass Weird hier (mittlerweile wohne ich "dauerhaft" bei ihm) absolut keine Anerkennung und Unterstützung in seiner Verwandtschaft findet. Die meckern, die schreien, die machen ihn fertig, wo immer sie können. Die Tatsache, dass ich anwesend bin, lindert das alles etwas (vor Fremden schreit man dann wohl doch etwas weniger), aber schafft es nicht aus der Welt. Ich habe oft das Gefühl, dass ich der einzige bin, der die Leistung und den Willen sieht, den Weird in vielen Lebenssituationen aufbringt und ich spüre, dass sie niemand würdigt. Er hatte damals zu viel um die Ohren und ich war der einzige, der ihm über Telefon und ICQ zugehört und sich mit ihm befasst hat. Alle anderen haben ihn nur fertig gemacht. "Such dir nen Job, du bist faul und siehst nur fern" etc. - und keiner hat sich auch nur die Mühe gemacht, mal danach zu schauen, bei wievielen Firmen er sich bereits beworben hatte. Dann die Geschichte mit dem Führerschein, wo jeder rumgemeckert hat - jetzt hat er ihn und was ist? Keine Anerkennung, keine Unterstützung, kein Lob, sondern es wird weiter gemeckert, weil er nicht immer jeden überall hin fährt weil ihm von den 2 Stunden, die ihm am Tag noch bleiben, sonst nichts mehr übrig bliebe.

Und bei den Bewerbungen wurden so viele "Ratschläge" erteilt, was er alles hätte machen können mit teils absolut hirnrissigen Vorstellungen. Er sollte - laut seinem Vater - einfach von jetzt auf gleich direkt persönlich in eine Firma gehen, dort den ganzen Nachmittag lang arbeiten und dann würde er schon genommen werden und nur, weil er das nicht getan hat, wird er jetzt - trotz 11 Stunden/Tag-Job immer noch als faul bezeichnet. Und dass er den Vater dann am Wochenende, wo er auch noch arbeiten muss, nicht noch irgendwo hin fährt, was absolut unnötig ist, unterstreicht für den Vater die Tatsache nochmal, dass sein Sohn faul ist. Absolut ungerechtfertigt und man selbst steht irgendwie hilflos daneben und hat die Wahl zwischen erschießen oder erdulden.

In unsrem Fall kann man absolut nicht behaupten, dass schwule Beziehungen schwieriger sind, eher im Gegenteil: Ich sehe oft, dass in anderen Beziehungen so viele Probleme entstehen, wo wir schlicht und ergreifend keine haben. Wir hatten uns seit den fast 3 1/2 Jahren, die wir jetzt zusammen sind, kein einziges Mal richtig in den Haaren. Wir verstehen uns eigentlich in allen Situationen, wir halten immer und überall zusammen und kämpfen gemeinsam gegen den Rest der Welt - die einzige Schwierigkeit, die besteht, ist die, dass einer von uns vielleicht mal ein paar Tage oder Wochen nicht beim andren ist (berufliche Gründe oder wenn ich zu meinen Eltern gehe ne Weile), das ist seelisch immer irgendwie ein kleiner Tod bzw. der Zwang zur Unvollkommenheit. Aber ansonsten ist unsre Beziehung perfekt in jederlei Hinsicht. Wir reden überdimensional viel miteinander, klären alles, bevor es zu einem Problem wird, vertrauen uns zu unendlich Prozent und wissen genau, dass wir zusammen gehören und auch zusammen bleiben. Mit Worten lässt sich das schon bald nict mehr ausdrücken. Ich merke auch, dass es hilft, dass wir uns jetzt täglich sehen und nicht mehr nur einmal im Monat, aber so tiefe Wunden heilen eben nicht so schnell aus. Eine Wunde zu reißen, dauert Sekunden, eine zu heilen, dauert Jahre. Damit muss man leben.

Erstaunlich ist auch noch, dass - obwohl in seiner Familie so viel Ärger und Stress war - er sich perfekt um mich gekümmert hat, als ich meine Tiefphasen in Stuttgart hatte und mir öfters mal das Leben nehmen wollte. Er war immer für mich da, hat meine Probleme und Sorgen getragen und seine ebenfalls, weil ich damals nicht dazu in der Lage war, mich um andere auch noch zu kümmern. Anerkennung dafür hat er bisher auch nur von mir gekriegt und alle anderen haben ihn nur fertig gemacht, weil er mich oft besuchen gefahren ist oder eben im ICQ mit mir erzählt und "Zeit verschwendet" hat. Diese Verwandtschaft und sein Vater und teilweise auch Bruder sind so ignorant und weltfremd in verschiedenen Punkten, dass man dabei einfach nur mit dem Kopf schütteln und sich umdrehen und gehen kann. Noch geht das zwar nicht, aber wir arbeiten gemeinsam darauf hin, dass wir hier ausziehen, in eine eigene Bude gehen und - er unter Umständen auch seine Ausbildung schmeißen kann.

Nichts ist schöner, als wenn man von allen unabhängig ist, finanziell und gesellschaftlich. Wir sind auf dem besten Weg...


... - 13.3.2007 um 03:17

Okay, Ihr hört Euch auch ein bisschen zu intelligent an(sag ich mal so, so wie Ihr hier schreibt), als dass Ihr in die typischen Schwulenbeziehungsmuster einzuordnen seid.

Insofern würde ich auch sagen, dass es insbesondere für Dich, @WeirdApparition, wichtig wäre, evtl. eine ganz neue Umgebung zu suchen.
Ich weiß jetzt nicht, was Du beruflich vorhast, @Scaydcast, aber wenn es möglich wäre, kann ich nur einen Ortswechsel für Euch beide empfehlen, weil das einfach auch für @WeirdApparition das beste wäre, um etwas Anstand von den nervigen Verwandten zu gewinnen und auch von den Orten, wo man sowieso nur an die Mutter erinnert wird.
Im übrigen hab' ich ja schon gesagt, es ist der Horror in der BRD überhaupt 'ne gescheite Arbeit zu bekommen und für Bürokaufleute ist der Markt hier eh dicht.

Ich selber habe das nur einmal in meinem Leben gemacht, alles stehen und liegen gelassen, und mir was neues gesucht, auch umgebungsmäßig und das tat mir gut.

Ist natürlich schlecht, wenn man gerade in der Ecke 'ne Ausbildungsstelle gefunden hat. Evtl. in ein Nachbarkaff oder sowas erstmal, dass man wenigstens etwas Distanz hat.

Bei dem Abschnitt über Eure Beziehung kam mir ein bisschen das Frösteln, aber das liegt daran, dass ich lieber Beziehungen führe, bei der ich zwar auch, wie jetzt wieder, mich mit dem Freund auch wortlos verständigen und faktisch so 'ne Seelengleichheit da ist, aber dazu gehört bei uns auch immer kräftigstes Streiten. So harmonisch wie Ihr lebt haben unsere Eltern gelebt und das will man ja dann meistens vermeiden, dass man dann genauso lebt.
Ist aber auch verständlich, dass Ihr da etwas mehr auf Harmonie macht, da Eure Elternhäuser ja nun wohl nicht immer so "harmonisch" waren. Bei uns war Harmonie = Spießigkeit.


dian - 13.3.2007 um 11:04

@ Arne:

Zitat
So harmonisch wie Ihr lebt haben unsere Eltern gelebt und das will man ja dann meistens vermeiden, dass man dann genauso lebt.

Meine Eltern haben eigentlich auch eine ganz harmonische Spießerehe geführt, wo es vielleicht mal ein wenig lauter wurde, wenn das Essen versalzen war, ansonsten aber gab es da nie ernsthaften Zoff oder sowas.
Trotzdem bin ich was Beziehungen angeht auch sehr harmoniesüchtig...
Das Leben ist doch schon stressig genug, und wenn ich viel mit fremden Menschen zu tun habe, könnte ich ständig einem diese Ignoranten in die Fresse hauen wegen irgendwas. Das muss ich mir zuhause in meinen eigenen vier Wänden doch nicht auch noch antun.
Also ich kann den Reiz, den solche Streitereien auf dich ausüben, nicht ganz nachvollziehen.
Aber wie gesagt, ich könnte auch nicht ertragen, dass die Liebe meines Lebens Jahrelang nichts von sich hören lässt und mit einer Frau zusammenlebt, und ich den nur ab und zu mal zu Gesicht bekomme. ;)
Von daher kann ich Scaydcast und WeirdApparition wirklich nur dazu beglückwünschen, dass sie sich gefunden haben, und dass das so gut funktioniert. Zu zweit ist das Leben nur halb so schwer. (sofern man den richtigen Partner hat)


... - 14.3.2007 um 04:05

Um Gottes Willen:
Ich will's denen bestimmt nicht madig machen.
Aber ich glaube, dass sich da auch einiges geändert hat in den Jahren von 1990 zu 2007.
Nämlich genau, wie Du schreibst, dass es schon genug Stress auf der Arbeit und ansonsten im Leben gibt, so dass man zu Hause Harmonie sucht.
Das war früher anders und spiegelt auch die veränderten Bedingungen in der BRD wieder, aber ich denke, dass ist ein ganz interessantes Thema, dazu mache ich gleich mal einen Thread auf, weil ich den hier nicht zerfaseln will.

Nur noch kurz was zu meiner Beziehung zu meinem Exex:
Neun Jahre sind in unserem Alter relativ kurz (der ist ja fast so alt wie ich) und trotzdem dann zu bemerken, dass es der anderen Seite in den neun Jahren nicht anders ergangen ist als wie einem selbst, nämlich immer in dem Wissen lebend, dass das die Beziehung war, wo zwei füreinander bestimmte Menschen sich liebten, ist auch ein sehr angenehmes Gefühl, aber dafür braucht man Geduld zugegebenermaßen und evtl. auch schon ein paar missratene Beziehungen vorab.
(Man kann es natürlich schwer von den Brocken, die man weiß, beurteilen, aber ich denke so, dass, wenn ich Euch so lese, @WeirdApparation und @Scaydcast, das auch bei Euch so sein könnte, dass Euch auch eine Beziehung zu jemand anderen niemals auseinanderbringen könnte.)

Außerdem kennst Du meinen Freund nicht, @Dian.
Dessen Harmoniebedürfnis ist ähnlich "hoch" wie meines. Stell' Dir einfach Klaus Kinski in Interviews vor und sag' mir, wie Du mit dem 'ne harmonische Beziehung führen könntest.:22:


scaydcast - 14.3.2007 um 05:03

Das einzige, wo man uns einordnen könnte, ist, dass man uns nirgends einordnen kann *g*. Schon gar nicht in irgendwelche Schwulenmuster. Ich hasse dieses ganze Rumgetucke, weil das für mich schwarze Schafe beim Thema "schwul" sind, die alles kaputtmachen, was einen Schwulen ausmachen kann. Die Welt kennt nur Dinge wie "queer as folk" und denen wird immer wieder eingepflanzt, dass Schwule exakt so (und vor allen Dingen NUR so) sind und das ist zum kotzen. An mir sieht man nix, was man in das typische Schwulenklischee reinpressen könnte, keine Handbewegung, keine bestimmten Wörter oder Ausspracheformen und auch mein Kleidungsstil entspricht nicht der allgemeinen Vorstellung von Schwulen. Eher im Gegenteil. Viele halten mich für die hetigste Hete, die es gibt. Und bei meinem Schatz gibt es auch nix, wo man draus schließen könnte, dass er schwul ist. Überhaupt das ganze Thema: Warum sollte man die sexuelle Einstellung eines Menschen an irgendetwas erkennen können oder müssen? Ist alles quatsch. Fest steht, dass ich nicht zu den Tucken gezählt werden möchte und auch diese ganzen Vorurteile der Schwulen nicht auslebe, sondern dass ich ein "ganz normaler" Mensch bin, der einfach so ist, wie er ist. Bei meinem Schatz ist das ähnlich.

Ein Ortswechsel (evtl. sogar mit absolutem Abbruch zu allen Verwandten) kommt sicherlich in Frage, allerdings erst, wenn wir wirklich soweit sind. Ich habe in meinem Leben schon viele Entscheidungen getroffen, aber noch nie eine, die nicht reiflich überlegt war und die mich wieder zu irgend einem "Rückgang" gezwungen hat. Nichts ist schlimmer, als nach so einem Auszug irgendwann wieder dazustehen und wieder etwas von anderen zu wollen. Darum bauen wir erst unsre Unabhängigkeit weiter aus, festigen sie, bauen ein paar Sicherheiten ein und dann schlagen wir irgendwann zu. Dass es passieren wird, steht definitiv fest, die Frage ist nur noch, wann.

Das mit der Ausbildung steht ja auch erstmal fest (und die ist ca. 5-10 Minuten Radweg von hier weg, also lässt sich entfernungsmäßig nicht wirklich viel machen). Ich (der es übrigens bevorzugt, klein geschrieben zu werden *g*) hab beruflich da überhaupt keine Grenzen, hauptsache, es gibt Telefon und Internet. Allerdings hat es jetzt noch keinen Wert, irgendwie großartig umzusiedeln, sondern das wird in Ruhe ausgebrütet und dann vernünftig gemacht. Evtl. erstmal in eine eigene Hütte hier im Ort, wo man dann keinen hat, der sich darüber beschwert, dass der Stromkreis zusammenbricht, nur weil 4 Geräte in einem Zimmer stehen und nur 2 davon maximal angeschlossen werden könnten mangels Steckdosen O_O und man dann eben seinen Abend verbringen kann, ohne angeschnauzt zu werden, weil die Tür 6 Sekunden offen steht, weil man durchgehen möchte und man so 6 Cent Heizgebühren "verliert" und auf der anderen Seite es für den Herrn kein Problem ist, mal eben für 40-50 € eine TASCHENLAMPE aussm Teleshop zu bestellen, die rein gar nichts taugt O_o Naja, das wär erstmal ne Erleichterung und dann nach der Ausbildung bin ich sicherlich so weit, dass wir uns gediegen irgendwo richtung Berlin niederlassen können und es sich mein Schatz auf der Couch gemütlich machen kann, während ich meine Tätigkeit genieße und Geld für uns reinhole.

Harmonie = Spießigkeit kann man hier im Umfeld nicht sagen. Da gibts Tanten mit Hotels, Opas mit Häusern und jede Menge Geld, was irgendwo im Umlauf ist. Spießerei hier und dort und dann das dazugehörige Rumgelaber eben. Streit und Krach wo man hinschaut und dazwischen wir. Man könnte fast behaupten, dass wir allein durch unsre Harmonie zueinander aus dem ganzen Schema rausfallen und es vom äußerlichen Anschein das einzige ist, was uns von den andren unterscheidet. Das hier ist wie ein großer Krieg, in dem Dummheit Hand in Hand mit Sturheit das Land erobert und jeder Angst haben muss, zu sterben und wir beide liegen uns irgendwo in einer Höhle kauernd in den Armen und warten darauf, rauszurennen und all das hinter uns zu lassen. Oft hab ich das Gefühl, dass mein Schatz der einzige von allen hier ist, der es versteht, was es heißt, sich abends gemütlich einen Film anzuschauen. Der den Wert zu schätzen weiß, wenn man ernsthaft über etwas redet und nicht auf diesem allgemeinen geistig zurückgebliebenen Niveau spricht, in dem sich die restlichen - zumeist auch betrunkenen - Leute unterhalten. Er kann nachdenken und hat - genau wie ich - niemanden zur Hand, der seine Gedanken, seine Gefühle und Emotionen mit ihm teilt oder ihn in irgend einer Sache ernstnimmt. Ungleichberechtigung spielt auch eine große Rolle, so z.B. kriegt ein 8jähriges Kind locker mal eben einfach so 80 € zugesteckt, die es auf einem Jahrmarkt ausgeben kann, wobei er mit 22 grade mal mit "saftigen" 20 € zu seinem 22. Geburtstag abgespeist wird. Auch hat es niemand für notwendig erachtet, ihn anzurufen und ihm zu gratulieren oder ihm ein Geschenk gemacht. Von daher ist Harmonie sicherlich nicht der falsche Weg, um viele Wunden und viel Alleinsein im Leben wieder in irgendeiner Weise auszugleichen - ganz im Gegenteil: Es ist eine Kraft, die uns zusammenhält, die uns stärker macht und die alles dumme an uns abprallen lässt, was hier so in der Luft rumschwebt.

Im Grunde genommen hat dian recht: Zu zweit packen wir irgendwie alles, was alleine völlig unmöglich wäre. Alle Probleme sind nur halb so schwer, weil sie stets der andre übernimmt und die Probleme des einen ein Nichts für den andren sind. Wir ergänzen uns irgendwie überall und alles greift ineinander. Allerdings bin ich auch noch nicht dahintergekommen, wieso es zwischen uns nicht zu Streits kommt, wo das doch fast überall so ist.

Und eine Beziehung zu einem anderen kommt für keinen von uns beiden in Frage. Nicht mal der Gedanke daran wäre es wert. Wir haben alles voneinander, was man braucht, um in dieser Hinsicht glücklich zu sein. Und wenn irgendwas anfängt, nicht mehr richtig zu sein, reden wir drüber und ändern es (was für so viele Menschen in Beziehungen so ein Problem ist, dass ich mir manchmal fast durch den Kopf greife, weil ich mir so hart auf die Stirn hämmer). Wir haben zueinander Vertrauen und holen uns auch gegenseitig immer vom andren, was wir grad brauchen (wenn der es einem nicht eh von allein gibt). Von daher würde ich ihn auch unter 10.000 nackten Männern pennen lassen, weil ich wüsste, dass er mich nicht betrügen kann. Ihm gehts da genauso. Lässt sich mit Worten vielleicht auch nicht wirklich ausdrücken und viele zweifeln da an unsrem Vertrauen, aber wir wissen, dass es so ist. Uns würde also nichts auseinanderbringen, das haben Morddrohungen nicht, das haben Todeswünsche nicht und das wird auch nichts anderes.


... - 14.3.2007 um 06:24

Na, das hört sich doch alles sehr positiv an.
Dann wünsch' ich Euch mal weiterhin, dass das so klappt, wie Ihr Euch das wünscht, @scaydcast und @WeirdApparition.

Das mit den Schwulenklischees gab es selbst noch hier wohl ansatzweise in der Unity, zumindest hatten wir mal irgendwo einen Thread, wo ich auch dachte, dass manche meinen, wir rennen alle im rosaroten Plastiknegligee herum und man dürfte nicht auch Eminem gerne hören, wenn man schwul ist.
(Mir geht das schon manchmal auf'm Sack, dass mir keiner glaubt, dass ich eigentlich mit Männern besser kann als mit Frauen! :12:)

Ich hoffe, dass das bei Euch so klappt, wie Ihr Euch das wünscht.
Und glaubt mir, wenn das wirklich korrekt ist, wie Ihr zusammenpasst, dann bleibt das auch so, wenn Ihr andere Lebensumstände habt. Ist btw manchmal so, dass gerade Arbeit auch in manche Beziehung reinfunken kann, da wollte ich ja gleich eh noch 'n Thread mal zu aufmachen.
Und wenn alles so klappt, wie Ihr Euch das wünscht, dann wird es Euch nicht nur egal sein, wenn der andere unter 10000 nackten Männern pennt, sondern, so wie das bei uns mittlerweile ist, dass es auch keinen Anlass gibt, an der Liebe des anderen zu zweifeln, wenn er mit 10000 anderen Männern oder Weibern pennt. Sexuelle Treue hat für uns sowieso nie einen Wert bedeutet, wenn dann die geistige. Und die ist auch gegeben, wenn jemand mal was anderes erleben möchte (wobei wir beide eh bi sind, und da kann ein einzelner Partner eh schlecht alle sexuellen Bedürfnisse erfüllen.)


MAUS - 14.3.2007 um 06:41

Zitat
Original von Arne Kroger
Na, das hört sich doch alles sehr positiv an.
Dann wünsch' ich Euch mal weiterhin, dass das so klappt, wie Ihr Euch das wünscht, @scaydcast und @WeirdApparition.

:36:

Zitat
Original von Arne Kroger
Das mit den Schwulenklischees gab es selbst noch hier wohl ansatzweise in der Unity, zumindest hatten wir mal irgendwo einen Thread, wo ich auch dachte, dass manche meinen, wir rennen alle im rosaroten Plastiknegligee herum ...

Lol, aber Arne, das weiß doch jeder, daß "Ihr" das tut ;) ist doch auch ne ausgesprochen schöne "Farbe"... :34:


... - 14.3.2007 um 07:24

Mein Platiknegilee ist ORANJE! :p


Tetrarchos - 31.3.2007 um 15:06

Zitat
Original von WeirdApparition
deep7, ich komme aus Rheinland-Pfalz und Worms ist meine Heimatstadt. :)


Etwas verspätet *schäm* ein herzliches Hallo von mir. Bin ursprünglich auch aus Rheinland-Pfalz, meine Heimatstadt ist Adenau im Kreis Ahrweiler.


WeirdApparition - 5.4.2007 um 18:07

Ina, wir haben ein eigenes Haus und meine Verwandten haben sich wahrscheinlich die ganze Zeit den Kopf darüber zerbrochen, wie ich die Unterhaltungskosten (Strom, Wasser, Gas etc.) ohne Ausbildung und Job begleichen soll, wenn mein Vater mal nicht mehr ist. Sie haben mir ja immer die Frage gestellt, wie ich später mal ohne ihn auskommen soll, wenn das so weitergeht. Die sind halt völlig in ihren alten Sichtweisen drin und die werden sie auch nie wieder los. Wenn man nicht mit 18 sofort den Führerschein hat, ist das schon frevlerisch. Oder wenn man keinen Sport treibt und in keinen Verein geht.. als ob man damit gegen ein heiliges Gesetz verstoßen würde, wenn man nicht genau den Weg einschlägt, auf den sie einen bringen wollen. Vielleicht ist es auch die Angst, dass ich in oben genanntem Fall dann um ihre finanzielle Hilfe bitten würde und ihnen dieses Szenario zuwider ist. Ich habe keine Ahnung. Möglicherweise denken sie auch, dass ich das Haus verlieren würde, obwohl das Schwachsinn ist, da es sich vollständig in unserem Besitz befindet und ich im schlimmsten Fall nur auf die Vorzüge der Stadtwerke zu verzichten hätte.


Ina - 5.4.2007 um 20:32

Ahh, alles klar, die sehen die Hütte verrotten und zerfallen, weil du kein Geld haben wirst, das Dach neu zu machen, wenns mal undicht ist. Und dann kommt der WASSERFELCK und der SCHIMMEL - und irgendwann ist da nur noch ein kleines Häufchen verfaultes Holz *g*

Ja, das ist tatsächlich mal was Neues, was sich deine Sippe da ausgedacht hat (das mit DEM WEG, der der einzig Richtige ist, das kenne ich schon).


scaydcast - 5.4.2007 um 21:16

@Ina: Du würdest dich wundern, mit welcher Leidenschaft Menschen Müll sammeln können. Welche Liebe sie zu verschimmelten 15 Jahre alten Grillgewürzpappdosen entwickeln, mit welcher Vorliebe sie Kaffeepulver gemischt mit Spinnenweben in sich schütten. Schimmel entsteht hier ned, der hat ne Dauerkarte an jedem Platz in diesem Haus (ausgenommen den beiden Zimmer, in denen wir zwei wohnen). Und das beste: Er wird nie (!!!) verschwinden, weil ihn der alte mit Leib und Seele verteidigt. Wage ja nicht, etwas derartiges auch nur in die Nähe eines Mülleimers zu bringen... Und das absurdeste daran: Ja, die stehen in der Tat so auf diese Bruchbude hier...


Ina - 6.4.2007 um 15:35

*g* doch, ich glaub, ich kanns mir vorstellen.

Mit Bruchbuden kenn ich mich ganz gut aus.
Ich hab meine ersten 8 Lebensjahre unter nem undichten Dach verbracht. Wenn es regnete, standen in fast jedem Zimmer Kübel und auf die Idee, dass die sich verändernden, schwarzen Flecken an der Wand was Ungewöhnliches sein könnten, kam ich gar nicht.

Und mit Sammeltrieb kenn ich mich auch aus.
Du hättest sehen sollen, wie es früher im Keller in der "Wohnung" meines Großonkels aussah.

Ein Zimmer war bis oben hin voll mit Holz und alten Zeitungen zum Feuermachen.
Und auch sonst konnte man sich kaum bewegen vor lauter Gerümpel.
Der Hit war allerdings seine Küche.
Da waren Konservendosen, die schon vor 10 Jahren abgelaufen waren (das muss man bei Dosen erst schaffen). Und massenhaft Honig hatte er da, weil er meinte, das wäre auch ein gutes Lebensmittel, wenn die Katastrophe kommt.
Und wir haben Eier gefunden, die waren so alt, dass der ganze Inhalt schon durch die Schale rausverdampft war, ich hab die hohlen Eierschalen dann auf dem Asphalt zerspringen lassen. Ein kleiner, gelber Fleck war bloß noch drin - nichtmal mehr gestunken haben die.
Äußerst interessant war auch der Kühlschrank, da war etwas undefinierbares, rosa-gräuliches drin, vermutlich uraltes, verwesendes Fleisch, mein Vater hat kurz reingeguckt und musste dafür die ganze Zeit würgen, als er das Ding rausgetragen hat.
Ach ja, Kühlschränke (und Waschmaschinen), von denen hat er mindestens 20 Stück rund ums Haus gebunkert gehabt, unter Planen versteckt - mann, erst als die weg waren, habe ich mitbekommen, dass sich an unserem Haus ein Holzschopf befindet - der war zuvor nahtlos ins Gerümpel übergegangen.

Aber was solls. Das Chaos in den Zimmern hat jetzt sein Neffe übernommen. Aber wenigstens bunkert der nur Elektronikmüll und Fernsehkartons. Und ums Haus rum traut er sich nix mehr hinzustellen, weil dann immer meine Mutter wie eine Furie auf ihn losgeht.


Verzeiht mir das Zumüllen eures Threads.
Irgendwie sind halt so ein paar Gene auch bei mir gelandet :D


scaydcast - 6.4.2007 um 16:47

Och du müllst hier nichts zu. Das mit dem Schimmel und abgelaufenem Zeug kennen wir doch auch. Und 2 Jahre alter Ketchup auf dem Mittagsteller als "Geschenk" an uns haben wir auch schon desöfteren mitbekommen. Wenn wir dann was in die Richtung sagen, dass man sowas doch nicht mehr essen kann => DOOOOOOOCH, DES IS NOCH GUUUUT! *GRR*

Tja, und der sammelt in dem Sinne nichts (außer Sperrmüll, der dann die ganze Zeit im Hof steht), sondern der wirft einfach nur nichts weg. Das ist das Problem. Alte, leere Blechdosen: "Die kamma noch aufheben für irgendwas!" Der hat nur Töpfe, an denen ein Henkel abgebrochen ist und statt sich für überteuerte 3 (in Worten: DREI !!!) Euro einen neuen zuzulegen, ist er der festen Ansicht, man könnte extra einen neuen Griff anfertigen lassen und den an den verkrusteten 20 Jahre alten Topf neu dranmontieren und man käme dabei billiger weg, als irgendetwas neu zu kaufen. Und wenn er irgendwas findet, was verschimmelt ist oder nicht mehr gut aussieht, dann wirft ers einfach in die Suppe, da siehts keiner - "man kanns doch noch essen, des is doch noch gut!".

Anzuziehen hat der gute Herr auch nichts, seine Klamotten liegen zwischen vergammelten Zwiebelschalen, in alten, mit Fett gefüllten Pfannen, wo dir beim Anblick schon schlecht wird oder sonstwo in der Ecke. Ich würde das Zeug nicht mal mit 2 Fingern anfassen, der zieht es an! Und der Witz daran: Wenn man hinter dem ganzen Gerümpel mal die abgeschlossenen Schränke öffnet, finden sich nicht nur zehn 400-€-Mäntel und -Anzüge aufgehängt an Kleiderbügeln darin. Aber WEHE du willst das Zeug anziehen!

Oder du kennst doch bestimmt diesen V-Hobel. Den hat er im Teleshop gesehn (der ist Teleshop-Junkie) und wollte ihn unbedingt haben - Kostenpunkt 64 €. Gehabt hat er hier schon einen, den würde ich allerdings aufgrund 10 jahrelanger Einfettung, Verstaubung und sonstigem Dreck, der sich daran festgesetzt hat, nicht mehr benutzen. Also hab ich ihm einen gleichwertigen besorgt - Kostenpunkt 7 €. Nun hatte er also schon zwei - und was hat er gemacht? 1. den alten, verschimmelten NICHT weggeschmissen, 2. den 7-€-V-Hobel in die Ecke geschmissen (warscheinlich zum Verschimmeln lassen) und sich den im Teleshop für 64 € gekauft! Und benutzen tut er heute keinen davon, im Gegensatz - jetzt will er eine Küchenmaschine haben, mit der man Zeug kleinhobeln kann O_O Und der Witz: Den allerersten vergammelten V-Hobel gibts immer noch...


Ina - 6.4.2007 um 20:27

Auweia, dann wünsch ich euch mal ein fettes Erbe :D

Sag mal, das sind doch Schwaben bei euch, oder?
Langsam krieg ich ja das schreckliche Vorurteil, dass dieser Tick ein vorrangig alemannisches Problem ist ;) (bei "Die kamma noch aufheben für irgendwas!" musste ich echt lachen, weil ich das in der Version "Des kamma alls no brucha!" kenne.)

Ach ja...: als mein Großonkel tot war und das ganze Zeug weggeschmissen werden sollte, hat ein anderer Großonkel noch rechtzeitig interveniert und den Honig, etliche Gläser abgelaufene Marmelade, sowie die ganzen alten Dosen in Sicherheit gebracht. Der und seine Frau haben ein Gästehaus. Die Dosen haben sie dann wohl selber gegessen, aber den Honig und die Marmelade bekamen die Gäste die nächsten 2 Jahre ca. zum Frühstück *g*


... - 7.4.2007 um 00:20

Also, ich finde solchen Messianismus nicht so schlimm.
Denn ich lebe ja mit meinem Exmänne zusammen und der ist halb Niederländer.
Und da Niederländer immer weniger Wohnraum brauchten als wir Deutschen, wird hier eigentlich das Gegenteil durchgeführt.

Es wird alles weggeschmissen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Aus Protest schmeiße ich schon seit Monaten in meinem Zimmer nix mehr weg.
Als ich aus der Reha nach meiner Hirnblutung zurückkam, war mein gesamtes Zimmer aufgelöst. Ich hab' zwar schöne neue Möbel bekommen, aber hier wurde erbarmungslos alles auf den Sperrmüll gepackt.

Das können auch völlig ungebrauchte Haushaltsgeräte oder sonstwas sein. Wenn man es nicht regelmäßig braucht: Überflüssig, ab in den Müll. Und wenn man sie regelmäßig gebraucht, dann sowieso ab in den Müll, weil die ja dann alt und verbraucht sind.


scaydcast - 7.4.2007 um 00:39

Arne, kannst du und deine Sippschaft nicht mal für ein paar Wochen hier hausen? (So lange braucht ihr, um hier alles wegzuwerfen, inkl. dem Haus!) :D


... - 7.4.2007 um 00:56

Der soll sich 'ne niederländische Haushälterin anschaffen, die sind wohl alle so drauf, mein Exmänne hat das auch von seiner Oma, die hat schon dem Opa alles weggeschmissen.


Tetrarchos - 13.4.2007 um 20:17

Zitat
Original von Arne Kroger
Also, ich finde solchen Messianismus nicht so schlimm.
Denn ich lebe ja mit meinem Exmänne zusammen und der ist halb Niederländer.
Und da Niederländer immer weniger Wohnraum brauchten als wir Deutschen, wird hier eigentlich das Gegenteil durchgeführt.

Es wird alles weggeschmissen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Aus Protest schmeiße ich schon seit Monaten in meinem Zimmer nix mehr weg.
Als ich aus der Reha nach meiner Hirnblutung zurückkam, war mein gesamtes Zimmer aufgelöst. Ich hab' zwar schöne neue Möbel bekommen, aber hier wurde erbarmungslos alles auf den Sperrmüll gepackt.

Das können auch völlig ungebrauchte Haushaltsgeräte oder sonstwas sein. Wenn man es nicht regelmäßig braucht: Überflüssig, ab in den Müll. Und wenn man sie regelmäßig gebraucht, dann sowieso ab in den Müll, weil die ja dann alt und verbraucht sind.


Hey, ich glaube ich fahre mal dringend nach Holland den Sperrmüll absuchen und Mülltonnen. Und E-bay lässt dan grüßen, wenn das SO ist... :D


... - 14.4.2007 um 02:06

Ich weiß gar nicht, ob die da sowas wie Sperrmüll haben.
Da stehen an manchen Tagen auch einfach so Fernseher und so'n Zeug vor den Häusern neben den Mülltonnen.

Hab' ich aber auch noch nie gesehen, dass da irgendjemand so etwas mitgenommen hätte.
Ständ' ja auch dann in 'ner anderen niederländischen Wohnung im Weg rum und das ist störender offensichtlich, als etwas nicht zu haben.
Dafür hat man ja schließlich gardienenlose Wohnzimmerfenster, die größer sind als unsere Schaufenster, damit jeder auch sehen kann, dass da nix überflüssiges in der Wohnung steht.


Benway - 14.4.2007 um 11:45

[QUOTE]Hab' ich aber auch noch nie gesehen, dass da irgendjemand so etwas mitgenommen hätte.
Ständ' ja auch dann in 'ner anderen niederländischen Wohnung im Weg rum und das ist störender offensichtlich, als etwas nicht zu haben.[/QUOTE]

Irgendwelche Theorien woran das liegt, dass die Niederländer offenbar die besseren Menschen und der nächste Evolutionsschritt der Menschheit sind (ich war zgegeben nur zwei Wochen in meinem Leben da, aber ich hab auch ein extrem positives Bild mitgenommen)? Sind die stillenden Mütter da auch immer fleißig am Rauchen oder liegt es an was Anderem?


scaydcast - 14.4.2007 um 20:01

Die Idee ist gar nicht mal so übel. Damit hab ich mich in meiner Vergangenheit als Kind immer ums Aufräumen gebracht. Wenn man nix hat, braucht man nix aufräumen ^^. Ich habe mich damals auf nen Computer spezialisiert und den stellt man ja bekanntlich nur sehr selten um und ansonsten ist alles, was länger als 3 Wochen ungebraucht im Schrank stand, rausgeflogen.

Und ich rauch nicht, also kanns daran nicht liegen :P


... - 15.4.2007 um 03:05

Also, um ehrlich zu sein, ist mir dieser Reinlichkeitsdrang der Niederländer eher unsympathisch.
In meinem Zimmer herrscht das absolute Chaos und ich liebe es, wenn ich weiß, dass irgendwo unter meinem Bett auch noch die Zeitung von vor 1 1/2 Jahren liegt. Ich durchschaue irgendwie lieber das Chaos als die Ordnung. Wenn ich mal wieder groß aufräume, dann weiß ich danach sowieso nicht mehr, wo ich wieder den Antrag an die BfA mit dem AZ soundsoviel/x/-15 hingelegt habe, und schmeiße dann alles durcheinander, bis ich es wiedergefunden habe.

Und mein Exmänne putzt und schrubbt und wischt, wo und wann er nur kann. Das geht einem auf den Sack.
Und richtig sauer bin ich, wenn dauernd was aus der Küche rausgeschmissen wird, weil man es evtl. mal ein halbes Jahr nicht gebraucht hat. Manchmal brauche ich eben lange Zeit keine Eismaschine, aber die ist natürlich jetzt weggeworfen, ebenso eine schweineteure Küchemaschine von Vorwerk. Da hätte man wirklich bei ebay noch einiges für bekommen, aber nä, was weg muss, muss weg.


Woran das liegt, @Benway?

Also, in den NL ist eben eine komische Form des Calvinismus angesagt. Zum einen will man absolut bescheiden leben, eben puritanisch, zum anderen natürlich dem anderen das nicht aufdrängen (Toleranz ist immer die Vorstufe für Apartheid!) und damit man es keinem aufdrängt, macht man sich eben es so gemütlich, dass man sich doppelt so große Fenster wie in Deutschland anschafft, in die jeder hineinschauen kann und dann auch sehen kann, dass zwar alles ordentlich ist, aber bloß nix luxuriös. (Das kenn' ich persönlich auch so von meinen Eltern. Den Wohnzimmerschrank, den wir schon bei meiner Geburt hatten, wurde erst im Jahre 1983 entsorgt. :( Bloß nix neues. Man zeigt nicht, wenn man was besitzt.)
Ist eben 'ne typisch puritanische Haltung.

Mag 'ne ganz sympathische Haltung sein, geht einem aber auch mal alles auf den Sack, auch mit der Toleranz, wenn man der eigenen Mutter mal erzählt, dass man schwul ist und die dabei auf dem Sofa liegt und in irgendeinem Buch über ökologische Ernährung liest und unheimlich interessiert tut, so etwas mal von ihrem Sohn genauer zu erfahren, ohne wirklich ihr Buch aus den Augen zu verlieren. :09:

Im übrigen ist das auch noch so, dass ich, als ich in Baden hospitiert habe, die Menschen dort, mir wieder sehr sympathisch rübergekommen sind, ganz anders als die spießigen Schwaben, ich könnte mir insgesamt vorstellen, weil das alles so der Streifen ist, dem nach der Teilung des Reiches von Karl dem Großen mal Lothar dem Frommen zugesprochen wurde, evtl. auch religiöse Gründe hat. Zumindest hat sich die Reformation, die nicht von Luther ausging, sondern von Calvin und Zwingli ja genau in dem Streifen verbreitet. Von der Schweiz aus bis nach Straßburg und dann wieder nördlich an der Küste von NL.
Hier im Ruhrgebiet ist das so 'ne Mischung, von Süden aus Köln droht der Katholizismus, der bis nach Essen-Werden gelangte. Und vom Norden kommt der Lutheranismus. Auch noch okay, aber nie so radikal wie Calvin und Zwingli und von Westen her eben das Reformatorische.
Und ich glaube, das merkt man immer noch, auch noch 6 Jahrhunderte später, was mal in einer Region an Glauben vorherrschte.


deep7 - 15.4.2007 um 03:10

Zitat
Original von Arne Kroger
Also, um ehrlich zu sein, ist mir dieser Reinlichkeitsdrang der Niederländer eher unsympathisch.
In meinem Zimmer herrscht das absolute Chaos und ich liebe es, wenn ich weiß, dass irgendwo unter meinem Bett auch noch die Zeitung von vor 1 1/2 Jahren liegt.
Du musst ein fröhlicher Mensch sein.

Das soll ein einziger Link sein:
http://morgenwelt.de/256.html?&cHash=ed8e3c6657&tx_ttnews[backPid]=115&tx_ttnews[pointer]=3&tx_ttnews[tt_news]=2243


... - 15.4.2007 um 03:52

Keine news_id übergeben.

???


scaydcast - 15.4.2007 um 04:56

Arne, du musst das komplette Teil markieren und in einem neuen Browserfenster in der Adresszeile einfügen. Der verlinkt hier nur einen Teil des Links, du musst aber den Rest auch noch an die Addy anfügen.


Tetrarchos - 15.4.2007 um 14:24

Zitat
Original von Arne Kroger
Ich weiß gar nicht, ob die da sowas wie Sperrmüll haben.
Da stehen an manchen Tagen auch einfach so Fernseher und so'n Zeug vor den Häusern neben den Mülltonnen.

Hab' ich aber auch noch nie gesehen, dass da irgendjemand so etwas mitgenommen hätte.
Ständ' ja auch dann in 'ner anderen niederländischen Wohnung im Weg rum und das ist störender offensichtlich, als etwas nicht zu haben.
Dafür hat man ja schließlich gardienenlose Wohnzimmerfenster, die größer sind als unsere Schaufenster, damit jeder auch sehen kann, dass da nix überflüssiges in der Wohnung steht.


Die Fenster ohne Gardine kenne ich. Wenn ich im Sommer Bock auf Meer habe, bei richtiger Schweinehitze, dann bietet sich vom Ruhrgebiet die Tour zur Nordseeküste in Holland an. Da kannst Du von der Straße sehen, welches Essen auf dem Tisch steht. :D


deep7 - 15.4.2007 um 18:03

Zitat
Original von scaydcast
Arne, du musst das komplette Teil markieren und in einem neuen Browserfenster in der Adresszeile einfügen. Der verlinkt hier nur einen Teil des Links, du musst aber den Rest auch noch an die Addy anfügen.
Danke ;)
Außerdem habe ich extra angemerkt "Das soll ein einziger Link sein". Also, Arne, fass dir lieber mal an die eigene Nase, bevor du mich gleich wieder anpöbeln musst!


Black Sunshine - 15.4.2007 um 19:57

Zitat
von Tetrarchos

Die Fenster ohne Gardine kenne ich. Wenn ich im Sommer Bock auf Meer habe, bei richtiger Schweinehitze, dann bietet sich vom Ruhrgebiet die Tour zur Nordseeküste in Holland an. Da kannst Du von der Straße sehen, welches Essen auf dem Tisch steht. :D

Ich sag nur Gardinensteuer :D, ist aber auch nur ne moderne Sage...
http://de.wikipedia.org/wiki/Gardinensteuer


... - 16.4.2007 um 02:11

Zitat
Original von deep7
Zitat
Original von scaydcast
Arne, du musst das komplette Teil markieren und in einem neuen Browserfenster in der Adresszeile einfügen. Der verlinkt hier nur einen Teil des Links, du musst aber den Rest auch noch an die Addy anfügen.
Danke ;)
Außerdem habe ich extra angemerkt "Das soll ein einziger Link sein". Also, Arne, fass dir lieber mal an die eigene Nase, bevor du mich gleich wieder anpöbeln musst!


Ich hab' den Link ja ganz eingeben, trotzdem erschien da nur "Keine news_id übergeben"!!!

Und wenn ich pöbeln will, dann mach' ich das anders und nicht indem ich die Seiten zitiere, auf die ich (nicht) draufgekommen bin!!!


scaydcast - 16.4.2007 um 12:11

Ruhig, Kinder ^^ - Alles wird gut...

Der Link von deep enthält Board-Code-Klammern ( diese hier => "[ ]"), die das Board falsch interpretiert und daher aus dem Link schneidet. Von daher kann man da bei deep nicht draufklicken oder per Rechtsklick die Linkadresse kopieren und neu einfügen, sondern man muss mit der Maus alles markieren und in einem neuen Browserfenster einfügen. Habs soeben nochmal im Firefox und im IE probiert und bei beiden Browsern funktionierte dies reibungslos.

Alternativ kannst du natürlich auch einfach auf den untenstehenden Link klicken:

http://morgenwelt.de/256.html?&cHash=ed8e3c6657&tx_ttnews[backPid]=115&tx_ttnews[pointer]=3&tx_ttnews[tt_news]=2243

Das Problem dabei ist, dass das Forum die Links immer mit [ url=http.... ] [ /url ] verlinkt und da zählen die Klammern aus dem Link eben mit. Fügtman den Link so ein und setzt manuell ein [ url ] davor und ein [ /url ] dahinter (ohne die Leerstellen zwischen den Klammern und dem Text), und deaktiviert unten "URLs automatisch umwandeln", dann gehts auch so wie hier grad.


... - 17.4.2007 um 01:00

Danke, @scaydcast!

Jetzt hab' ich es auch gelesen.
Naja, mit Dreck habe ich ja schon beruflich genug zu tun, vollgeschissene Pampers wegtragen ist ja auch nur selten ein sauberer Job.

Insgesamt vermute ich jedoch eher, dass Dreck dann die Stimmung hebt, wenn man eben etwas zu sauber erzogen wurde, eben aus so puritanisch reinen Familien kommt wie ich, wo alles, was mit Dreck zu tun hatte, ziemlich verpönt war.
Und das so 'ne sterile schöne, saubere Umwelt nicht gerade jeden glücklich macht, ist, denke ich, auch klar.


deep7 - 17.4.2007 um 19:49

Zitat
Original von Arne Kroger
Ich hab' den Link ja ganz eingeben, trotzdem erschien da nur "Keine news_id übergeben"!!!

Und wenn ich pöbeln will, dann mach' ich das anders und nicht indem ich die Seiten zitiere, auf die ich (nicht) draufgekommen bin!!!
:42: war doch nicht ernst gemeint, Arne. Mir war nur langweilig