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gast
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Verfasst am: 6.9.2005 um 20:10 |
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überfordert
Es wäre viel einfacher, wenn ich mich nicht so furchtbar verloren fühlen würde hier.
So aber scheint alles unüberwindbar schwer.
Diese zentralen Fähigkeiten, die man bei uns so braucht, ich habe sie nicht. Ich bin furchtbar unflexibel, kann nicht mit neuen Menschen umgehen,
kann nichts tun, wenn ich es tun soll und kann mich nicht an fremde Gegenden gewöhnen, weil ich ihren inneren Sinn nicht begreife. Auf dem Grund
meines Wesens liegt eine unwiderlegbare Traurigkeit, eigentlich will ich nur meine Ruhe, nichts weiter.
Es ist ein Wunder, dass so viele leben können, einfach so.
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Killing Joke
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Verfasst am: 6.9.2005 um 20:17 |
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Kurz gesagt, du fühlst dich wie in einem Gefängnis, dessen Mauern sich immer weiter in deine Richtung bewegen und drohen sich zu zerquetschen.
Welche Fähigkeiten besitzt du denn nicht, deiner Meinung nach? Wenn du wüsstest, welche Fähigkeiten ich nicht habe, würdest du dich vielleicht
wiedererkennen.
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Gast
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Verfasst am: 6.9.2005 um 21:03 |
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Erstens traue ich nichts und niemandem und mir selbst am allerwenigsten, zweitens hänge ich furchtbar an dem Fleckchen Erde, wo ich aufgewachsen bin
und woanders zu leben macht mich krank, drittens habe ich schlicht und ergreifend Schiss vor all dem Mist, der von mir erwartet wird und den ich
vielleicht schon erfüllen könnte (oder auch nicht, siehe erstens), dem ich dann aber einen viel zu großen Teil meiner Seele opfern müsste.
Und damit ist alles schwierig - gehe ich den Weg des geringsten äußeren Widerstands, macht mich das krank, weil dort die schlimmsten inneren
Widerstände sind und umgekehrt ist es genauso.
Wahrscheinlich ist der einzige "richtige" Weg die psychologische Abtötung meiner vermurksten Persönlichkeit. Vielleicht müsste ich mich nur
anpassen wollen. Bloß ist diese ganze Scheiße hier so dämlich, dass ich das nicht will und somit bleibt meine Scheiße bestehen, weil es mir noch
nicht schlecht genug geht, um meinen unsinnigen Stolz wegwerfen zu wollen.
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dian
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Motto: Kein Motto
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Verfasst am: 7.9.2005 um 01:16 |
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Wirf deinen Stolz bloss nicht weg!
Es gibt Zeiten, da kann einen dieser Stolz darauf, anders zu sein, sogar das Leben retten... denn dein Stolz ist eines der ganz wenigen Dinge, die dir
keiner nehmen kann., so lange du selbst das nicht zulässt.
Wir leben nunmal in einer Welt, in der man "funktionieren" muss, um anerkannt zu sein.
Die Menschen erwarten die seltsamsten Dinge von einem.
Du kannst oder willst dich diesen Dingen nicht fügen, hast vielleicht sogar Angst oder gar Panik vor deren Prüfungen, deren Verhaltensregeln und
deren Welt?
Fein. Das geht mir ganz genauso. Das geht sogar einigen hier so, da bin ich mir ziemlich sicher.
Um ehrlich zu sein, ich gehe am liebsten nur nachts aus dem Haus, weil ich keinen Menschen begegnen möchte. Ich rede nicht mal mit meinen Nachbarn,
höchstens mal "Hallo" sagen, aber das war's dann auch schon. Ich meide Situationen, in denen andere etwas von mir fordern und ich mich beweisen
muss, wo immer es nur geht.
Ich bin ein Deserteur.
Einer, der sich immer davonschleicht und sich verweigert, wenn er von anderen in die Pflicht genommen wird.
In Militärkreisen gibt es kaum etwas, das mehr verachtet wird, als ein Deserteur. Die waren für die kämpfenden Soldaten zu allen Zeiten der letzte
Dreck, und man hat sie einfach abgeknallt, wenn man sie dann doch mal erwischt hat.
Und doch...
waren die, die damals im 2. Weltkrieg in Russland ihr Gewehr hingeworfen haben und weggelaufen sind, weil sie zurück zu ihren Familien wollten,
wirklich feige?
In meinen Augen nicht.
In meinen Augen waren sie Helden, auch wenn bis heute kaum ein Denkmal für sie gebaut wurde. Sie haben auf ihr Herz gehört, und nicht auf die
verblendeten Menschen in ihrer Umgebung.
Nun kann man das natürlich nicht vergleichen.. aber in gewisser weise befinden auch wir uns in einem Krieg, auch wenn der mit anderen, zivilen
Mitteln geführt wird. Ein Krieg um einen Platz an der Sonne... ein Krieg gegen unsere Mitmenschen, gegen die Natur und gegen uns selbst.
Und in diesem Krieg will ich immer nur ein Deserteur sein... weil mir dieser Krieg so schwachsinnig und sinnlos erscheint wie kaum etwas anderes auf
dieser Welt.
Dafür wird mir kaum einer danken, manche verachten mich sogar für das, was ich bin... und doch, ich möchte nie etwas anderes sein. Denn kein Soldat
wird je diese wunderbare Freiheit erfahren, die ein Deserteur erfährt, wenn er seine Uniform abgelegt hat und ganz für sich allein entscheiden kann,
ob und wohin er als nächstes marschieren möchte.
(ich hoffe mal, ich hab mich jetzt nicht zu blumig ausgedrückt...)
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...
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Verfasst am: 7.9.2005 um 01:43 |
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Hm, @Gast, ich weiß jetzt nicht, ob Du schon viel damit anfangen kannst, was @Dian Dir versucht zu erklären.
Du machst auf mich auch noch einen wirklich sehr verunsicherten Eindruck Dir selbst gegenüber.
Könntest Du mal etwas konkreter werden, was das denn für Probleme genau hast mit Deiner mangelnden Flexibilität. Es gibt bestimmte Sachen, wo einem
Flexibilität helfen kann, das stimmt.
Allerdings sind dies oftmals Sachen, die von uns gefordert werden, ohne das dort wirklch ein Sinn hinter ist. Ich würde Dir doch erstmal empfehlen,
eine gewisse Liebe Dir selbst gegenüber zu entwickeln. Auch das hört sich jetzt bestimmt erstmal phrasologisch an, aber ich würde Dich doch mal
bitten, ein genaues Beispiel zu nenen, wo gerade Deine Probleme sind. Vielleicht liegt es ja gar nicht an Dir, sondern an Deiner Umgebung.
Erzähl´doch erst noch mal was von Dir.
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Gast
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Verfasst am: 7.9.2005 um 19:23 |
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Nun, da ist nicht besonders viel der Rede wert: Antriebs- und Konzentrationslosigkeit plus baldige Prüfungen (bei denen aber viele durchfallen
würden, wenn ich durchfiele), ein Vermieter bei dem ich ständig fürchten muss, dass er mich zum nächsten Monat rausschmeißt plus überlaufener
Wohnungsmarkt (aber ich könnte mir ja einfach endlich etwas anderes suchen, wenn ich bloß meinen Arsch hochbekäme bzw. ich weiß nicht, ob das
bloß wieder eine neurotische Anwandlung von mir ist), generelles Defizit an sozialen Kontakten, die mich wirklich etwas angehen (aber das scheint
normal zu sein) und natürlich das Fleckchen Erde, auf dem ich geboren bin, das mich auf längere Sicht depressiv macht, von dem ich aber trotzdem
nicht für 2 Wochen loskomme (dabei sollte ich doch unternehmungslustig sein und neugierig und ach so flexibel an jedem Platz einsetzbar, wenn es nur
irgendwann irgendjemand von mir verlangt *kotz*).
Besonders schlimm ist das alles nicht, echte Probleme sehen anders aus.
Bloß kommt bei mir noch ein ganzer Wust an persönlichen Unzulänglichkeiten hinzu, die ich selber gar nicht richtig zu fassen bekomme, die mich aber
abtrennen und mich unfähig machen, so zu reagieren, wie es normal wäre.
Die Anforderungen an mich mögen sinnlos sein, aber deswegen sind sie trotzdem da, das ist ja der Müll, für sinnvolle Dinge könnte ich schon ein
bisschen Engagement entwickeln, bloß sehe ich überhaupt keinen Weg, ein sinnvolles Leben zu führen, da ein paar fiese, "pathologische" Teile von
mir felsenfest darauf bestehen, dass diese ganze Scheiße mit der äußeren Welt und so keinen Sinn macht.
Was @Dian sagt ist richtig und ich glaube, deine Gedanken zu verstehen, doch dies ist ein zu hoher Standpunkt, als dass ich ihn ständig beibehalten
könnte.
Es mag tatsächlich etwas Heroisches in diesem Kampf gegen die Mechanismen der Welt stecken, doch die einzigen, die dem je Beifall zollen werden, sind
wir selber und dazu bin ich zu zynisch veranlagt. Oder auch nicht, was weiß ich, ich glaube, mir sind im Grunde solche Dinge wie Heldentum einfach zu
egal, als dass ich tatsächlich etwas wie dauerhaften Antrieb aus ihnen ziehen könnte - ich merke nur, dass jede wesentliche Anpassung, sofern sie
nicht nur kurzzeitig zu meinem eigenen Vorteil nötig ist, inneren Widerstand und Selbstverachtung mit sich bringt. Ich war mit der Anpassung schon
weiter, als mich tatsächlich mal etwas begeisterte, das für die Welt verwertbar ist, aber meine Furcht mich zu verlieren, hat meine generelle
"Furcht vor allem Möglichen" übertroffen.
Trotzdem bin zu feige und zu schwach für einen echten, eigenen Weg und ich wüsste auch keinen, der wirklich erstrebenswert wäre. Die Zukunft ist
nur dunkel, nichts weiter, egal, was ich mir ausdenke für sie, das gibt höchstens Schattierungen von Grautönen.
Manchmal kann ich darüber hinweggehen und einfach nur hier und jetzt leben, aber allzuoft eben nicht.
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dian
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Motto: Kein Motto
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Verfasst am: 7.9.2005 um 20:41 |
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| Zitat | | ich glaube, mir sind im Grunde solche Dinge wie Heldentum einfach zu egal, als dass ich tatsächlich etwas wie dauerhaften
Antrieb aus ihnen ziehen könnte - |
Den dauerhaften Antrieb ziehe ich ja auch nicht daraus, dass ich mich irgendwie als "Held" fühle, der gegen das böse Regime kämpft.
Nein, der dauerhafte Antrieb für mich ist, dass es MIR ganz persönlich gut geht, wenn ich so bin wie ich bin. Das ist eigentlich ganz egoistisch
gedacht von mir. Wenn ich mich möglichst wenig selbst-verleugnen muss, geht es mir besser, als wenn ich zu viele Kompromisse eingehe. Daher suche ich
eben bevorzugt nach Lebenspfaden, auf denen ich mich weniger verleugnen muss. (was natürlich nicht ganz einfach ist...)
Um nochmal auf mein Beispiel zurückzukommen:
Ein Deserteur kann auch nicht einfach mitten im Schützengraben sein Gewehr hinschmeissen und sagen: "Leckt mich am Arsch, Jungs. Ich geh jetzt nach
hause!" Dann wäre er schneller kaputt, als er wegrennen könnt.
Der kluge Deserteur wartet dagegen geduldig auf seine Chance.. auf den einen Lastwagen, auf den er unbemerkt aufspringen kann, oder ähnliches. Und so
lange , bis diese Chance kommt, versucht er eben, so gut es geht durchzuhalten und am besten nur in die Luft zu schiessen anstatt auf den Feind.
Im übertragenen Sinne hiesse das:
Höre nicht auf, zu träumen, über dich selbst und deine Umgebung nachzudenken, und auf deine Chance zu warten.
Es gibt sicher nen Job irgendwo, für den du nicht von zu hause wegziehen musst. Wenn dir die Anforderungen der Welt zu hoch sind, such dir nen Job an
der Tanke ( :D @ q ) Irgendwas, wo nicht so viel Leistung und Perfektion von dir verlangt wird... Ich bin mal ne zeitlang am Fliessband gestanden. Da
hat man mich nur hingestellt und ich hab dann irgendwelche Röllchen zugeschraubt. Naja, ist aber nix, was man wohl dauerhaft machen kann, ohne
geistig abzustumpfen. Doch wenigstens hat da niemand mehr von mir verlangt, als ich der Gesellschaft geben wollte (und das war eben nur mein Körper,
nicht mein Geist)
ach, ich weiss auch nicht. Ist wirklich ne scheiss Situation, und da ist es wohl auch kein Trost, dass es nicht nur dir so geht.
Gibt es denn irgendwas, wofür du dich richtig begeistern kannst? Also Hobby oder irgendeinen Traumberuf? (ich weiss, das ist ne bescheuerte Frage,
die dir auch jeder andere stellen könnte... sorry. Aber irgendwie muss ich mir ja ein bild von dir machen)
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quaid
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Motto: their law
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Verfasst am: 7.9.2005 um 21:06 |
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in dieser welt eignet man sich am besten die einzigartige naturepische fähigkeit des leguans an, sich seiner umwelt anzupassen. das ist zwar
sinnbildlich gesprochen, steht den tatsachen wie ich finde aber erschreckend nahe.
ich hab auch viel scheisse erlebt bisher. aber ich denke, das hat mich irgendwie abgehärtet. und das muss man manchmal echt sein.
das ist sicherlich wie mit den krankheiten.. du bist anfälliger für einen virus, wenn du ihn vorher nie gehabt hast und dein körper sich so nie
darauf einstellen konnte.
am schlimmsten an einem arbeitstag finde ich morgens den weg hin und nachmittags den weg zurück. den überbrücke ich dann mit musik aus meinem mp3
player. für jede stimmung ist ein lied dabei 
kann ich nur empfehlen..
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...
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Verfasst am: 8.9.2005 um 01:24 |
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@Gast:
Für mich hört sich das aber auch ein bißchen nach Depression und Phobie an.
Depression kann immer sein, das ist heute Volkskrankheit Nummer eins. Das kann ein neurologe eigentlich ziemlich gut bearbeiten, aber selbst, um zum
Neurologen zu gehen, fehlt, den meisten Depressiven noch der Antrieb. Ich hatte das selber nach ´ner Hirnblutung und weiß, daß das absolut scheiße
ist, weil man irgendwie den Eindruck hat, daß man nix gebacken bekommt und es gibt noch viel schlimere Fälle, habe ich dann auf einer Rehemaßnahme
der BfA mitbekommen, die mir aber insgesamt sehr gut tat. Ich bin jetzt, zwei jahre später, nach langen Tablettengebrauch mal soweit, daß ich die
jetzt wieder probeweise reduzieren kann.
Und bei den Phobien, die Du ansprichst (Angst vor fremden Orten usw.) kann Dir auch nur ein zweiter Mensch helfen oder aber , wenn überhaupt, ne
Therapie.
Die erste Frage, die Du Dir jetzt stellen mußt, ist , ob Du darunter leidest. Wie gesagt, ähnliche Erfahrungen haben wahrscheinlich alle hier, aber
sehen das eher als Bestätigung oder als Genuß an.
Wenn Du wirklich darunter leidest, dann wrde ich schon sagen, daß eine ärztliche Behandlung ja nun nix schaden kann.
Was hälst Du davon?
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Gast
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Verfasst am: 8.9.2005 um 09:18 |
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Es ist so: In der Regel komme ich klar. Die Gedanken sind zwar da, aber sie bleiben Gedanken und werden keine sich festsetzenden Emotionen. Nur
manchmal ist es eben nicht so und dann entsteht eine Scheiße, wie dieser Thread hier.
Mittlerweile geht es mir schon deutlich besser. Es ist wirklich nur eine Frage der Kraft, nichts weiter.
| Zitat | | Es gibt sicher nen Job irgendwo, für den du nicht von zu hause wegziehen musst. Wenn dir die Anforderungen der Welt zu hoch
sind, such dir nen Job an der Tanke ( @ q ) Irgendwas, wo nicht so viel Leistung und Perfektion von dir verlangt wird... |
Ich dachte an Putzen gehen. Auch gibt es hier noch einen heruntergekommenen Minigolfplatz, da könnte ich den ganzen Tag sitzen, ein paar Leutchen
abfertigen und Blumen pflegen. Nur wird da mein unterforderter Geist anfangen, sich selbst zu zerfleischen, das hatte ich früher schon mal, als ich
noch zur Schule ging und es mir deutlich schlechter ging als jetzt. Und die Sache ich die: Wenn ich nun diesen Anwandlungen nachgebe, mein Studium
schmeiße und zu Mami ziehe, dann werde ich da kleben bis zum Ende meiner Tage, auch wenn mich die Sache auf Dauer unglücklich macht, weil meine
Angst vor der Welt dadurch immer weiter wachsen wird.
Jetzt habe ich noch die Wahl und das ist ein großer Vorteil.
| Zitat | | Gibt es denn irgendwas, wofür du dich richtig begeistern kannst? Also Hobby oder irgendeinen Traumberuf?
|
Nun, den gab es mal, als ich 13 war. Es war zwar kein Traum mehr, als ich 16 war, mir fiel dann aber nichts besseres mehr ein und drum blieb ich halt
dabei und studiere jetzt Physik. Zum Glück habe ich aus unerfindlichen Gründen ein gewisses Talent dazu, sonst hätte ich die Sache schon lange
geschmissen, da sie mir zu viel Ausdauer abverlangt hätte. Aber die Welt in abstrakten Konzepten zu ersäufen, gefällt mir irgendwie, (solange man
nicht wie jetzt Prüfungen von mir verlangt) auch wenn es mir schwerfällt zu glauben, dass irgendjemand tatsächlich Leute für so etwas bezahlt -
naja. Leider lässt man mich nicht ewig rumstudieren und dass ich in dem Job alt werde, glaube ich nicht - aber dann kann ich ja Putzen gehen.
| Zitat | Wenn Du wirklich darunter leidest, dann wrde ich schon sagen, daß eine ärztliche Behandlung ja nun nix schaden kann.
Was hälst Du davon? |
In ärztlicher Behandlung war ich schon vor Jahren mal, als ich wirklich depressiv war und mir einbildete, ich müsste mich umbringen. Die Tabletten
waren gut, aber das therapeutische Geschwall war furchtbar unnütz und mühsam, denn ich hatte kaum etwas zu erzählen. Und viel besser, als alles,
was ich mir selber ausgedacht habe, waren die Ideen des Therapeuten auch nicht - genormte Vorschläge, meine Güte, so etwas finde ich durch
Internetrecherche auch.
Wirklich geholfen - so makaber es klingt - hat mir in dieser Situation nur der Umstand, das gerade zu dieser Zeit der Lebensgefährte meiner Mutter
ganz plötzlich sterben musste. Da war mein Tod freilich nicht auch noch zumutbar und ich musste es ernsthaft mit dem Leben versuchen. Und damit ist
es wie mit Sport treiben: zu Beginn hat man absolut keinen Bock dazu und muss sich zwingen - und da braucht man einen guten Grund sich zu zwingen -
aber irgendwann geht es und man hat sogar den Wunsch danach.
Also ich halte zur Zeit nichts von ärztlicher Behandlung, wie gesagt, in der Regel komme ich klar.
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Lonewolf
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Motto: Kein Motto
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Verfasst am: 8.9.2005 um 16:22 |
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Ein paar Gedanken
| Zitat | Original von Gast
Die Anforderungen an mich mögen sinnlos sein, aber deswegen sind sie trotzdem da, das ist ja der Müll, für sinnvolle Dinge könnte ich schon ein
bisschen Engagement entwickeln, bloß sehe ich überhaupt keinen Weg, ein sinnvolles Leben zu führen, da ein paar fiese, "pathologische" Teile von
mir felsenfest darauf bestehen, dass diese ganze Scheiße mit der äußeren Welt und so keinen Sinn macht.
. |
Ich denke, das ist der Kern des Ganzen. Man kann versuchen, nach den Richtlinien zu leben, die einem die gesellschaftliche Norm (oder das, was man
dafür hält) vorschreibt, man kann die vorgestrickten Muster einer akzeptablen Lebensführung erfüllen, kurz gesagt: Man kann dem genügen, was
andere auf unterschiedlichsten ebenen von einem erwarten; und dennoch bleibt die eine Frage übrig: Wozu das alles? Was uns als erstrebenswertes
Leben verkauft wird, sieht auf den ersten Blick wie ein abgeschlossenes Konstrukt aus, dabei ist und bleibt es zwangsläufig nur eine (materielle)
Rahmenbedigung. Im Grunde ist die eigene (zumindest finanzielle) Unabhängigkeit das einzig lohnenswerte, das bei diesem Spiel der gesellschaftlichen
Selbstformung für uns rausspringt. Antworten darüber hinaus hat man nicht anzubieten, und ich bin ich auch nicht sicher, ob wir das verlangen
könnten oder sollten. Man hat eine gewisse Stufe erreicht, die es einem hoffentlich ermöglicht, in der Gesellschaft akzeptabel zu überleben; was
darüber hinaus geht, ist unsere persönliche Angelegenheit.
Der erste und vielleicht bedeutenste Denkfehler ist die Trennung zwischen innerer und äußerer Welt. Es geht in uns nicht nur um uns selbst, genauso
wenig wie es da draußen nur um den Kampf um oder für bestimmte Ziele geht, die mit unserem Inneren nichts gemein hätten. Ich kann mich nicht
selbst aus dieser Welt subtrahieren, und mein Ich als abgeschlossenen Raum betrachten, der dem "Außen" betrachtend gegenübersteht. In diesem
Zusammenhang werde ich mich selbst immer als abgeschlossenes ding betarchten, an dem die Welt vorüberzieht. Das Unbehagen, das mich befällt und die
unbestimmte Schwermut wird heutzutage nur zu gern auf eine "existentielle
personale Lebenskrise", eine "depression" reduziert. Das Nicht-funktionieren-können/wollen wird zur pathologischen Erscheinungsform einiger
weniger (?) Lebensunfähiger degradiert, der gesellschaftlich aufgezeigte Ausweg ist die Korrektur der eigenen Unzulänglichkeiten, in unserer
heutigen psycho-pathologischen Sichtweise leider zumeist auf rein medizinischem Niveau.
Aber sind wir wirklich nicht mehr als isolierte elementarteilchen, die sich in einem Kreislauf des Anziehens und Abstoßens zueinander und zur Welt
verhalten, und somit das Beziehungsgeflecht konstruieren, das wir Gesellschaft, oder abstrakter formuliert "soziale Welt" nennen?
Und was genau ist es, das wir mit "sinn" meinen? Eine sinnvolle (d.h. lebenswerte) Existenz, ein Auf-ein-Ziel-ausgerichtet-sein, das als
erstrebenswert erachtet wird, oder ein umfassendes Sinnkonzept, meinetwegen noch in einem metaphysischen Rahmen? Ich denke, wir übernehmen bestimmte
Formulierungen einfach aus unserer gesellschaftlichen Begriffstradition, und die damit verbundenen Lebensprobleme gleich mit. Das heißt nicht, dass
unserer existentiellen Probleme irgendwie irreal oder das Ergebnis eines sozialen Vorurteils wären, aber unsere Sichtweise bzw. Wahrnehmung des
ganzen Komplexes ist nicht so unverrückbar, wie es vielleicht zeitweillig erscheint.
Wir, die bestimmte Dinge vielleicht anders sehen, denen es schwer fällt innerhalb der Mechanismen, die uns umgeben, zurechtzukommen oder diese
überhaupt als "sinnvoll" zu betrachten ,sollten aufhören uns als krank, unzulänglich (ohnehin ein Unwort schlechthin) oder gar wertlos zu
betrachten- die Sichtweise, die die Welt als simple Maschinerie betrachtet, in der man lediglich zu funktionieren hat, ist es, die uns krank macht. In
keinem Fall ist es ein Individuum allein, dass "unpassend" wäre, da das Bild einer funktionierenden Maschine mit fehlerhaften Einzelteilen trotz
aller Popularität eben nicht die Welt darstellt, in der wir leben, ganz gleich wieviele Menschen an diese Lüge glauben und an ihr zugrunde gehen.
In jeder Hinsicht dienen wir uns selbst- ob wir uns abzukapseln versuchen oder für eine vermeintlich fremde Sache arbeiten. Sinnvoll ist in letzter
Konsequenz das, was UNS weiterbringt, und hier können selbst die banalsten Handlungen von Bedeutung sein.
Wir zimmern an unserer Existenz, jeden Tag und unaufhörlich, ob wir wollen oder nicht, da unser Sein genau dadurch gekenntzeichnet ist. Probleme sind
daher automatisch allgegenwärtig.
Momentan sehe ich keine Alternative zu einer gewissen Schwermut, wenn man mit offenen Augen durch diese Welt geht. Aber wir sollten uns hüten, diesen
unbestimmte Trübsinn als "krankhaft" zu betrachten-sicher gibt es soetwas wie ernsthafte Depressionen, aber ich denke, dass der anthropologische
Charakter dieses Gefühls nur allzugern unter den Teppich gekehrt wird. Wir sind eine nachdenkliche Spezies, die sich in unermüdlicher Hartneckigkeit
selbst Probleme schafft- vielleicht muss man einfach lernen, diesen Teil der eigenen Persönlichkeit zu verstehen und zu akzeptieren, anstatt die
einzelnen Manifestationen dieses Gefühls in konkreten Lebenssituationen überzubewerten.
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dian
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Verfasst am: 8.9.2005 um 18:38 |
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Also ich schliesse mich da mal meinen Vorrednern an, auch wenn ich angesichts der drückenden Sommerhitze nicht alles verstanden habe, was uns
LoneWolf da sagen wollte. :D
@ Gast:
Jetzt mal abgesehen von Job, Ausbildung und dem ganzen Mist...
auf diesem Gebiet läuft es ja wahrlich für viele nicht so gut. Was das aber meiner Meinung nach ganz gut kompensieren kann, ist ein intaktes Umfeld,
in dem man sich wertgeschätzt, akzeptiert und auch geliebt fühlt.
Wie sieht es da bei dir aus? Freunde, Freundin, Clique... hast du in deinem persönlichen Umfeld Menschen, die dir wichtig sind, und mit denen du
über deine Probleme reden kannst?
Allein ist alles doppelt so schwer. Und geteiltes Leid ist halbes Leid.
Wenn man geliebt wird und auch zurück liebt, kann man den nervigsten Job ertragen... jedenfalls besser, als wenn man sich nach der Arbeit statt auf
guten Sex, eine tröstende Umarmung oder anregende Gespräche nur auf ein Bier und einen heissgelaufenen PC freuen kann.
Sich ein solches geeignetes Umfeld aufzubauen, erscheint mir mindestens ebenso wichtig wie die Suche nach einem geeigneten Job.
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Verfasst am: 8.9.2005 um 19:29 |
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Also, erstmal @Gast:
Das hört sich doch auch erstmalnun in Deiner Aussage von heute doch schon etwas beruhigender an. Zum einen glaube ich, daß Du Dich hier auch etwas
mehr einbringen soltest, denn ich stelle fest, daß wir offenbar eine sehr hohe Anziehungskraft auf Naturwissenschaftler haben, oinsbesondere auf
Physiker. Ich gestehe ein, daß auch ich, wenn ich mich nicht unebdingt mit einem Teologiestudium vor dem Wehr und Zivildienst hätte drücken wollen,
bei mir vielleicht auch so etwas wie Mathe und Chemie rausgekommen wre.
Ansonsten würde ich auch sagen, daß da @Lonewolfs Rat da doch sehr sinnvoll ist. Versuche nicht, Dich in Übereinstimmung mit der Welt zu bringen.
Ich hab auch in meinen 43 Lebensjahren noch bislang selten Situationen erlebt, die eine Übereinstimmung von mir, meinem Job und meinen Hobbys mit dem
Leben in dieser Gesellschaft kompatibel ist.
Es gab diese Augenblicke, aber sie sind selten, die kleinen Momente zu erleben, wo man meint, die vollkommene zufriedenheit erreicht zu haben, sind
sehr kurz, aber es ist einfach dann nun mal Deine Aufgabe, darauf zu achten, daß Du die Momente in Deinem Gedächtnis speicherst. Das diese kleinen
Augenblicke da waren, das war der ganze Sinn, mehr sowieso nicht.
Und so, woie Du Dich in Deinem letzten Posting anhörst, hast Du das doch auch schon begriffen. Versuch´ Dir die Momente, die bislang Dein leben
lebenswert gemacht haben, noch mal bewußt zu werden, und genieße sie und versuche eben nicht, diese Zustände zu konservieren als eine Vorgabe für
dauerhaftes Glück oder ähnliches. Wenn Du das nämlich versuchst, dann wirst Du mit Sicherheit traurig.
@Lonewolf:
Erstmal danke für diese doch sehr brilliante Stellungnahme. Ich muß Dir aber in einem Punkte doch ein wenig wiedersprechen. Die Zeiten, wo gewisse
Zustände w9ie Depression o.ä. in der Psychiatrie oder in der Psychologie als "krankhaft" gesehen wurden, die sind nun auch irgendwann einmal
vorbei. Wenn man mittlerweile bei über 30 % der Menschen und bei über 50 % der Berufstätigen in der BRD eine Depression vermutet, dann begreifen
selbst Mediziner allmählich, daß dann die Definition von krankheit nicht mehr greifen könnte. Denn wenn schon 50% der berufstätigen Bevölkerung
so reagieren, daß ma sie nach den Definitonen von vor 30 Jahren Jahren als "nicht normal", also allgemeinhin als krank bezeichnen könnte, dann
merkt ganz, ganz langsam auch die medizin, daß nicht derjenige Mensch es ist, der zu behandeln ist, sondern daß die Probleme im Wirtschaftssystem
liegen
Wir sollten uns da nicht unbedingt den Diskussionen, die heutzutage in diesen Bereichen geführt werden, verweigern, sondern anerkennen, daß auch die
eben ganz langsam das Problem aufgreifen Wenn Du mit Psychotherapeuten oder Ärzten in BfA - Kliniken z.B. Sprichst, sind die sich alle der
Problematik bewußt, daß sie eigentlich für etwas bezahlt werden, was sie gar nicht machen können. Sie können die Menschen in diesem System nicht
gesund machen. Sie leben mit einer neuen Erkrankung, die man auch psychologisch definieren kann, die aber alle Auswirkungen eines Systemes sind, das
nicht funktionieren kann, weil es z.B. dem kategorischen Imperativ zuwiderläuft. Das Konkurenzprinzip im Kapitalismus ist schon von der Logik her
nicht in en funktionierendes Gesellschaftssystem zu integrieren.
Also müssen auch diese Therapeuten lernen, schizophren zu denken, genau wie alle, die in diesem System leben und es vorziehen, doch nicht das Gehirn
auszuschalten, wie auch Du, @Gast.
Insofern, @Dian, sind Deine Tipps da schon ganz gut, daß es auch darum geht, ein intaktes soziales Umfeld zu besitzen, allerdings gehen auch ´ne
ganze Menge Sachen sogar ohne dieses. Als grundsätzliche Vorbedingung würde ich sogar sagen, daß man als erstes lieber mit sich alleine klar kommen
sollte als sich darauf zu verlassen, daß es da immer jemanden gibt, der zu einem halten wird. Da hat man nämlich oftmals wenig Einfluß drauf.
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Lonewolf
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Verfasst am: 8.9.2005 um 23:19 |
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Um vielleicht etwas konkreter zu werden- @gast: Ich habe den Eindruck, dass du in erster Linie unter einer großen Lebensangst leidest. Denn mangelnde
Perspektiven scheinen es ja nicht primär zu sein, die dich aufhalten; und ich wäre sicher nicht so zynisch, einem wirklich armen Teufel etwas von
seiner persönlichen Freiheit und Eigenverantwortung zu erzählen (wie es Sartre teilweise wohl getan hat). Aber du scheinst dir ja im Grunde selbst
im Wege zu stehen, d.h. du hättest bestimmte Möglichkeiten, siehst aber keinen Sinn in ihnen. Ich kann das gut nachvollziehen, genauso verstehe ich
auf einer emotionalen Ebene den Satz von der "dunklen Zukunft". Rational betrachtet ist das natürlich Unfug, die Zukunft ist vielleicht dunkel im
Sinne von ungewiss, aber sie stellt nicht zwangsläufig einen Weg nach unten dar. Ich denke sogar, dass die Märchen von der großen bösen Welt eher
der Kampfzonen- bzw. Ellbogenmentalität desjenigen Systems entsprechen, dass wir doch im Grunde unseres Herzens als sinnlos und verlogen empfinden.
Das Leiden an den persönlichen Unzulänglichkeiten (oder was man dafür hält...) ist auch so eine SAche, die ich nur allzu gut nachfühlen kann. Ich
glaube von Kafka stammt der Vergleich, dass das Leben zwar nicht aus Abgründen, aber aus zig Fallstricken besteht, in die der "Unzulängliche"
ständig hineintritt, während andere Menschen diese mit einer scheinbaren Leichtigkeit umgehen können. Ich denke allerdings, dass es eher eine Frage
der persönlichen Konfliktverarbeitung bzw. der reinen Selbsteinschätzung ist, wie dieser Lebensweg wahrgenommen wird. Wer mit Leichtigkeit
vorankommt, ist derjenige, der die Stürze nicht als reines persönliches Versagen und als Hiebe für sein Selbstwertgefühl begreift, sondern als
natürliche Konsequenz eines Lebens, das sich eben auf die eine oder andere Weise immer als problematisch gestaltet.
Um mal kurz auf deine Idee mit dem Putzengehen zu kommen: Ich denke, dass hier tatsächlich in erster Linie die Furcht aus dir spricht, deinen
gewohnten Lebensrahmen aufzugeben. Sich als intelligenter Mensch (und das scheinst du zweifellos zu sein) in geistig wenig anspruchsvolle Tätigkeiten
zu flüchten ist dann ok, wenn man mit sich selbst im reinen ist. Wenn das aber nicht der Fall ist, endet sowas nur in Selbstzerfleischung, da deinen
Gedanken kein anspruchsvoller Tätigkeitsbereich mehr gegeben ist. Und Gedanken werden mitunter sehr gefährlich, wenn man sie einfach so
herumschweifen lässt. Daher würde ich dir auf jeden Fall raten, dein Studium solange beizubehalten, wie es für dich gut funktioniert., bzw. es
vielleicht noch durch etwas geisteswissenschaftliches zu erweitern. In einem Studium ist man desweiteren noch nicht irgendwelchen
Leistungsanforderungen im kapitalistischen Sinn ausgeliefert, was will man mehr?
Das mit dem sozialen Umfeld ist auch so ein Problem. Es ist nicht so schwer, über ein paar gemeinsame Nenner einen Bekanntenkreis aufzubauen,
allerdings haben solche Verhältnisse nicht unbedingt großen Tiefgang, doch mir scheint, vielen Menschen scheint es schwer sich über eine Grundbasis
heraus einander anzunähern. Dabei ist tatsächlich die wahre geistige und seelische Verwandschaft zu einem anderen Menschen mitunter das
Erfüllenste, was in diesen Leben möglich ist.
Hierfür musst du lernen einen Traum zu entwickeln, den ein anderer eventuell teilt, d.h. einen Blick auf den Gesamtzusammenhang hinter deinen
Empfindungen.gerade (!) hinter den negativen, die du nicht als
Krankheitssymptome, sondern als Möglichkeit einer erweiterten, tieferen Weltsicht begreifen kannst. Dass Schwermut alle edlen und großen Geister
auszeichnet, wusste schon Aristoteles 
Zu dem heroischenKampf gegen die Mechanismen dieser Welt: Es geht bei der individuellen Lebensführung nicht darum, wer dir zujubelt und wer nicht-
das Lebens ist kein Cabaret und wir sind keine Unterhalter. Es geht darum ,welches Leben deinem Wesen entspricht; als überaus nachdenklicher,
kritischer und melancholischer Mensch musst du dich vielleicht an den Gedanken gewöhnen, dass du niemals einen endgültigen Frieden mit der Welt
machen kannst, dass deine anpassung möglicherweise die Welt zufriedenstellen mag, aber niemals dich selbst.
Das ist nicht schlimm, im Gegenteil, alle großen Taten und Gedanken resultieren aus dem Konflikt heraus. Wenn diese komplizierte Welt für dich als
komplizierten Menschen immer und überall Konflitkherde aufzubieten hat, kannst du an ihr reifen und wachsen wie kein anderer, der mit stiller
akzeptanz durchs Leben geht.
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Zelder
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Verfasst am: 8.9.2005 um 23:51 |
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Da möchte ich mich doch bei unserem Gast bedanken das er/sie so einen interessanten Threat vom Stapel gestossen hat. Auch ich dabei nur als stiller
Mitleser auftrete.
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...
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Verfasst am: 9.9.2005 um 00:00 |
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Dem Dank kann ich mich nur anschließen.
Zu @Lonewolf noch eine Anmerkung noch:
Auch mit einer ziemlich schwachsinnigen Tätigkeit kann man ganz gut zu sich und seinen Perspektiven finden. Das ist nicht unbedingt Voraussetzung,
daß das was sein muß, was von sich aus zum Denken anregt. Die Wiederkehr des ewig gleichen kann einem dann nämlich eher den halt geben, den man
braucht, um mal selber unbeständig zu sein.
Einiziges Problem, was mir noch auffiel, @Gast, was vielleicht noch übrigbleiben könte, ist das Problem Deiner Antriebslosigkeit.
Wie stark schätzt Du sie ein und wie stark stört sie Dich?
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Gast
Beiträge:
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Verfasst am: 9.9.2005 um 14:37 |
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| Zitat | Nicht so schlimm, was nötig ist, das tu ich eben. Es ist wohl eher eine gewisse Trägheit: es muss einiges passieren, bis ich
meinen Arsch hochkriege.
| Zitat | | Zum einen glaube ich, daß Du Dich hier auch etwas mehr einbringen soltest |
Meistens habe ich halt nichts besonderes beizusteuern, aber ich bin schon registriert.
{quote]Wie sieht es da bei dir aus? Freunde, Freundin, Clique... hast du in deinem persönlichen Umfeld Menschen, die dir wichtig sind, und mit denen
du über deine Probleme reden kannst? |
Nun, ich habe Bekanntschaften, die aber nicht tiefgehend sind. Da spiele ich meist den klugscheißerischen Clown vom Dienst, eine wirklich sehr nette
Rolle, die oft genug Spaß macht.
Echte Freunde täten mir sicher gut, aber ich bin ein eher einzelgängerisches Dasein gewohnt. Es wäre schwierig für mich, mit Freunden "über
alles zu reden", ich wollte ja nichteinmal in einem anonymen Forum meinen anonymen Nick dazu verwenden. Eure Reaktionen waren unerwartet, ihr habt
euch richtig Mühe gegeben mit mir, einfach so, ich bedanke mich dafür. Deshalb will ich sagen, dass der "geheimnisvolle Gast" bloß Maria ist. Es
macht ja eigentlich keinen Unterschied, wenn ich das sage und aus dem Forum abhauen kann ich immer.
| Zitat | | Wer mit Leichtigkeit vorankommt, ist derjenige, der die Stürze nicht als reines persönliches Versagen und als Hiebe für sein
Selbstwertgefühl begreift, sondern als natürliche Konsequenz eines Lebens, das sich eben auf die eine oder andere Weise immer als problematisch
gestaltet. |
Das weiß ich. Manchmal hat man eben das Gefühl, man könnte genau das nicht ertragen: dass nichts völlig unproblematisch ist und sich von selbst
versteht.
Das Ganze ist, wie schon ein- oder zweimal gesagt, nur eine Frage der Kraft. Denn man kann sich kein perfektes Leben zurechtschneidern, das man sich
nichteinmal ausdenken kann
| Zitat | | Um mal kurz auf deine Idee mit dem Putzengehen zu kommen: Ich denke, dass hier tatsächlich in erster Linie die Furcht aus dir
spricht, deinen gewohnten Lebensrahmen aufzugeben. |
Das auch, aber insbesondere schlagen mir die vielen Menschen, das viele Kulturland, das blasse Gras und der blasse Himmel aufs Gemüt. Diese
domestizierte Umgebung, die ihrer natürlichen Schönheit beraubt nur noch dafür da ist, den Menschen zu dienen, erscheint mir stumm und leer und sie
auf Dauer zu ertragen, habe ich in 2 Jahren nicht gelernt.
| Zitat | | Daher würde ich dir auf jeden Fall raten, dein Studium solange beizubehalten, wie es für dich gut funktioniert., bzw. es
vielleicht noch durch etwas geisteswissenschaftliches zu erweitern. |
Gut, darüber werde ich nachdenken, auch wenn mein Denken schnell unstrukturiert wird, wenn es nicht so stur geradeaus geht, wie in der Mathematik
oder Physik. Aber ich kann mich ja in die ein oder andere Vorlesungen setzen und schauen, ob mir das was bringt.
| Zitat | Dabei ist tatsächlich die wahre geistige und seelische Verwandschaft zu einem anderen Menschen mitunter das Erfüllenste, was
in diesen Leben möglich ist.
Hierfür musst du lernen einen Traum zu entwickeln, den ein anderer eventuell teilt, d.h. einen Blick auf den Gesamtzusammenhang hinter deinen
Empfindungen. |
Instinktiv ist dieser sicher da, ob ich ihn so deutlich entwickeln und dann auch noch für andere sichtbar machen kann, weiß ich nicht, es käme mir
auch irgendwie gewaltsam vor.
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dian
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Motto: Kein Motto
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Verfasst am: 10.9.2005 um 00:21 |
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| Zitat | | Deshalb will ich sagen, dass der "geheimnisvolle Gast" bloß Maria ist. Es macht ja eigentlich keinen Unterschied, wenn ich
das sage und aus dem Forum abhauen kann ich immer. |
Nun, einen Unterschied macht es nur in sofern, dass ich ja dann weiss, dass du jemand bist, der ziemlich kluge Gedanken hat... und der seine definitiv
vorhandenen Talente und Fähigkeiten beim Putzen vielleicht doch ein bisschen arg brachliegen lassen würde. 
Wobei, auch so ein Weg kann natürlich eine Alternative sein.
Da muss ich dann irgendwie an den Hausmeister aus dem Film "Disturbing Behaviour" denken. Der macht einen auf Dorftrottel, und alle halten ihn für
einen absoluten Schwachkopf... dabei ist er in Wahrheit der Klügste und Belesenste an der ganzen Schule, und hat seine Identität nur als Tarnung, um
seine Ruhe zu haben. Den fand ich irgendwie ziemlich beeindruckend.
Aber für so ein Leben muss man halt schon auch erstmal die richtige Einstellung mitbringen. Man darf sich nichts aus Anerkennung und Lob seiner
Mitmenschen machen... (und wenn wir ehrlich sind, freuen wir uns über sowas doch alle irgendwie...)
Also um dauerhaft so schizophren zu leben, muss man denke ich seelisch sehr stark und gefestigt sein. Ganz einfach ist das nicht, genausowenig wie
irgendein anderer Weg einfach ist.. (mal abgesehen vielleicht von dem Weg des Lemmings... aber der ist ja nunmal für unseresgleichen nicht wirklich
ein Weg. Ganz abgesehen davon, dass auch die Lemminge leiden und manchmal das Gefühl haben, dass der ganze Himmel über ihnen zusammenbricht.)
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Seneca
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Motto: Kein Motto
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Verfasst am: 10.9.2005 um 00:54 |
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Wenn ich dir zum Thema zurechtkommen mit der Alltagswelt einen Rat geben kann, der mir trotz meines geringen Alters schon viel genützt hat:
Die Welt kannst du vielleicht verändern, aber im Moment ist sie so wie sie ist. Du musst das nicht akzeptieren, aber da du ja schätze ich mal
abgesehen von Selbstmordgedanken ja im Leben etwas erreichen möchtest, im Sinne von dass du glücklich wirst., empfehle ich dir, dich den
gesellschaftlichen Gegebenheiten zwar nicht anzupassen, aber sie für den Moment so hinzunehmen wie sie sind. Und wenn du das hinkriegst, dann hast du
eine echte Perspektive. Das hab ich oftmals auch so geregelt, indem ich einfach gesagt habe:
"Ok, es passt mir zwar nicht, aber ich muss da durch und dann kann ich immer noch was dagegen unternehmen"
Die Gedanken sind frei heißt es. Das ist richtig und wichtig. Natürlich nützen Gedanken alleine nichts, doch man kann sie aufbewahren, bis die
Gelegenheit kommt sie in die Tat umzusetzen und dann zuschlagen.
Als Beispiel:
Ich, Schüler, Klasse 12, bin mit dieser Gesellschaft nicht einverstanden wie sie ist. Ich möchte eine neue Gesellschaft der Toleranz und der
Freundschaft. Aber im Moment kann ich gegen diese Gesellschaft nichts ausrichten, sondern würde mir mit einem Kampf gegen sie nur jegliche
Siegeschancen zunichte machen. Also warte ich ab, nehme die Gesellschaft im Moment hin wie sie ist. Aber wartet, wenn ich meine wacklige Position
gefestigt habe, dann kann ich den Kampf für die Ziele, für die ich eintrete neu aufnehmen.
So ähnlich kannst du es auch tun. Nimm einfach mal dein Leben so hin wie es ist. Mach dir geistig völlig klar, dass es so wie es ist falsch ist,
aber man es im Moment nicht ändern kann. Wenn du dann gelernt hast damit klarzukommen , kannst du den Kampf aufnehmen und dein Leben gestalten nach
deinen Vorstellungen. Aber wenn man mit seiner jetzigen Situation Probleme hat kämpft sich eben so schlecht.
Außerdem, wenn das nicht hilft, muss ich Arne recht geben. Ich halte zwar Depressionen NICHT für eine Krankheit, sondern einfach für einen
psychischen Zustand, aber ein Arzt kann trotzdem helfen.
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...
Beiträge: 4247
Registriert seit: 12.7.2007
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Verfasst am: 10.9.2005 um 03:14 |
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Also, erstmal Kompliment, @Maria.
Diesmal wäre ich nicht auf Dich gekommen. Den Gast hatte ich mir männlich vorgestellt und wesentlich zurückhaltender als wie man Dich hier vom
Posten her kennt.
Mir ist bislang immer aufgefallen, daß Du wirklich sehr berechnend und sehr kühl denken kannst. Das ist ´ne Eigenschaft, die ich sehr bewundere.
Insofern mache ich mir jetzt Gedanken, ob Du das wirklich so verstehen kannst, wie wir das gesagt haben. Ich denke, der Ansatz von @Lonewolf war der,
der für Dich am ehesten nachvollziehbar sein müßte, wenn ich jetzt nicht ganz danben liege, Dein Denkschema zu analysieren.
Mal ´ne ganz doofe Frage: Hast Du mal irgendeine Art von IQ - Test oder so gemacht? Ich weiß, daß die Dinger meistens nix taugen. @Harlequinn kann
dazu schon ´ne ganze Menge erzählen. Aber ich habe vor ein paar Tagen einen Fall im radio gehört, der mich doch sehr an Deine Aussage, daß Du
leber putzen gehen wolltest, erinnerte. Da war ein mensch, ein Mann , der, wenn ich das richtig verstanden hatte, auch schon mit 23 sein Diplom in
Mathe - und Physik gerade machte.
Dr hat dann auch von einem Tag auf den anderen alles hingeschissen und sitzt jetzt zu Hause rum und macht gar nix. Lebt von HARTZ IV. Er nennt es auch
Verweigerung. Es ist also nicht ganz undenkbar, daß man sich manchmal auch erade bei den angeblich so unglaublich großen Chancen, die einem eine
solche Begabung biette, an eine Stelle gelangt, die einem keine Antwort mehr biette.
Was mich noch interessieren würde, und ich versuche das mal in Deiner Denkweise auszudrücken:
Fehlt Dir das Axion, was Dein Leben ausmachen soll, oder bis Du ganz einfach an einem Punkt angekommen, wo Dir eine neue Definition fehlt, um
weiterzukommen?
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Ina
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Motto: Kein Motto
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Verfasst am: 10.9.2005 um 13:22 |
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@Dian
Wenn ich weiß Gott wie begabt wäre, wäre Putzengehen tatsächlich eine Verschwendung meiner Talente. Aber das was ich kann, können genug andere
auch. In der Mittelstufe habe ich vielleicht noch geglaubt, ich sei ein bisschen genial, weil ich vergleichsweise sehr gut war und mich meine
Mathelehrer immer in höchsten Tönen gelobt hatten, aber ich habe zum Glück rechtzeitig gesehen, wie die wirklichen Genies ausschauen. Ich hab da
einen gesehen, es war zwar unmöglich, mit dem zu reden - insbesondere, wenn man weiblich war - aber der hatte es drauf, das kam einem fast
übermenschlich vor. Und der war nicht der Einzige.
| Zitat | | Aber für so ein Leben muss man halt schon auch erstmal die richtige Einstellung mitbringen. Man darf sich nichts aus
Anerkennung und Lob seiner Mitmenschen machen... |
Hmm, vielleicht, andererseits ist man ziemlich arm dran, wenn man von Lob und Anerkennung besonders abhängig ist, egal in welcher Position man steht.
Es gibt viel zu viele Menschen, insbesondere Frauen, die sich bei allem, was sie tun, fragen, was andere davon halten und ob es wohl gut ankommt. Als
ob sich die Menschen so füreinander interessieren würden - abgesehen von pathologischen Klatschtantenausnahmen.
Naja, das Gesündeste liegt wohl irgendwo dazwischen, wie immer.
| Zitat | | Ganz abgesehen davon, dass auch die Lemminge leiden und manchmal das Gefühl haben, dass der ganze Himmel über ihnen
zusammenbricht.) |
Das ist oft genug so und das ist das wirklich Interessante daran: dass die sich eine seltsame Welt erschaffen haben, mit der kaum ein Mensch wirklich
klarkommt. Die "Verlierer" sowieso nicht, aber schau dir doch mal die "Gewinner" an, sehen die wirklich glücklich aus?
Letztens sah ich eine Doku und da kam eine reiche Erbin vor, die tat den ganzen Tag eigentlich nicht viel mehr als sich gepflegt zu langweilen (Essen,
bisschen Schwimmen, Schönheitspflege) und abends ging es dann in eine komische Gesellschaft. Sie erzählte zwar, sie sei glücklich, aber ich bildete
mir ein, sie sähe ganz und gar nicht danach aus sondern eher wie eine, die sich mit Tabletten vollstopft um ihren furchtbaren Tag zu überstehen.
Wenig Mimik, eine gewisse Zähigkeit in allen Bewegungen und im Gespräch - seltsam halt, Endziel des Lemmingwegs.
@Seneca
Hmm, wie macht man das, dass man fest davon überzeugt ist, es wäre im Moment keine Änderung möglich? Denn eigentlich ist sie das fast immer und da
geht dann das Gegrüble los.
Oder meinst du einen Gedanken in der Art: "Im Moment wäre zwar eine Änderung möglich, so wie man fast immer alles stehen und liegen lassen kann -
wenigstens prinzipiell - aber ich bin zur Zeit dafür ganz und gar nicht in der Lage." - und fertig?
@Arne
| Zitat | | Den Gast hatte ich mir männlich vorgestellt und wesentlich zurückhaltender als wie man Dich hier vom Posten her
kennt. |
naja, das ist hier ja etwas anderes, auf der simplen, klaren, logischen (und meinetwegen auf der kabarettistischen) Ebene gibt es nicht viel Grund
für Zurückhaltung.
| Zitat | | Mir ist bislang immer aufgefallen, daß Du wirklich sehr berechnend und sehr kühl denken kannst. Das ist ´ne Eigenschaft, die
ich sehr bewundere. Insofern mache ich mir jetzt Gedanken, ob Du das wirklich so verstehen kannst, wie wir das gesagt haben. |
Nun ja, meine Gefühle brauche ich nicht zu verhätscheln, die spucken mir in die Suppe, ob ich will oder nicht und sorgen schon dafür, dass mir
nicht langweilig wird.
Die sind, wie in dem Thread deutlich erkennbar ist, nicht das Allerbeste an mir und haben etwas Tyrannisches, dem schlecht beizukommen ist. Berechnend
und kühl denken zu können, ist da wahrscheinlich notwendig.
Ob ich die Sachen so verstehe, wie ihr sie gemeint habt, kann ich natürlich nicht sagen, aber irgendwie verstanden habe ich sie auf jeden Fall und
gutgetan haben sie mir auch.
Es geht bei so etwas hauptsächlich ums drüber reden, denke ich.
| Zitat | | Mal ´ne ganz doofe Frage: Hast Du mal irgendeine Art von IQ - Test oder so gemacht? |
Nö.
| Zitat | Da war ein mensch, ein Mann , der, wenn ich das richtig verstanden hatte, auch schon mit 23 sein Diplom in Mathe - und Physik
gerade machte.
Dr hat dann auch von einem Tag auf den anderen alles hingeschissen |
Das kann ich gut nachvollziehen. Ich für meinen Teil werde nach dem Diplom aber erstmal versuchen, als Doktorandin unterzukommen und diesen Status
lange, lange beizubehalten: nach Halbzeit Thema wechseln, dann mit dem Professor nicht mehr klarkommen und Lehrstuhl wechseln etc. . Ohne besondere
Vorgaben herumforschen, zwischendurch ein paar Studenten unterrichten und ein paar hundert Euro dafür kriegen - ich weiß nicht, wie lang man das
hinziehen kann, aber ich glaube, das wäre erträglich.
| Zitat | Was mich noch interessieren würde, und ich versuche das mal in Deiner Denkweise auszudrücken:
Fehlt Dir das Axion, was Dein Leben ausmachen soll, oder bis Du ganz einfach an einem Punkt angekommen, wo Dir eine neue Definition fehlt, um
weiterzukommen? |
Nein, ich glaube, eine solche Sprechweise ist nicht nötig, ich bin das
Kind eines Bäckers und eines Zimmermädchens, die mir normales Deutsch beigebracht haben (naja, ok, Hochdeutsch musste ich vom Fernseher lernen).
Aber wenn du so fragst, glaube ich, mir fehlen die Axiome. Allerdings habe ich die im Grunde sicher, auch wenn ich es nicht weiß, denn irgendetwas
tue ich ja.
@nightrainmonk
Hmm, ich habe schon einiges von Kafka gelesen und gern, aber dass er auch sowas Schönes geschrieben hat, habe ich gar nicht gewusst.
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...
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Verfasst am: 11.9.2005 um 03:21 |
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Okay, @Maria, das hört sich jetzt für mich alles schon leichter verdaulich an, als das, was in den ersten Postings alles rübergekommen ist.
Das ganze als kaberettistische Einlage zu bezeichnen, hat schon wieder ein gewisses Understatement, das ich auch heraushöre, wenn Du auf die
bescheidenen sozialen verhältnisse hinweist, aus denen Du stammst und wieder etwas übervorsichtig, Dich für fast schon ganz durchschnittlich
hälst.
Ich kann mich Dir da nicht ganz anschließen, aber letztendlich mußt Du das wissen.
Ich für meinen Teil bleibe von Deinen Talenten fasziniert. Das war ich aber immer von Menschen, die sich den Naturwissenschaften und der Mathematik
zuwenden und dabei nicht das Denken über sich selbst und die Zustände, in denen sie leben müssen, vergessen.
Ich hab´den Widerspruch zischen der absoluten Zwangsmäßigkeit der Logik und dem tatsächlichen Leben nie ganz auflösen können und bin vielleicht
auch deshlab irgendwann mal in der Oberstufe im Mathe - LK abgesackt bei Analysis.
Du gehst den Widerspruch zumindest nun noch bis zu einem gewissen Punkt weiter. Kompliment.
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Ina
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Verfasst am: 11.9.2005 um 12:22 |
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Hmm, da hast du was falsch verstanden, ich neige durchaus zu kabarettistischen Einlagen, aber das war keine.
Ich sagte auch nicht, dass ich durchschnittlich bin, ich halte mich durchaus für begabt, allerdings nicht für außergewöhnlich begabt und diese
Ansicht stützt sich nicht auf Selbstzweifel, sondern auf Beobachtung.
Weißt du, wenn man 2 Jahre lang irgendwas studiert, kommen einem anderen die angelernten Dinge schnell mal wie Genialität vor.
Aber du darfst natürlich so fasziniert von mir sein, wie du willst 
Ach ja, und die Sache mit der Herkunft: ich wollte nur klar machen, dass die Putze mein natürlicher Platz in dieser tollen Gesellschaft ist 
| Zitat | | ich hab´den Widerspruch zischen der absoluten Zwangsmäßigkeit der Logik und dem tatsächlichen Leben nie ganz auflösen
können und bin vielleicht auch deshlab irgendwann mal in der Oberstufe im Mathe - LK abgesackt bei Analysis. |
Nun, nach allem, was ich bislang so von dir gelesen habe glaube ich, dass dein Problem Folgendes ist: du musst dir etwas vorstellen können, bevor du
damit umgehen kannst - ist das richtig? Aber gleichzeitig willst du die Sachen durchaus verstehen (was dich davon abgehalten hat, es in Mathe wie die
meisten anderen zu machen und einfach stumpf nach Kochrezept deine Kurve herunterzudiskutieren).
Und bei der Oberstufen-Analysis wird es eben das erste Mal mit der Vorstellung schwierig (infinitesimale Größen, Grenzwerte) und man muss langsam
beginnen, nur mit Definitionen und bewiesenen Sätzen zu hantieren, um beim Umgang mit dem Unendlichen keine Fehler zu machen.
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dian
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Verfasst am: 11.9.2005 um 20:39 |
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| Zitat | | Das, was die neue Physik über die Welt zu sagen hat, kann für das Bild, das wir von uns haben, entscheidender und
revolutionärer sein, als dieses ganze Soziologen- und Psychologengeschwätz. Sei froh darüber, dass dir naturwissenschaftliches Denken anscheinend
relativ leichtfällt, und du da viel zu geben hast. Leute wie ich haben leider noch gedacht, wir könnten unsere Probleme lösen, indem wir Adorno
lesen und danach als Schafhirten in den Pyrenäen die Weltrevolution vorbereiten... |
hmm... was hat die "neue Physik" denn über die Welt zu sagen, dass es deiner Meinung nach so eine tiefgreifende Bedeutung haben könnte?
Naturwissenschaft braucht man meiner Meinung nach eher dafür, Raketen zu bauen oder Krankheiten zu heilen. Aber auf der Suche nach uns selbst hilft
sie irgendwie nicht. Ich meine, ob die Welt nun durch nen Urknall entstanden ist oder von welchem Tier wir nun genau abstammen... das ist sicher ganz
nett zu wissen, doch was ändert es denn grossartig?
Man sollte nicht den Fehler begehen, mit Rationalität und Logik alles erklären zu wollen.
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Ina
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Motto: Kein Motto
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Verfasst am: 11.9.2005 um 22:57 |
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| Zitat | | An einem neuen Weltbild mitzuarbeiten macht aber bestimmt mehr Spaß, als Depressionen durch Sport und kaltes Duschen zu
bekämpfen |
Tja, das würde mir glaube ich Spaß machen, wenn man mich ließe. Nur macht die gute Profitgier nirgens halt, ursprünglich ging es mal darum, die
Welt zu verstehen. Jetzt hingegen will man nur irgendwelche technischen Anwendungen aus der Natur herausquetschen. Da ist es kein Wunder, dass die
meisten Naturwissenschaftler in der Industrie landen und viele andere, so wie @dian, generell nicht viel von der Naturwissenschaft halten.
| Zitat | | Man sollte nicht den Fehler begehen, mit Rationalität und Logik alles erklären zu wollen. |
Diesen Fehler schafft man nur mit solider Halbbildung, denn dazu sind die meisten Dinge schlicht zu kompliziert - es gibt 5 Probleme, die die Physik
exakt lösen kann, der Rest sind Näherungen - und andere Dinge sind gar nicht richtig fassbar und das sind dummerweise meistens die, die einen
wirklich etwas angehen.
Die interessanteste Aussage der neuen Physik steckt meiner Meinung nach in der Quantenmechanik: dass die Welt nicht so ist, wie man glaubt, ja dass
sie sogar im Grunde unvorstellbar ist und die Frage, was Wirklichkeit ist, nicht bloß eine philosophische Spitzfindigkeit sondern ein echtes,
tiefgehendes Problem ist.
Da ist eine Wellenfunktion, die eigentlich gar nicht da ist, die aber trotzdem alles bestimmt. Die Begriffe Ursache und Wirkung haben keinen richtigen
Sinn mehr, da ist nichts, das was anderes stößt, das dann wegfliegt, sondern das System entwickelt sich einfach. Etwas genau zu berechnen ist in der
Regel unmöglich, denn man bekommt nur Wahrscheinlichkeiten, die Welt ist auf unbegreifbare Weise zerflossen, man muss sie stören, damit man etwas
genaues sieht.
Gut, und für alle, die jetzt auf eine peinliche Folgerung für das persönliche Leben bestehen: Ich und du, wir müssen nichts Konkretes sein -
zumindest nicht, wenn niemand hinsieht - etwas anderes wäre sogar unnatürlich, man muss sich nicht verstehen, nichtmal ein kleines Elektron weiß,
wo es als nächstes hinkollabiert - also.
Klar, wirklich notwendig ist dieses Geschwätz auch nicht, aber was ist das schon.
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